LIVE BURIAL - Unending Futility

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VÖ: 03.04.2020
Bandinfo: LIVE BURIAL
Genre: Death Metal
Label: Transcending Obscurity
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Unendliche Sinnlosigkeit erlebt man bei der Suche nach fünfblättrigen Kleeblättern, Papageien am Nordpol oder beim Versuch, ANDREAS GABALIER-Fans Musikverständnis (und politische Anständigkeit - die linke Redaktionszecke) zu vermitteln. Ähnlich zeitintensiv, aber weitaus weniger zwecklos und zermürbend ist das Studium der unendlich sprießenden, immergrünen (oder besser: immerschwarzen) Spielwiese des Extreme Metal Undergrounds. Natürlich gleicht auch dort die Suche nach den fünfflügeligen Schmetterlingsblütlern einer Odyssee, doch erfreut man sich des entscheidenden Unterschieds, dass hier zumindest die Möglichkeit des Vorfindens gegeben ist und dass man auf dem beschwerlichen Weg dorthin allerhand nahrhaftes drei- und vierblättriges Gemüse einheimsen kann. Darunter auch "Unending Futility", das zweite Album der britischen Death Metaller LIVE BURIAL, dessen Genuss ebenfalls nicht zu den fruchtlosesten Unterfangen dieser Tage gehört.

Soviel vorweg: man muss sich Zeit nehmen, um diesen Dreher zu ergründen. Er bringt es zwar mit 40 Minuten auf eine sehr verträgliche und angemessene Spieldauer, neigt aber aufgrund seines komplexen Liedguts dazu, den Hörer zu überfordern. Dabei ist es keineswegs so, dass die Engländer einen schlechten Job machen. Vielmehr sind die Jungs von LIVE BURIAL geübte Musiker, die in mehreren Bands auf einmal (auch gemeinsam) unterwegs sind und das meiste, was sie tun, auf extravagante Art und Weise anstellen. Der Songaufbau ist, wie bereits angedeutet, komplex und unregelmäßig, die Kompositionen abwechslungsreich und vielschichtig. Die Riffs und Beats wirken frisch und weit weg vom stupiden "von-der-Stange-Gekloppe". Der vor Schmerz triefende und energisch herausgepresste Gesang zaubert dem empathievollen Hörer den Geschmack von Eisen auf die Zunge, so blutig klingt der werte Mr. Brown. Und der Sound ist für sich gesehen eine wahre Ohrenweide. Nicht nur, dass Produktion sauber ausgelotet und transparent daherkommt. Nein, sie nimmt auch ohne überrissene Triggerei und Kompressor-Overkills ein Höchstmaß an Druck, Volumen und Vitalität raus. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang der Bass, der schulterschlüssig zu den Gitarren herausgemischt ist und einen musikalisch fast ebenbürtigen Beitrag leistet. Das Gesamtkonstrukt erhält damit eine zusätzliche Dimension, die sonst häufig verschlafen wird.

All diese Eigenschaften vermitteln schon auf den Hörer einen sehr soliden Eindruck, an dem auch das Liedgut nicht mehr viel rütteln kann. "Seeping Into The Earth" glänzt (oder überfordert...je nach persönlichem Gusto) mit der angesprochenen, eigensinnigen Lied-Architektur und erspielt sich nach wenigen Durchläufen seine verdiente Zuneigung. Damit das Ganze nicht zu sehr aus dem Ruder läuft, folgen mit "Condemned To The Boats" und "Swing Of The Pendulum" zwei straighte Abrissbirnen, zu denen man ohne Kopfschmerz und Hirnverknoten abmoshen kann. In der zweiten Hälfte wird es wieder verwinkelter. Der knapp zehnminütige Schlussakt "Cemetery Fog" ist noch gut verdaulich, aber "The Crypt Of Slumbering Madness" entpuppt als schwarzes Loch. So oft ich die Platte höre, durchlebe ich spätestens bei diesem doomigen, grenzprogressiven Labyrinth einen auralen Blackout, aus dem ich erst mit "Rotting On The Rope" wieder erwache. Warum man allerdings diese Nummer, die eingängig, brutal und mit durchgetretenem Gaspedal eröffnet, so frappierend ihres Drives beraubt und in die Länge zieht, erschließt sich mir nur bedingt. Die Scheibe hat viele Pluspunkte und beginnt mit einer Handvoll genialer Songs, aber manchmal wollen die Briten einfach zu viel.

Im Gesamtbild schneidet "Unending Futility" für mich aber nach wie vor positiv ab. Am Sound und dem markanten, von virtuosem Bassspiel geprägten Klangbild braucht man kaum mehr zu schrauben. Und auch, wenn sich der Fünfer hier und da kompositorisch überhebt, beweist er dennoch ein sehr solides Potenzial in puncto Songwriting. Für die ersten drei Songs würde ich daher ohne Zögern verdiente vier Punkte rausrücken und der Band obendrein das Zeug höhere Benotungen attestieren. Dass der starke Lauf von der Hängepartie in der zweiten Hälfte ausgebremst wird, ist schlussendlich der einzig nennenswerte Kritikpunkt an einem sonst rundum gelungenen Album.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (30.03.2020)

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