CREMATORY - Unbroken

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VÖ: 06.03.2020
Bandinfo: CREMATORY
Genre: Gothic Metal
Label: Napalm Records
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Lineup  |  Trackliste

CREMATORY bedeutet frei übersetzt nichts anderes als Fettnäpfchen. Zumindest lässt die ganze Story um den letzten Release und die dazu angekündigte Tour kaum einen anderen Schluss zu, denn CREMATORY wanderten von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen. Rund um das neue Album "Unbroken" blieb es dahin gehend etwas ruhiger, was letztlich dennoch nicht ausschließt, dass Fettnäpfchen vorhanden waren bzw. sind. Zum Beispiel bietet die Band zur kommenden Tour ein VIP-Package an, das dem geneigten Fan (der hoffentlich brav die CD in allen Varianten vorbestellt hat) die Möglichkeit einräumt, für schlappe 99€ die Band vorher zu treffen mit Sektempfang, Soundcheck, Fotos etc. pp. Der größte Witz daran? Du benötigst ein herkömmliches Ticket von knapp 30€, um an diesem VIP-Upgrade überhaupt teilnehmen zu dürfen. Also lassen es sich CREMATORY günstige 130€ kosten, mit ihnen abzuhängen, nachdem die Fans rund um das letzte Album ja noch ordentlich an den Pranger gestellt worden sind. Sympathisch! Das als kleine Vorgeschichte zum neuen Album "Unbroken", das natürlich mit neuer Musik und frischem Gitarristen Connie Andreszka aufwartet, der Tosse Bassler ersetzt und natürlich auch die Clean Vocals übernimmt.

Der Titeltrack erwartet uns im offiziellen Video noch mit Robse von EQUILIBRIUM, doch auf der Albumversion ist er plötzlich nicht mehr zu hören. Mag es daran liegen, dass viele Fans Robses Feature bei diesem Song hinterfragt haben? Die Kritik fiel nämlich nicht ganz so positiv aus, was den Track angeht. Warum? Naja, ich sags mal so: Kauf ich euch nicht ab! Vor zwei Jahren werden Fans noch beschimpft, die konstruktive Kritik äußern, hin und wieder auf Streamingdienste zurückgreifen und nicht jedes Konzert besuchen und jetzt wollen uns CREMATORY mit diesem Song allen Ernstes klar machen, dass sie "a lot of fun" hätten? Dass sie dankbar sind für den ganzen Support? Dass sie ihren Traum mit uns bzw. ihren Fans teilen? Textlich wirkt der Song anbiedernd und unglaubwürdig. Hätte man mit dem letzten Release nicht die Keule so unüberlegt geschwungen, hätte ich der Truppe das sogar noch abgekauft nach so langer Zeit, doch selbst dann bleiben die Lyrics, die der Feder eines Fünftklässlers entsprungen sein könnten. Gerade wenn du seit über 20 Jahren im Musikbusiness unterwegs bist, sollten gewisse Englischkenntnisse vorhanden sein, die deinen Texten etwas mehr Tiefgang verleihen... Und CREMATORY haben in der Vergangenheit ja durchaus Texte an den Mann gebracht, die das bewiesen haben. Wenn nichts mehr geht, sollte man sich vielleicht wieder sprachlich in deutsche Gefilde begeben. "Klagebilder" aus dem Jahre 2006 ist ein gutes Beispiel dafür, dass das funktioniert. Sei's drum, "Unbroken" knallt zwar ganz gut, aber ernst nehmen kann ich den Song nicht. "Awaits Me" funktioniert ein bisschen zu sehr nach Schema F, denn ähnliche Titel habe ich von CREMATORY in jüngster Zeit in Hülle und Fülle gehört. Neu-Sänger Connie stellt hier zwar sofort unter Beweis, dass er seine Stimmbänder in atemberaubender Manier zu Höchstleistungen treiben kann, rettet den Song aber auch nicht vor seiner Einfallslosigkeit. "Behind The Wall" weiß mir tatsächlich zu gefallen, obgleich er bei vielen vielleicht ebenfalls aufgrund seiner simplen Herangehensweise zerschellen wird. Mir gefällt das druckvolle Riffing, das mit den elektronischen Parts gekonnt verschmilzt. Als Highlight würde ich gar "The Kingdom" bezeichnen, das musikalisch sehr erfrischend daherkommt. Die ruhigen Strophen kreieren eine tolle Atmosphäre und der von Growls getragene Chorus findet sich in wunderbarer Synthie Begleitung wieder. Textlich muss man wieder Abstriche machen und auch Felix stellt ein ums andere Mal unter Beweis, dass seine englische Aussprache nach all den Jahren immer noch zu wünschen übriglässt. Das kann ich aber noch am ehesten unter "charmant" abspeichern, zumal Felix innerhalb der Band stets sympathisch rüberkam. "The Downfall" ist durchaus ein tanzbares Stück (wir Metaller tanzen schließlich gerne, viel und ausdauernd! - der Rosenkavalier), das Härte mit Atmosphäre kombiniert und allgemein die Stärken der Band hervorhebt. "Broken Heroes" punktet mit grandiosen Vocals seitens Connie, der womöglich von den drei Clean-Sängern aus CREMATORYs Historie am meisten zu beeindrucken weiß. Wahnsinn, was der Kerl für eine Stimmkontrolle mitbringt. Gerade im Mittelteil kommt hier Gänsehaut auf, obgleich textlich wieder ein paar Ungereimtheiten auftreten... 

Ihr merkt schon, "Unbroken" ist musikalisch kein völliger Griff ins Klo und wartet hier und da durchaus mit soliden bis sehr guten Nummern auf. Textlich sollte man nicht zu viel erwarten und das eigene Sprachgedächtnis für eine knappe Stunde mal abstellen. Selbst bei 15 Tracks habe ich mich jetzt nicht überfordert gefühlt, obgleich zwischendrin Füller wie "My Dreams Have Died" oder "Rise And Fall" aufwarten, denen es merklich an Feinschliff fehlt. Wenn ich daran denke, was CREMATORY seinerzeit auf "Revolution" für Melodien gezündet haben, dann fällt "Unbroken" sowieso hinten runter. Anbiedernd ist das, was uns CREMATORY mit dem Titeltrack verkaufen wollen, das war wieder übers Ziel hinaus und auch die Geschichte um dieses VIP-Package stinkt bis zum Himmel, auch wenn natürlich jeder selbst entscheiden kann, ob er dieses Upgrade wahrnimmt. Als Fan hat mich die Band mit der Geschichte um das letzte Album verloren und wird mich schätzungsweise auch nicht mehr zurückgewinnen, aber ein interessierter Beobachter werde ich wohl bleiben. Ob das wiederum an der Musik oder den gut platzierten Fettnäpfchen liegt, das sei eurer Fantasie überlassen...



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Sonata (05.03.2020)

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