ABYSMAL DAWN - Phylogenesis

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VÖ: 17.04.2020
Bandinfo: ABYSMAL DAWN
Genre: Technical Death Metal
Label: Season of Mist
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

ABYSMAL DAWN melden sich nach sechs Jahren aus dem sonnenverwöhnten L.A. zurück - mit einem abermals zu 50% ausgetauschten Lineup, neuer Musik und einer kleinen Änderung der bewährten Rezeptur. "Phylogenesis" knüpft mit Abstrichen an das 2014 erschienene "Obsolescence" an und dreht den Hörer über gute 40 Minuten intensiv durch den Fleischwolf. Das fünfte Werk der Band um Gründer Charles Elliott marodiert dabei behäbig zwischen den Midtempo-Groovewalzen wie "Coerced Evolution" oder "Soul‐Sick Nation" und gnadenlosen Highspeed-Abrissbirnen wie dem Opener "Mundane Existence". Die versierten Riffs lassen in gewohnter Manier die Gitarrenhälse glühen und die Drums feuern hochpräzise und brutal am Limit.

Im Prinzip hat man damit schon 90% der Eindrücke kundgetan. Das neue Prügeleisen der Kalifornier baut auf bekannte Stärken und leistet sich darüber hinaus weder große Enttäuschungen noch Überraschungen. Im direkten Vergleich zum Vorgänger klingen die Stücke jedoch eine Ecke moderner und lassen die oft zitierte Oldschool-Schlagseite ABYSMAL DAWNs fast komplett aus dem Spiel. Mit Ausnahme von "A Speck In The Fabric Of Eternity", das hiervon noch überschaubare Dosen serviert, geht es auf "Phylogenesis" fast ausschließlich technisch zu Werke. Wo die alte-Schule-Fraktion gerne mal erbarmungslos die Kriegskeule schwingt und dabei grobschlächtig ganze Gliedmaßen und Denkzentralen aus den Angeln reißt, filetiert "Phylogenesis" fein säuberlich Faser für Faser eines jeden Anwesenden...wobei das Ergebnis - der Grad der physischen Dissoziation - in beiden Fällen identisch bleibt.

Der Abwechslungsfaktor bleibt dabei selbstredend bescheiden. Inmitten vertrackter Tech-Riffs, Tappings, Flageoletts und sonstigen Feinheiten blitzen hier und da kleinere Aufhörer wie das Solo in "The Path Of The Totalitarian" oder die feinen Twins in "Hedonistic" durch. Von besonderem Unterhaltungswert ist zudem der Gesang in "The Path Of The Totalitarian" - wenn es so etwas wie "technische Vocals" geben sollte, dann wäre dieser grenzschizophrene Rülpswettbewerb mit dem eigenen Spiegelbild die Perfektion davon. Das will ich live dargeboten bekommen, sonst glaube ich es nicht! Zum krönenden Finale erweisen ABYSMAL DAWN mit ihrer Interpretation von DEATHs "Flattening Of Emotions" der wohl essentiellsten Pionierband ihres Genres die Ehre und transferieren die 1991 erschienene Nummer nahtlos in ihr musikalisches Gefüge.

Passend zum akkuraten Qualitäts-Gebolze hat man die Scheibe mit einem hochwertigen, gut ausgebauten, aber nicht zu künstlichen Sound versehen. Damit gibt es unterm Strich nicht viel zu meckern - einzig die Tatsache, dass "Phylogenesis" viel Akrobatik bei mäßiger Variabilität bietet, macht die Sache trotz moderater Laufzeit schwer zugänglich. Wer sich hiervon nicht überfrachtet fühlt, wird mit dieser 40-minütigen Gehörgangs-Dissektion seine Freude haben.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (13.04.2020)

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