ASENBLUT - Die Wilde Jagd

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VÖ: 17.04.2020
Bandinfo: ASENBLUT
Genre: Melodic Death Metal
Label: AFM Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Was haben wir gelacht über die Paganwelle vor ein paar Jahren, Schenkel of Steel wurden geklopft, es wurde laut geprustet und der Kopf geschüttelt. Von links nach rechts und umgekehrt. 

Wie haben wir uns lustig gemacht über weiße Mittelstandswikinger aus den bürgerlichen Teilen der Stadt, über neugermanisches Heidentum erschüttert sinniert und jedem trinkhornschwingenden Wotansjünger den Scheibenwischer gezeigt.

ASENBLUT, mitgegründet vom erfolgreichen Strongman und Kraftsport-YouTuber Tim "Tetzel" Schmidt waren für mich jahrelang eine Band, die maximal zur Belustigung da war. Tetzels YT-Kanal, vor allem seine nicht-sport-relevanten Themen riefen bei mir Heiterkeitsausbrüche hervor. Ich schor alle Nordmännerbands und damit auch ASENBLUT über einen Kamm. Das Genre Pagan-Metal war ein für mich nicht relevantes und daher so gut wie nie beachtetes.

So.

Dann sah ich ein Interview mit Tetzel auf irgendeinem YT-Kanal und das war, ähm, äußerst sympathisch, reflektiert und zeitweise sehr lustig. Und dann höre ich mir ASENBLUTs "Die Wilde Jagd" an und muss feststellen, dass das Melodic Death Metal ist und sogar ein sehr gelungener. Wir befinden uns hier nicht in den schwindelerregenden Höhen der Spitze dieser Art unserer Musik, aber "Die Wilde Jagd" liegt locker im oberen Mittelfeld und lässt einige Größen des Genres hinter sich.

Begonnen wird mit dem schwer AMON AMARTH-lastigen "Die Wilde Jagd", das mit einer sehr eleganten Gitarrenunterlegung des Chorus aufwarten kann. Der Pressetext spricht von einem "uncompromising, fast, melodic but brutally hard" Album. Schnell und melodisch sind sie, und das sind sie sehr gut. Uncompromising eher nicht und brutally hard sind weder ASENBLUT noch das gesamte MeloDeath-Starterfeld. Aber für Stormbringerleser ist das nur Semantik.

Was bei "Die Wilde Jagd" aber sofort auffällt ist, obschon man im Großraum der Eigendefinition bleibt, der Abwechslungsreichtum der Songs. Auffallend derbe Teile, wie zum Beispiel der Beginn von "Codex Gigas", klassisches Wikinger-Metall wie "Irminsul" und Songs mit akustischem Beginn und ausladenden Melodien ("Drachentöter") wechseln sich geschickt ab. Ab und an hätte man Songs durchaus etwas kürzen können, "Penumbra" zieht sich ein klein wenig. "Weder Gott Noch Könige" beginnt beinahe wie ein IRON MAIDEN-Song und greift dann ein deftiges Thrash-Riff auf.

"Die Wilde Jagd" umschifft gekonnt den Loudness War, der so viele Alben dieser Tage nahezu unhörbar macht, sogar das Schlagzeug ist richtig angenehm im Mix angekommen.

Insgesamt ein rundes Stück Musik. Tetzel könnte vielleicht noch ein wenig mehr aus seiner Stimme holen, bei seiner physischen Größe ist da bestimmt noch Resonanzraum drinnen. Textlich wird alles von nordischen Mythen bis zu den Perserkriegen und dem, leider, üblichen, Heldengepose ("Seite An Seite" ist leider ein kleiner Ausfall) durchgekaut.

Aber:

das Album übertrifft alles, was ich von ASENBLUT erwartet habe, ist sauberst produziert und variantenreich sowohl in der Exekution wie auch im Songwriting.

Und es ist auf jeden Fall besser als die letzten AMON AMARTH-Scheiben!

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (15.04.2020)

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