SICARIUS - God Of Dead Roots

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VÖ: 13.03.2020
Bandinfo: SICARIUS
Genre: Black Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Dieses Review ist für alle Masochisten und die, die es noch werden wollen! Für jene, die sich nur allzu gerne einen zwölf Zentimeter langen Zimmermannsnagel durch die flache Hand rammen oder es der RAMMSTEINschen Dichtkunst gleich mit Nagetieren im Gedärm versuchen wollen, aber tagtäglich an ihrer angeborenen oder anerzogenen Skrupel scheitern. Allen diesen Safer-Sex-Praktizierenden unter den Schmerz-Aficionados sei empfohlen, beim nächsten Anflug von Selbstzerstörungswut irreparablen Gewebeschädigungen aller Art abzuschwören und stattdessen einfach mal SICARIUS zu hören. Die von Natur aus liebenswerten Mäuse und Hamster werden es euch aus tiefster Seele danken und auch ihr selbst bleibt dabei am Stück und heil…d.h., vielleicht!

Wie man unschwer erahnen kann, wird der Verfasser mit dem vorliegenden Testobjekt „God Of Dead Roots“, dem zweiten Vollformat-Hassbatzen der US-Amerikaner, nur schwerlich warm. Doch wie es sich für einen fairen Musiktester gehört, betonen wir zugleich in aller Deutlichkeit die Stärken des besprochenen Werks - auch oder gerade im Angesicht einer Ansammlung konstruktiver Kritik, die die weniger erquicklichen Eindrücke des Rezensenten aus unterhaltungswirtschaftlichen Gründen humoristisch überspitzt. Es ist nämlich keineswegs so, dass man mit dem aktuellen Output der Krawall-Kalifornier partout nichts anfangen kann. Musikalisch gesehen hat die seit 2014 randalierende Truppe sogar ernsthaft was auf dem Kasten: brauchbare Riffs, feurige Drums und ein herrlich endzeitliches Chaos, das von instrumenteller Seite her anspricht und auf Freunde atonaler Selbstzerfleischung sehr erregend wirken kann. [Anm. d. Lekt.: Wir müssen mal wieder über die Medikation unserer Redakteure reden...]

Der moderne Sound drückt massivst und dient höchstwahrscheinlich der Untermalung und Verstärkung der destruktiven (und vermutlich einzigen) Komponente im Songwriting. „God Of Dead Roots“ distanziert sich damit von rauschenden Kassettendeck-Orgien in der heimischen Garage und schafft sich in Anbetracht des stattlichen Death-Metal-Anteils ein passendes Klangkonstrukt. Was mir aber neben dem abschnittsweise unspektakulären Gebolze zusehends den Spaß an der Sache verdirbt, ist Kurt Karcass‘ Stimme. Der Gute klingt auf den ersten Hörer wie der werte Herr Abbath nach 736 Tourtagen in Folge und lässt über die verschiedensten Interpretationen der Vokabel „widerlich“ sinnieren: zur Auswahl stünden z. B. das einem liebenswerten Speien ähnelnde Dolk-widerlich (vgl. KAMPFAR), das gespenstisch-andächtige Attila-Csihar-widerlich (vgl. MAYHEM) oder eben Kurt Karcass, dessen vokale Brechreize den ansonsten genießbaren Black Metal der Amis zu einer auralen Herausforderung machen.

So viel zum Thema Masochismus. Nun darf man dem Verfasser gerne vorwerfen, er sei ein Kostverächter, habe zu viel BURNING WITCHES gehört oder sei in beliebig anderweitiger Manier nicht mehr ganz bei Trost. Doch unterm Strich bleibt „God Of Dead Roots“ eine zwiespältige Angelegenheit zwischen schwarzmetallischem Wohlbehagen und Gehörgangs-Exitus. Dabei penetriere ich meine Gliedmaßen und Körperöffnungen nur allzu selten mit stählernen Verbindungselementen und erwäge sogar, in naher Zukunft gänzlich damit aufzuhören. Ob ich stattdessen zu SICARIUS übergehe, wird die Zeit zeigen.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (16.03.2020)

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