ENTER SHIKARI - Nothing Is True & Everything Is Possible

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VÖ: 17.04.2020
Bandinfo: Enter Shikari
Genre: Electro
Label: Ambush Reality
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Lineup  |  Trackliste

ENTER SHIKARI haben in ihren Anfängen quasi ein völlig neues Genre kreiert - den sogenannten Trancecore. Die Aufmerksamkeit war schnell da und so hat man sich bis zum heutigen Tage eine ordentliche Fanbase und Reichweite aufgebaut. Ich würde behaupten, dass es wenige Bands gibt, die so viel Kreativität an den Tag legen wie die sympathischen Briten. In ihren ersten Alben hört man noch sehr deutlich den Hardcore Einfluss raus, doch mit der Zeit sind ENTER SHIKARI erwachsen geworden und aus ihren Kinderschuhen rausgewachsen. Schon auf dem letzten Werk "The Spark" war spürbar, dass die Härte einer gehörigen Portion an Melodie gewichen ist. "The Spark" hatte grundsätzlich sogar einen eher poppigen Touch, der zeitweise in balladeske Gefilde abdriftete. All das nach wie vor vereint mit der unbändigen Kreativität der vier Jungs. Was wäre nun der nächste konsequente Schritt? Allen voran ein ellenlanger Albumtitel mit "Nothing Is True And Everything Is Possible". Umschreibt den musikalischen Werdegang der Jungs doch an und für sich ganz gut.

Wie ein Kratzeis, das zum Softeis umfunktioniert wurde!
Auch auf dem neuen Werk ballern uns ENTER SHIKARI nicht mit der Gatling Gun in Rambo-Manier zu. Dennoch ist es wieder eine Abgrenzung von dem, was auf "The Spark" erschaffen wurde und spendiert dem geneigten Hörer eine kunterbunte Wundertüte. Der Opener "The Great Unknown" ist einmal mehr der Beweis dessen, dass ENTER SHIKARI großartige Songwriter sind, denn der Track zündet zu Beginn förmlich ein Feuerwerk. Der Trance ist stark in diesem Stück! "The Great Unknown" wird von modernen Synthie-Sounds bestimmt und zeigt uns einen gesanglich sehr variablen Rou Reynolds, der einmal mehr seine Bandbreite unter Beweis stellt. Die Strophe markiert noch die Ruhe vor dem Sturm, während die Hook wie ein unbarmherziges Gewitter auf den Hörer niederprasselt. Mehr Ohrwurmpotenzial geht nicht! Das energetische Drumming wird hier nochmal auf ein neues Level gehoben und gibt dem Stück eine irsinnige Dynamik. "Crossing The Rubicon" driftet eher in Pop/Rock Gefilde ab und bleibt in sich geschlossen ein sehr zugänglicher Track. Ich muss dennoch dazu sagen, dass die Jungs es vermögen, auch einfach gehaltene Songs mit einem hohen Detailgrad zu versehen. ENTER SHIKARI haben ihren völlig eigenen Sound kreiert, mal hart, mal poppig, aber das spielt keine Rolle. Der Wiedererkennungswert ist unabhängig vom Härtegrad vorhanden. "The Dreamer's Hotel" kommt verhältnismäßig aggressiv daher mit dem energetischen Sprechgesang von Rou in den Strophen, wird aber erneut von einer extrem melodischen Hook abgelöst. Die Mischung machts und sie funktioniert! "Modern Living..." ist für mich eines der Highlights der Platte und offenbart eine gigantische Spielfreude, die ansteckend wirkt. Mit welcher Leichtigkeit hier intensive und catchige Melodien aus dem Hut gezaubert werden, sucht wohl seinesgleichen. In der sehr fröhlichen Atmosphäre des Songs mischen sich, wie sollte es anders sein, virtuose Elektronik Parts rein, die gerade in Kombination mit Rous Rap-Parts in den Strophen eine gute Dynamik erzeugen. Des Weiteren wartet man hier nicht mit einer Hook auf, nein, sondern mit gleich zwei Hooks! Der erste Teil des Songs orientiert sich am Chorus, der zu Beginn ertönt, doch gen Ende wandelt man das Ganze ein stückweit ab und verleiht dem Track so noch mehr Verspieltheit. Ich liebe es!  "The Pressure's On" erinnert ein wenig an IMAGINE DRAGONS zu "Smoke + Mirrors" Zeiten, stets in der Begleitung der trancelastigen Würze, die ENTER SHIKARI perfektioniert haben. Völlig überrascht wurde ich vom Instrumental "Elegy For Extinction", das die Briten zum ersten Mal mit orchestralen Arrangements zeigt. Spätestens hier wird wieder deutlich, wie gerne sie Experimente eingehen und was ist das Beste daran? Sie funktionieren! Das Stück ist episch und ergreifend, packt somit seinen ganz eigenen Charakter in die Wundertüte dieses Albums. "Marionettes (II. The Ascent)" vermischt so ziemlich alles, was die Diskografie hergibt. Ob Dubstep-Elemente, Rap oder virtuose Synthie-Parts, die verrückt, aber gut platziert wirken. "Satellites" ist ohne jeden Zweifel der Gute-Laune Hit der Platte und geht nach dem spacig angehauchten Intro gut nach vorn. Das Ganze hat was von Indie Rock, aber eben Indie Rock á la ENTER SHIKARI. Was immer die Jungs aus dem Genrepool anfassen, sie machen es sich zu Eigen. 

Ein in sich geschlossenes Werk?
Ich erwähne zwar hin und wieder den Begriff Wundertüte, doch möchte ich zum Ende hin sagen, dass "Nothing Is True & Everything Is Possible" ein extrem rundes Werk geworden ist, wo keine Sekunde deplatziert oder aufgezwungen wirkt. ENTER SHIKARI greifen zwar immer wieder tief in die Trickkiste und holen so einige Genres, Subgenres und wer weiß was noch hervor, doch die Jungs verstehen es schlichtweg, dem Ganzen ihren Stempel aufzudrücken. Der Sound ist anders und doch unverkennbar. Ich habe selten eine Band erlebt, die so wandelbar ist und sich dennoch auf gewisse Art und Weise treu bleibt. Jedes Album klingt völlig anders und trotzdem ist es typisch ENTER SHIKARI. Das macht die Band aus und das macht sie auch so besonders. Aus diesem Grund ist auch "Nothing Is True & Everything Is Possible" ohne jeden Zweifel ein kreatives Kunstwerk geworden, das Beachtung und Wertschätzung verdient!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Sonata (16.04.2020)

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