ALMANAC - Rush Of Death

Artikel-Bild
VÖ: 06.03.2020
Bandinfo: ALMANAC
Genre: Power Metal
Label: Nuclear Blast Records
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

ALMANAC haben hinsichtlich ihrer Besetzung seit dem letzten Release einen ordentlichen Wirbelwind über sich ergehen lassen müssen, denn unter anderem beide Lead Sänger haben sich verabschiedet mit Andy B. Franck (BRAINSTORM) und David Readman (PINK CREAM 69). Diese wurden ersetzt durch zwei noch eher unbekannte Gesichter im breiten Spektrum des Metals. Da hätten wir einmal Frank Beck, der vor ein paar Jahren zwar den Leadsänger Posten bei GAMMA RAY übernommen hat (aber noch keinen Longplayer mit ihnen veröffentlicht hat) und Patrick Sühl, der bisher in eher kleineren Bands wie PURPLE RISING (DEEP PURPLE Cover Band) unterwegs war. Außerdem sorgt Marcel Junker (ANAM) noch für ein paar Growls, gehört aber soweit mir bekannt nicht fest zur Band. Damit ist also ein elementar wichtiger Kern weggebrochen seit dem letzten Release, zumal Readman und Franck wunderbar miteinander harmonierten. Mit den Besetzungswechseln bekommt Sängerin Jeanette Marchewka automatisch mehr Spielraum und übernimmt einen größeren Anteil an Lead Vocals. Smolski selbst hat für das neue Werk "Rush Of Death" mal wieder mit dem Sinfonie Orchester gearbeitet, welches sich schon auf "Speak Of The Dead" (RAGE) austoben durfte. Thematisch strebt das Album unter anderem Gladiatorenkämpfe an, was das historische Interesse seitens Smolski einmal mehr in den Vordergrund stellt und bereits auf den ersten beiden Alben seinen Platz fand.

Musikalisch unterscheidet sich "Rush Of Death" definitiv von seinen zwei Vorgängern, denn es strebt einen gitarrenorientierteren Sound an und wirkt vom Songmaterial auch weitaus weniger zugänglich. Der Opener "Predator" geht zwar gut nach vorn und bringt eine gute Heaviness mit sich, lässt mich persönlich ansonsten aber völlig kalt. Jeder der drei Sänger ist individuell stark, aber als Einheit wirkt das Ganze völlig disharmonisch und erzeugt bei mir eher den Zwang, wegzuhören. "Predator" lässt aber auch das Gespür für Melodien vermissen, die wie ein "Self-Blinded Eyes" richtig unter die Haut gehen. Es wirkt beliebig und austauschbar. Auch der Titeltrack bildet hier keine Ausnahme, wirkt gerade was die Vocals anbelangt fast wie eine 1:1 Kopie des Opening Tracks. Weniger zugänglich meint hier zu Beginn also nicht zwingend, dass die Songs komplex gestaltet sind, sondern dass sie allesamt nicht songdienlich wirken. Instrumental wird hier ein Feuerwerk aufgefahren, aber die Vocals harmonieren ÜBERhaupt nicht miteinander und die Melodien entwickeln schlichtweg keine Eigendynamik, was die Gesangslinien betrifft. Ob ich bei nur zehn Songs jetzt ein langweiliges Midtro wie "Let The Show Begin" gebraucht hätte, sei mal dahingestellt, aber auch der folgende Track "Soiled Existence" wird eher unter "lässt mich kalt" abgespeichert. Zwar ist der knackige Beginn noch relativ nett inszeniert mit der düsteren Atmo und dem treibenden Orchester, aber alles danach zieht sich wie Kaugummi und löst keinerlei Regungen in mir aus. Daran ändern auch die Growls von Marcel Junker nichts. Ich komme am Ende immer wieder auf die Vocals zurück, denn sie wirken nach wie vor wie ein Fremdkörper. Drei Stimmen, die sich gesucht, aber nie gefunden haben. Noch dazu macht es den Eindruck, als würde die Produktion der Stimmen nicht auf das Instrumental passen. Qasi so, als wenn beide Parts von komplett verschiedenen Personen gemixt wurden. Die Hook lässt sich an Belanglosigkeit kaum überbieten und ich möchte ehrlich sein: Das ändert sich für mich mit den folgenden Songs kein Stück. Instrumental ist das alles fein und lässt sich gut an, aber der Gesang funktioniert nicht mit dem, was die Instrumente erzeugen und die drei Stimmen untereinander bilden zu keinem Zeitpunkt eine Symbiose. 

Ehrlicherweise habe ich selten versucht, ein Album so schnell aus meinem Gedächtnis zu löschen, denn für mich lässt es sich nur mit zwei Begriffen zusammenfassen: Disharmonie und Langeweile. Ich schätze Smolski als Musiker sehr und was er instrumental auf die Beine stellt, gehört zur Speerspitze des melodischen Metals, doch auf "Rush Of Death" hat er seine Stärken nicht mit dem Gesang der beteiligten Sänger fusionieren können. Es bleibt ein ambitioniertes Werk zurück, das für mich auf ganzer Linie scheitert und den schwächsten Output darstellt, den ich von Smolski bisher gehört habe (und "24" von RAGE war echt mies...). Es tut mir zwar in der Seele weh, doch ich will dieses Album nie wieder hören müssen, denn selten fiel mir die Vorbereitung auf eine Rezension schwieriger als hier... So vernichtend das am Ende wirken mag, doch den einen Punkt gibt es einzig und allein für ein paar fette Instrumentalparts. Der Rest wirkt so, als hätte er keinerlei Relevanz. 



Bewertung: 1.0 / 5.0
Autor: Sonata (16.03.2020)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: Pulse
ANZEIGE