OMEGA INFINITY - Solar Spectre

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VÖ: 27.03.2020
Bandinfo: OMEGA INFINITY
Genre: Black Metal
Label: Season of Mist
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Es muss nicht immer die Hölle sein. Das diabolische Sackkraulen mag ja nahezu inflationäre Verbreitung innerhalb der Szene erfahren, doch gibt es auch fernab der Schwefelsauna Orte, an denen das Leben so richtig hart sein kann. Einer dieser Orte ist sogar sehr allgegenwärtig und selbst für Raumfahrt-Anfänger nicht zu verfehlen: der Weltraum! Die Faszination der endlosen Leere, Kälte und Dunkelheit des alle Himmelskörper umgebenden Raums findet immer wieder Einzug in den Black Metal. Nach HOTH, INQUISITION und weiteren Vertretern hat auch das internationale Startup OMEGA INFINITY das astrale Dahinscheiden für sich entdeckt und lädt mit seinem Erstwerk "Solar Spectre" zum Spaziergang durch unser Sonnensystem.

Das Duett aus dem Deutschen Tentakel Parkinson (u. a. TODTGELICHTER) und dem Australier Xenoyr (u. a. NE OBLIVISCARIS) erschien wie aus dem Nichts und kommt ohne großes Vorgeplänkel mit Singles oder EPs zur Sache. "Solar Spectre" besteht aus neun regulären Songs und dem KILLING JOKE-Cover "Hosannas From The Basements Of Hell". Die Eigenkompositionen tragen die Namen der Himmelskörper unseres Sonnensystems - die Sonne eingeschlossen, den armen Zwergplaneten Pluto ausgeschlossen [Anm. d. Verf.: liebe Wissenschaft, nach aktueller Definition mag die Aberkennung des Planetenstatus für Pluto korrekt sein, vom ethischen Standpunkt her ist es jedoch eine Frechheit! Immer auf die Kleinen...schämt euch!]. Klanglich setzt man auf dem Grundstock des Black Metal der 90er Jahre an und verschiebt dessen Grenzen durch den Einbezug genrefremder Elemente. Ungestüme, von wildem Geblaste flankierte Raserei wechselt sich mit ruhigen Passagen ab, die Gitarren agieren überwiegend dezent und subtil im Hintergrund.

Weitaus präsenter und klangbestimmender sind die synthetischen Klänge, die dem Ganzen eine deutliche Ambient- bis Industrial-Schlagseite verleihen. Der Versuch, den bekannten Fakten über Weltall und Sonnensystem eine musikalische Inkarnation zu verschaffen, funktioniert dabei außerordentlich gut und überzeugt noch eine Ecke mehr als seinerzeit bei HOTHs "Astral Necromancy". Trotz der verschiedenen, planetar orientierten Facetten bleibt die düstere, kalte und strikt anorganische Atmosphäre der gemeinsame Nenner des Albums und zieht sich wie ein roter Faden vom Anfang bis zum Ende durch. Die einzige, jedoch nicht zu dramatisierende Schwäche der Scheibe ist ihr Hang zur Länge - etwas mehr Dynamik und dem Jubelschrei steht nichts mehr im Wege. "Hosannas From The Basements Of Hell" setzt der Sache zum Ausklang die Krone auf - ohne jetzt den KILLING JOKE-Fans unter den Lesern vor den Kopf zu stoßen, aber die Nummer passt in das OMEGA INFINITY-Soundgewand, als wäre sie einst dafür geschrieben worden.

OMEGA INFINITY mag ein blutjunges Projekt sein, versteht sich aber als das gemeinsame Baby zweier versierter Musiker. Dementsprechend überrascht weder der spontane Einstieg beim renommierten Label Season of Mist noch die hohe Akuratesse und die gehobene Qualität des Erstwerks. Der unkonventionelle Ansatz bietet sowohl in thematischer als auch in musikalischer Hinsicht eine willkommene Abwechslung zu den meisten Vertretern der Szene und ist in jedem Fall einen Hörer wert. Und da die Herrschaften bereits unser eigenes Sonnensystem komplett (abgesehen vom armen Pluto) abgeklappert haben, dürfte es spätestens mit dem zweiten Album spannend werden.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (05.04.2020)

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