XPUS - In Umbra Mortis Sedent

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VÖ: 24.04.2020
Bandinfo: XPUS
Genre: Death Metal
Label: Transcending Obscurity
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Ich bin ja zugegebenermaßen einer der Letzten, die sich über straightes Gebrutzel nach bewährtem Rezept beschweren. Gerade im Death, Black und Thrash Metal darf es gerne mal nach Art des Hauses auf die Zwiebel geben - kein Prog, kein Post, kein "Primborium" lautet die Devise. Doch ist die Simplizität tatsächlich mit trivialem Handwerk gleichzusetzen? Kann sich jeder Otto-Normal-Kellerkomponist einen straighten 40-Minüter aus dem Ärmel schütteln, der als künftiger Genreklassiker den Anbeginn einer Äonen überdauernden Regentschaft einläutet? Nein, so locker-flockig läuft es wahrlich nicht. Einfach ist nicht einfach - einfach ist sogar regelmäßig gehobene Kunst! Und machmal ist "einfach" alleine einfach nicht genug.

Das italienische Death-Metal-Trio XPUS predigt seit 2015 und verschreibt sich dem klassischen Triumvirat aus Tod, Teufel und Zerstörung. Das neueste Opus ihrer musikalischen Wallfahrt hört auf den schmucken Titel "In Umbra Mortis Sedent" und verspricht geradlinige Intensiv-Missionierung im Namen des Pferdefüßigen. Für gute Unterhaltung bürgen vielversprechende Titel wie "Holy Sperm Upon The Lambs" und die spezielle Zeremoniengewandung der Band, die das feierliche Schwarz mit giftgrünen Leuchteffekten aufwertet. Musikalisch geht es ohne großes Fackeln und mit geladener Flinte an die Front: die Blastbeats rumpeln nahezu permanent über die volle Distanz, simple Death-Riffs laufen geübt vom Stapel und Hohepriester Aren grummelt wie der unheilige Bastard aus Glen Benton und einem kapitalen Kampfhirsch.

Auf dieser soliden Grundlage ließe sich allerhand gescheites Zeug fabrizieren - besonders der erste reguläre Song "Into The Sphere Of Madness" tut sich in diesem Zusammenhang positiv aus der Masse hervor. Die Nummer verbindet den walzenden Death Metal auf geschickte Weise mit Melodie und erlaubt sich sogar gelegentliche Death'n'Roll-Einschübe - läuft gut rein, macht Spaß, macht Lust auf mehr. Doch leider bleibt dieses erste, kleine Hightlight das einzige seiner Art. Der Rest des Albums rödelt äußerst zielstrebig, aber ebenso eintönig in den Sonnenuntergang und lässt den Fürstenschweif nur selten gen Erde auferstehen. Am ehesten entpuppt sich noch "Broken Is The Seal Of Equilibrium" mit seiner erhabenen Atmosphäre und den doomigen Anleihen als ansatzweise interessant.

An den Fertigkeiten der Italiener liegt es nicht. XPUS schreiben nachvollziehbare Songstrukturen und anständige Riffs, beherrschen ihre Instrumente und präsentieren ihr Zweitwerk in einem bodenständigen, unheilig rumpelnden Sound. Doch gekonntes Handwerk alleine macht noch keine herausragende Musik. Ähnlich wie ihre Labelkollegen VERTHEBRAL oder ein PS-starker Mähdrescher grummelt das fluoreszierende Trio massiv, aber monoton in den Äther - und wenn du dich ihnen in den Weg stellst, bist du anschließend einen halben Meter kürzer. Für ein flüchtiges Abschädeln kann man das gebrauchen, aber für den Ausstieg aus dem gehobenen Durchschnitt muss in puncto Songwriting noch was passieren.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (21.04.2020)

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