THE BLACK DAHLIA MURDER - Verminous

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VÖ: 17.04.2020
Bandinfo: THE BLACK DAHLIA MURDER
Genre: Melodic Death Metal
Label: Metal Blade Records
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Lineup  |  Trackliste

Eines muss man THE BLACK DAHLIA MURDER wirklich zugestehen: Ihr Sinn für hochwertige Coverartworks funktioniert ausgezeichnet. Gerne wird die Wirkung eines solchen gnadenlos unterschätzt, aber selbst wenn dem Frontgemälde nicht immer eine wichtige Rolle zuteil wird, ist es dennoch in vielen anderen Fällen so, dass es den Hörer bestmöglichst auf das kommende Hörerlebnis einstellen soll. Oder könntet ihr euch "In The Nightside Eclipse" und "Slaughter Of The Soul" ohne Necrolord, ein "Leprosy" und "Rust In Peace" ohne Ed Repka oder ein "Butchered At Birth" ohne Vincent Locke vorstellen? Eben. Und genau das gelingt den Amerikanern, die vor fünfzehn Jahren noch als schnöde Metalcore-Truppe belächelt wurden (damals schon zu Unrecht) und mit "Verminous" dieser Tage ihr mittlerweile neuntes Album veröffentlichen, erneut - man begutachtet das Cover und hat umgehend Lust auf die Scheibe.

Man spürt und hört sofort, dass THE BLACK DAHLIA MURDER selbst Die-Hard-Fans sind, wenn dann im Prolog des Titeltracks plötzlich das Abwasser in den Kanälen gluckert und damit unverzüglich den Vibe ebenjenen Castellano-Covers in die Hirnwindungen ätzt. Sicherlich mag das für diverse Klugscheißer ein vermeintlich banales Element sein, aber mit solch kleineren Kniffen kann man das Auditorium in eine gewisse Richtung oder Stimmung lenken, ohne direkt ein Konzeptalbum schreiben zu müssen. Diesbezüglich steht auch der "neue" Leadgitarrist Brandon Ellis (ARSIS), der schon auf dem fantastischen Vorgänger "Nightbringers" erste äußerst positive Duftmarken platzieren konnte, im Fokus, denn er setzt zusammen mit Gründungsmitglied Brian Eschbach nicht nur die gewohnt großartige, einprägsame Melodien um ("Dawn Of Rats" und "Godlessly" z.B.), sondern erweitert den Trademarksound um nerdige Detailarbeit ("Removal Of The Oaken Stake" und "The Wereworm's Feast" könnten typische Groove-Nummern sein, werden schließlich aber durch die Lead-Feinstarbeit aufgewertet) sowie spannende, sofort aufhorchen lassende Rhythmenwechsel ("The Leather Apron's Scorn",  "Sunless Empire" und "How Very Dead" z.B.). Möglicherweise mag das meine exklusive Sicht auf die Bandkonstellation sein, doch sind THE BLACK DAHLIA MURDER, die auf den Alben mit Ryan Knight trotzdem stets sehr gut performten, mit der Hinzunahme von Brandon Ellis wieder auf demselben Level wie dereinst mit John Kempainen.

Selbiges Niveau erreichen Mixing und Mastering zwar nicht immer, eine gewisse Progression lässt sich mit dem Wechsel zu Tue Madsen und Alan Douches allerdings dennoch feststellen: Während sich der Drumsound auch weiterhin sehr klinisch geriert, komplementiert der fulminante Gitarrensound - speziell bei den genialen Soli und in den Midtempo-Sektoren von "Child Of Night" sprang mich dieser Eindruck geradezu an - sämtliche TBDM-Charakteristika und bietet dabei den vertraut-abwechslungsreichen, giftigen Strnad-Vocals immer noch genügend Raum zur hemmungslosen Entfesslung der Lyrics, die abermals in hochgradig entertainende Nerdlore getränkt wurden. Machen wir es kurz: "Verminous" wird schon bald mein persönliches Lieblingsalbum seit "Nocturnal" sein, da es in den letzten Wochen nicht nur ein unglaublich hohes Replay-Value offenbarte, sondern gleichzeitig auch rasch ganzheitlich im Gedächtnis haften blieb. Das ist insofern interessant, weil THE BLACK DAHLIA MURDER bisher immer zuverlässig ablieferten, hier aber ein noch kompletteres Melodeath-Kunstwerk erschaffen haben, bei dem vom Artwork über den Sound bis hin zu den hervorragend durchkomponierten Songs quasi alles stimmt.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (15.04.2020)

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