OZZY OSBOURNE - Ordinary Man

Artikel-Bild
VÖ: 21.02.2020
Bandinfo: OZZY OSBOURNE
Genre: Hard Rock
Label: Sony Music Entertainment
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

Der gute alte (71 mittlerweile) OZZY OSBOURNE wurde in den letzten Jahren schon arg gebeutelt. Da stürzt er im Bad, dass eine alte Verletzung an der Wirbelsäule wieder aufbricht und jetzt wurde auch noch seine Parkinsonkrankheit öffentlich. Touren wurden bereits mehrmals verschoben und angesichts seines doch fragilen Gesundheitszustandes und natürlich auch der aktuellen Situation geschuldet, ist es äußerst fraglich, ob man ihn jemals wieder auf einer Bühne sehen wird.

Umso überraschender, dass es nun wie aus heiterem Himmel nach zehn Jahren Pause ein neues Studioalbum namens "Ordinary Man" gibt. Das war nicht wirklich zu erwarten. Das ganze Teil soll relativ kurzfristig in ein paar Wochen eingespielt worden sein. Von seiner aktuellen Tourband war kein einziger Musiker mit dabei, insbesondere nicht Zakk Wylde, der ja bekanntlich seit der letzten Tour wieder live mit ihm auftrat. Das ist schon einigermaßen überraschend.

Die Protagonisten auf "Ordinary Man" sind ebenfalls sehr überraschend. Produziert hat das Werk Andrew Watt, der im Rockbereich zuletzt bei CALIFORNIA BREED, einem kurzlebigen Projekt von Glenn Hughes in Erscheinung trat aber auch schon im Rap-Bereich als Produzent arbeitete. Er spielt auch auf den meisten Tracks die Klampfe. Des Weiteren waren prominente Gäste wie Duff McKagan und Slash von GUNS N'ROSES wie auch Chad Smith (RED HOT CHILI PEPPERS) und Tom Morello (RAGE AGAINST THE MACHINE) mit am Start. Wer wo was gespielt hat findet Ihr unter der obigen "Line-Up"-Verlinkung.

Verderben nun die vielen Köche den Brei oder ist ein brauchbares Album herausgekommen? Ich tendiere eindeutig zu Zweiterem, auch wenn nicht alles Gold ist was glänzt.

Der Opener "Straight To Hell" mit seinem brachialen Main-Riff könnte auch ein flotterer BLACK SABBATH-Titel sein. Ein Uptempo-Einsteigestrack mit Schmackes, wobei leider auffällt, dass die Produktion nicht gerade gut geworden ist, insbesondere die Drums klingen erschreckend flach und für OZZY-Verhältnisse schon fast demo-mäßig. Leider keine gute Visitenkarte für den Produzenten.  Zu dem Song gibt es auch ein aufwändiges Video:             

              

"All My Life" nimmt eine Spur zu früh den Schwung gleich wieder raus, hätte ich etwas später gebracht den Song, wobei dieser dennoch nicht schlecht ist, vor allem die Leadgitarrenparts stechen heraus.

"Goodbye" beginnt auch schleppend, überzeugt aber durch seine Tempowechsel. Der Sound klingt hier schon fast leicht übersteuert. Wie man das wirklich durch die Qualitätskontrolle gebracht hat ist mir ein Rätsel. Kaum vorstellbar, dass so ein Rumpelsound gewollt war (und ich habe keine mp3 Version sondern das CD-Album!).

Gänsehautmomente gibt es beim Titelsong, einer Ballade, in der OZZY seine Karriere Revue passieren lässt. Am Piano und als Duettpartner ist hier SIR ELTON JOHN zu hören. Klingt auf den ersten Blick eher nach "au weia" ist aber eine der besten Balladen in OZZYs Gesamtwerk. Und beim Video bekommt man auch feuchte Augen. Toll gemacht und - wie fast das ganze Album- mit einem gehörigen Abschiedstouch versehen. Als Höhepunkt veredelt SLASH den Song mit einem famosen Solo, welches an "November Rain" erinnert. Ein echter "Wow-Moment" der Scheibe.

              

"Under The Graveyard" kannte man bereits als Vorab-Song, auch keine schlechte Nummer, welche ebenfalls autobiographisch ist, wie auch das nachfolgende Video zeigt:

                

Nicht alle Songs halten das hohe Niveau: "Eat Me" ist noch ein ganz cooler Modern-Rocker, "Today Is The End" plätschert doch etwas belanglos an einem vorbei. "Scary Little Green Men" ist ein ganz witziges Stück, in dem sich ruhige Passagen mit Rockigem abwechseln. Hier fühlt man sich teilweise an alte OZZY-Nummern erinnert.

"Holy For Tonight" ist die zweite reinrassige Ballade neben dem Titelsong, eine nette Nummer, die aber auch nicht besonders aufregend ist und bei der man am meisten merkt, dass man doch gehörig an OZZYs Stimme technisch herumgeschraubt hat, da das Ganze doch etwas arg technisch verfremdet klingt.

"It's A Raid" ist für OZZY-Verhältnisse ein ziemliche Keule, der Bass ist eindeutig MOTÖRHEAD-inspiriert (wie auch der ganze Song). Einer der härtesten Tracks in der OZZY-Geschichte. Hier ist im Duett Rap-Star (?!) POST MALONE zu hören, der hier zum Glück keinen Rap auspackt, sondern sich bemüht zu singen. Keine schlechte Nummer.

Als Abschlusstrack greift man aber leider völlig daneben: "Take What You Want" ist ein fader Popsong, der unwürdig ist, auf einer OZZY-Scheibe zu erscheinen. Autotuning satt und flache synthetische Popsounds, wie sie im Radio derzeit zu tausenden identitätslos zu hören sind. Einzig OZZYs Stimme gibt dem Song eine lichte eigene Note. POST MALONE rappt sich hier auch noch einen ab. Das ist wirklich grauenhaft und auch völlig deplatziert.

Wie sieht nun das Gesamturteil für "Ordinary Man" aus? Auf der positiven Seite verbuche ich die Tatsache, dass nach den letzten Alben mit Gus G. und Zakk Wylde, die Ozzy doch immer mehr in eine moderne "Nu-Rock" Richtung gedrängt zu haben scheinen, wieder mehr Melodie vorherrscht. Einige Songs erinnern leicht an BLACK SABBATH, andere könnten wiederum auf älteren OZZY-Werken stehen. Was auffällt ist, dass ein richtiger "Guitar-Hero" fehlt, auch wenn ich die im Überfluss von Zakky Wylde gebrachten Pinch-Harmonics-Pieper nun wirklich nicht vermisse. Andrew Watts ist aber eben doch nur ein Handwerker, der nicht großartig heraussticht. Nachdem OZZY jedoch immer grandiose Axe-Men an seiner Seite hatte (Randy Rhoads, Jake E. Lee, etc), ist dies hier doch ein kleiner Negativpunkt, wenngleich SLASH  bei seinen beiden Einsätzen wieder einiges gutmacht. Den mauen Sound habe ich bereits angesprochen, ein paar durchschnittliche Songs sowie den Totalausfall "Take What You Want" ebenfalls.

Nichtsdestotrotz ist "Ordinary Man" für mich die beste Scheibe von OZZY OSBOURNE seit (mindestens) "Down To Earth". Die Lyrics sind weitgehend autobiographisch und haben zwischen den Zeilen doch den Abschied OZZYs von der Musikszene zum Thema, was jedoch nicht aufgesetzt wirkt, sondern eher mit Augenzwinkern zu verstehen ist. Alles in Allem eine angenehme Überraschung und - sollte es denn so sein - ein durchaus würdiger Abschluß seiner Studiokarriere.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Martin Weckwerth (22.04.2020)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: Enslaved - Utgard
ANZEIGE