ENSNARED - Inimicus Generis Humani

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VÖ: 14.02.2020
Bandinfo: ENSNARED
Genre: Death Metal
Label: Invictus Productions
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Lineup  |  Trackliste

Ich sehe schwarz. Schwarz, wenn mir gewahr wird, dass die Aluhut-Prepper-Fraktion inzwischen doch über den großen Teich übergeschwappt ist und man sich seiner Hartweizengrieß-Spezialitäten ebenso wenig sicher sein kann wie einer adäquaten Versorgung mit Toilettenpapier. Schwarz, wenn ich mir vor Augen führe, dass es heutzutage kaum mehr Berufsehre oder auch nur denkende Menschen zu geben scheint. Schwarz, wenn ich mir das monochrome Plattencover von ENSNAREDs Zweitwerk "Inimicus Generis Humani" vor Augen führe. Und leider auch schwarz, wenn ich an die Benotung desselben denke.

Dabei wissen die vormals als GRAVEHAMMER aufgetretenen Schweden durchaus zu begeistern - man lasse sich beispielsweise den zweiten Albumsong "Spiritual Necrosis" genüsslich durch die Trommelfelle diffundieren und auf der Zunge zergehen. Da erwartet einen kompetent gezocketes, raubeiniges Todesblei, das in wohliger Weise vertraut klingt und dennoch nicht wie ein Abziehbild der gefühlt 666 gleichgesinnten Bands pro schwedischem Quadratkilometer daherkommt. Die Gitarren klingen so ranzig wie Discount-Butter nach 48 Stunden in der Sahara, die Drums rumpeln wie ein altes Maschinengewehr mit Lagerschaden und die Vocals zeugen von einer Garstigkeit, die man gut und gerne im Black Metal verorten könnte.

Was aber kann die Scheibe sonst noch? Schon bei dem gemütlich und etwas unorganisiert vor sich hinpolternden "The Throne Of Transformation" scheint die Luft raus zu sein, zuweilen hält man gar die Klampfe für verstimmt. Aber es geht noch besser, denn "Inimicus Generis Humani" beginnt mit einem Interlude ("Interlude I") und zerfleischt sein Selbst mit zwei weiteren Platzhaltern dieser Art in mehrere Teile. Zwischen diesen Fragmenten - oder anders ausgedrückt: während besagter Interludes - passiert herzlich wenig...es reicht gerade noch aus, um nicht nach der nächsten Mitfahrgelegenheit zur Kaffeefahrt Ausschau zu halten. Und weil es so schön war, besteht der Rausschmeißer "Black Hole Acolytes" ebenfalls zur Hälfte aus...wer hätte es geahnt...einem Interlude - das man hier geschickterweise in dem überlangen Song versteckt hat.

Immerhin macht das aggressive und blastreiche "Disciples Of The Whip" zwischendurch noch einmal ordentlich Spaß. Nachdem "Katharsis Through Terror" aber wieder in den Keller der kathartisch-schrägen Töne hinabsteigt und auch der Lied-Teil von "Black Hole Acolytes" eher mäßig unterhält, reduziert sich der werthaltige Teil der Platte auf zwei Songs. Und das reicht nun beim besten Willen nicht für ein gutes oder durchschnittliches Album. Was die beiden Highlights anbelangt, könnte man gerne noch über 3,5 bis 4,0 Punkte sprechen, bei einem Gemenge aus Krachern und Gurken immerhin noch über 3,0...aber im Angesicht einer gescheiten Maxi-Single mit dürftigen Begleitsongs und reichlich interludierendem Füllmaterial ("Inimicus Generis Humani") muss man die Spendierhosen noch ein Stück tiefer in den Schrank zurückschieben.



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (12.03.2020)

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