CIRITH UNGOL - Forever Black

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VÖ: 24.04.2020
Bandinfo: CIRITH UNGOL
Genre: Heavy Metal
Label: Metal Blade Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Nach einem geschmeidigen Anlauf von 29 Jahren zelebrieren die Kalifornier von CIRITH UNGOL ihr neues, zugleich fünftes, Album. Gut, man hibernierte zwischen 1992 und 2015, trat dann ab und zu auf und veröffentlichte ein Livealbum sowie eine Single. Man überschwemmt den Markt also nicht so wirklich. Die Veröffentlichung von "Forever Black" hätte auch noch mit dem Headliner-Auftritt beim heurigen Keept It True-Festival zusammenfallen können, hätte uns nicht (je nach Verschwörungslevel) wahlweise ein vom chinesischen Geheimdienst entwickeltes Virus, der Bilderbergerechsenmensch noch enger mit der Leine an sich gezogen (zzzzzzz) oder der Ostküstengeldadel ein Schnippchen geschlagen. 

Oder eine Pandemie. Aber das ist heutzutage wohl zu einfach für die KenFM/unzensuriert/Volkslehrer/InfoWars-Hörigen.

Sei es wie es solle, live wird´s wohl nix, dafür eben auf Konserve. Und CIRITH UNGOL knüpfen nahtlos an ihre Großtaten aus den 80ern an. Wobei ich es auch grade spannend finde, dass Metalheads, die sich damals über diese kauzigen Bands (MANILLA ROAD und BROCAS HELM gehören da noch dazu) lustig gemacht haben (auch honorige Journalisten aus den Printmedien), plötzlich alle SCHON IMMER Fans dieser Bands waren. Historische Geschmackselastizität der trven Sorte.

Sei es wie es wolle 2 - The Return:  "Forever Black" beginnt mit einem kurzen Intro und galoppiert dann fröhlich mit dem NWoBHM-Gedenk-Track "Legions Arise" aus der Startbox. Ein ideal gewählter Opener bei dem sofort auffällt, dass Tim Bakers Stimme zwar mächtig in Reverb badet, aber noch immer nichts von ihrer grandiosen Bissigkeit verloren hat. Die Vocals kreisen über der musikalischen Grundlage wie ein Nazgul über, ähm, irgendeiner Gegend von Mittelerde. Grandios! Richtig trve im CIRITH UNGOL Universum wird dann der zweite Track "The Frost Monstreme", bei dem die LeadLicks sofort an die frühen Tage erinnern. Ein Song, der so eckig und eigenständig/artig ist, dass er so nur von den Männern aus dem sonnigen Ventura kommen kann. Hier erkennt man sofort CIRITH UNGOL und deren Einflüsse aus den 70ern wieder.

Beinahe stadionrockartig beginnt "The Fire Divine", das auch mit den End-70er-SCORPIONS liebäugelt. Natürlich schön ge-evilt durch die oberfiesen Vocals, nach wie vor das große Plus der Band. Der Song ist nicht so grandios zwingend, ich jubiliere aber den Leads zu, die wunderbar die 70er mit den 80ern verbinden.

Ein Song der den Namen des wohl einzig relevanten Webzines dieses Planeten trägt kann nicht schlecht sein. [Anm. d. Lekt.: Was riecht hier so streng?] Ein Song wie eine Geschichte, wie eine Novelle. Erzählter Metal wie ihn diese unnachahmliche Band so gerne und so gut komponieren kann. Ein Song, bei dem die Fist geraised und das schütter bewachsene Haupt gewedelt wird. "Stormbringer", der Höhepunkt des Albums.

Ähnlich erzählend ist "Fractus Promissum", welches aber leicht mit der Kuhglocke nervt, dem instrumentalen Gegenstück einer Michael Jeannée-Kolumne.

"Nightmare" doomed zäh vor sich hin, erinnert nicht nur beim Chorus an die alterstechnisch ähnlich gelagerten VENOM. Eine schöne Hommage. "Before Tomorrow" ist nicht so der Burner, mit dem Titeltrack geht es noch einmal in die eigene Vergangenheit, eckig, sperrig, dennoch dynamisch und evil. Da können sich 90 Prozent der skandinavischen Schwarzteekocher eine dicke Scheibe abschneiden.

Soundtechnisch ist "Forever Black" etwas dumpf gehalten, aber immer noch differenziert genug um nicht in die reine Vergangenheitspreisung zu verfallen. Was mir beim Hören via Kopfhörer aufgefallen ist, ist der raschelnde Sound der Hi-Hat. Das ist bisweilen penetrant, weil man, einmal gehört, davon nicht mehr wegkommt. Das erinnert an die Hintergrundmusik bei der WM 2010 - nicht vom Sound, sondern vom durchgehenden "Genuss" her.

Insgesamt aber ist den Amerikanern mit ihrem Studiocomeback ein gelungenes Album gelungen. Man könnte meckern, dass nach 29 Jahren ein exklusive Intro 38 Minuten langes Album eher dürftig ist und ein, zwei Nummern nicht ganz die Größe von früheren Outputs erreichen, aber es gibt da im heurigen Jahr schon deutlich Übleres...

 

 

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (24.04.2020)

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