STEFAN C. SCHENKEL - Phantasmagoria

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VÖ: 02.09.2019
Bandinfo: STEFAN C. SCHENKEL
Genre: Symphonic Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Über die vorletzte Veröffentlichung des Ex-TIMEMAGE Masterminds Stefan C. Schenkel, "Dominium Terrae", habe ich erst vor wenigen Tagen ausführlich referiert. Widmen wir unsere Aufmerksamkeit nun also dem bislang letzten Werk des Kreativkopfs.

Mit "Phantasmagoria" betreten wir eine völlig andere Welt als zuletzt mit "Dominium Terrae". Der gschmeidige symphonische Breitwand-Elektrorock ist einer deutlich härteren Gangart gewichen, was zu großen Teilen dem Thema gewidmet ist: Phantasmagorien. Für Leute wie mich, die mit diesem Begriff nichts anfangen können, hat Schenkel gleich die Erklärung parat: „Ende des 18. Jahrhunderts lehrten Horror-Shows und Geistertheater – sogenannte Fantasmagorien – den Menschen auf Jahrmärkten das Fürchten. Für die damalige Zeit bediente man sich ausgefeilten Tricktechniken und Projektoren, Laternen und künstlichem Nebel, um allerhand Geisterwesen in den Raum zu projizieren und die Zuschauer zu erschrecken.“ Klingt unheimlich, ist es auch. Nur eines ist es nicht: Angestaubtes 18. Jahrhundert. Im Gegenteil, dieses Album klingt bisweilen wie ein futuristischer Gruß aus der Zukunft.

Mehr denn je experimentiert Schenkel mit Elementen aus unterschiedlichen Genres. Auf der fetten Laufzeit von über einer Stunde treffen Prog Rock, Metal, Elektro, Industrial, Goth Rock und Ambient aufeinander - nicht selten auch mal in einer einzigen Nummer. Erstes Highlight ist die beinahe siebenminütige Verschnaufpause "Beyond The Veil", ein angeproggter Cinemascope-Soundtrack, auf dem sogar eine weibliche Stimme zu hören ist. Dieser Song hätte auch verdammt gut auf das Vorgänger-Album gepasst. Wenig später, nach einer Art RAMMSTEIN meets COMBICHRIST zaubert mir "Zosimos Of Panopolis" einen Grinser aufs Gesicht. In meiner Schulzeit Ende der Achziger-Jahre tauschten wir Kassetten (heute würden man "Tapes" sagen), die "Synthesizer Greatest" hießen. Ich glaube, dass Stefan Schenkel zu jung dafür ist, aber so manche Sounds dieser Compilation könnten für diesen Track Pate gestanden haben.

Der generelle rote Faden von "Phantasmagoria" ist die unterschwellige Horror-Zirkus Stimmung, wie sie in der vierten Staffel der "American Horror Story" zelebriert wurde. Auch NIGHTWISH widmen sich zeitweise gerne diesem speziellen Genre. So betrachtet bedient Stefan Schenkel gewissermaßen die elektronische Schiene der Anhänger dieser Musikrichtung. Mir persönlich ist "Phantasmagoria" etwas zu konfus, etwas zu viel von Allem. Ich hatte während des Hörens oft den Eindruck, dass die enorme Kreativität Schenkels diesmal nicht unter Kontrolle zu kriegen war - was durchaus als Kompliment verstanden werden darf! Was ihm jedenfalls gut gelungen ist: Eine Stimmung zu erzeugen, die teils beklemmend ist und teils neugierig macht. Ein bißchen wie ein Film, dessen Handlung man nicht verstanden hat (in meinem Fall üblicherweise, weil ich mal kurz nicht aufgepasst habe), von dem man aber trotzdem überzeugt ist, daß er sehenswert ist.

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: adl (17.04.2020)

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