THE FLEA-PIT - The Life And Times Of Doug Jaranski

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VÖ: 11.01.2020
Bandinfo: THE FLEA-PIT
Genre: Progressive Hardrock
Label: Painted Bass Records
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Lineup  |  Trackliste

Hinter dem niederländischen Projekt THE FLEA-PIT steckt das Duo Harald te Grotenhuis (Gitarre, Gesang) und Wily van Haren (Schlagzeug). Letzterer ist passenderweise auch Comic-Zeichner, wodurch diese Konzept-Vision ganz ohne externes Zutun realisiert werden konnte. Bei "The Life And Times Of Doug Jaranski" handelt es sich nämlich nicht nur um den ersten musikalischen Output der beiden, sondern auch um einen zugehörigen Comic. Also eine CD, die auf einem Comic basiert... Oder ein Comic, der auf einer CD basiert? Wie auch immer, jedenfalls präsentiert uns das Duo hiermit ein spannendes Konzept.

"The Life And Times Of Doug Jaranski" befasst sich mit - Überraschung - dem Dasein von Doug Jaranski, einer geplagten Dichter-Seele, die sich mit reichlich Alkohol und zwielichtigen Damen umgibt. Sein Leben spielt sich hauptsächlich in der Bar "The Flea-Pit" ab, in der man auf allerhand schräge Persönlichkeiten in Person- und Kreatur-Form trifft. Je weiter die Geschichte voranschreitet, umso surrealer wird sie und für Protagonist Doug wird es immer schwieriger, Realität und Fantasie voneinander zu trennen. Stattdessen sieht er sich mit seinen Fehlern, verlorener Liebe, den stechenden Blicken von schon lange dahingeschiedenen Berühmtheiten aus der Dichter-Szene und einer gigantischen Raupe konfrontiert. Beim Lesen des Comics wird schnell deutlich, dass sich Wily van Haren beim Zeichnen der Figuren zuweilen von Alice im Wunderland hat inspirieren lassen. Zurecht, immerhin passen die schrägen Wunderland-Protagonisten nur zu gut auch in das ähnlich abgedrehte Szenario in der Flea-Pit Bar. Eine coole visuelle Ergänzung zum Album.

Zum Musikalischen:

Mit "Blood Red Awakening" wird sich seufzend erst mal ein Bier geöffnet, bevor direkt los geschreddert wird. Tatsächlich kann man das wortwörtlich als Erwachen bezeichnen, das aufhorchen lässt. Die Musik des Duos zieht mich sofort in ihren Bann. Power Metal mit ordentlicher Thrash-Schlagseite, dazu rasante Riffs und Soli sowie mehrstimmiger Gesang stehen von Beginn an auf dem Programm. Kredenzt wird das Ganze aber immer mal wieder mit Elementen, die man so wohl nicht erwartet hätte. "The Barfly" etwa kommt mit Bar-Schunkel-Gedudel und deutschem "Das Schlimmste kommt noch"-Gesang daher, der schließlich umgehend in einer weiteren Schredder-Flut mündet - "I need a drink like a spider needs a fly" könnte da leicht zum Motto eines ausartenden Abends in der Bar werden. Also ganz das, was man in einer Spelunke wie im "The Flea-Pit" erwarten darf.

Der vielstimmige "Chor" in "Worm", der auch leicht mit heulendem Wind verwechselt werden könnte und sich mit anfangs trägen Gitarren verbindet, erzeugt eine düstere und fast schon unheimliche Atmosphäre ... und dann kommt plötzlich ein Banjo ins Spiel! Klingt vielleicht komisch, aber greift irrsinnig gut ineinander! THE FLEA-PIT vereinen also merklich verschiedenste Einflüsse gekonnt zu einem rasanten, leicht verrückten, aber durchaus spannenden Gesamtpaket. "Hymn To A Dead Dog" beginnt nochmal gewohnt rasant, verliert sich aber immer wieder in ruhigen Akustik-Passagen, die nach und nach wieder von mehrstimmigem Gesang, Orgel-Klängen und Riffs übertönt werden und damit nochmal extra einnehmend daher kommt, ehe die wilde, knapp 48-minütige Reise mit "Last Call" schon langsam zum Ende kommt.

Ein letzter Seufzer, ein letztes Mal Bierdose öffnen und Riffs loslassen, ehe man in Form von einem gehörigen musikalischen Arschtritt wieder aus der schummrigen Bar geschmissen wird. Bleibt wohl nichts weiter, als abzuwarten, bis sich der Atem nach diesem wilden Ritt wieder beruhigt hat, das nächste Dosenbier zu zücken und wieder zurück gen Realität zu torkeln. Schief dabei mitsingen natürlich inklusive. "Das Schlimmste kommt noch, das Schlimmste kommt noch..."

Fazit: Mal Hard Rock, mal Thrash, mal proggy - THE FLEA-PIT bedienen Querbeet rasante Genres und erschaffen damit ein explosives Ganzes, das einen ab der ersten Sekunde packt und erst zum Schluss etwas außer Atem wieder loslässt. Mit dem zugehörigen Comic ist das Konzept um eine spannende Ergänzung reicher. Klare Hör- und Lese-Empfehlung!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Angelika Oberhofer (07.03.2020)

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