TURMION KÄTILÖT - Global Warning

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VÖ: 17.04.2020
Bandinfo: TURMION KÄTILÖT
Genre: Industrial Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

TURMION KÄTILÖT – ein schier unaussprechlicher Name für unsere Breiten. Dahinter verbirgt sich eine typisch finnisch-verrückte Band, die die Genre-Grenzen einreißt und überspringt und sich so schön gesagt „nichts scheißt“. Im Februar 2019 bin ich auf den Geschmack gekommen, als die Jungs ihr Werk „Universal Satan“ veröffentlichten. So schön schräg und abgefahren, eine Mischung aus Industrial, Elektro und Metal mit einem ordentlichen Schuss Party-Spaß und dazu noch eine Black Metal Optik (zumindest bei manchen Band-Mitgliedern). Die Power, die hinter dieser Combo stand, hat mich umgehauen und ich war begeistert von dem Werk, obwohl ich kein Wort verstand. Im Gegensatz zu vielen anderen Bands haben TURMION KÄTILÖT nämlich beschlossen, in der Muttersprache zu singen, und nur gelegentlich kommt mal was auf Englisch.

Als nun das neue Werk „Global Warning“ bei mir aufschlug, war ich ein wenig überrascht. Es ist schließlich erst ein gutes Jahr her, dass „Universal Satan“ veröffentlicht wurde. So schnell schon wieder etwas Neues? Also reingehört und überraschen gelassen.
"Universal Satan" nachlesen könnt ihr übrigens hier.

Leider hat sich, was ich befürchtet habe, für meinen Geschmack erfüllt – so schnell das nächste Album nachwerfen heißt leider oft, ganz schnell was veröffentlichen und dafür die Qualität leiden lassen. War 2019 jeder Song ein Hammer und glänzte mit Schrägheit oder Party Speed, so ist man nun ein wenig einheitlicher und vor allem vorhersehbar geworden. Es gibt nicht mehr so viel Abwechslung, die Party Laune ist noch da, aber nicht mehr mit Vollgas, sondern ein wenig geruhsamer. Also mehr auf Saurem Radler Niveau statt reinem Bier.

Der Opener „Naitu“ begrüßt uns zwar wie gehabt mit dem bekannten Elektro-Disco-Dancefloor-Metal-Grroove und den Doppel-Vocals der beiden Sänger, sodass es ganz schön abgeht und der Song vor allem in die Beine geht, dann folgen aber mehrere Stücke, wo man vor allem einen Einfluss von Folk Elementen hört. Die Nummer „Syvissä vesissä“ erinnert mich ein wenig an RUSSKAJA, wobei ich aber nicht glaube, dass diese Bands einander kennen und im Bauchladen des anderen wildern. Da wird viel mehr eine ähnliche Idee dahinterstehen.

Der genrevermischende Sound ist auch da, wir hören einen Mix aus Dark Rock, Elektro und Heavy Geschreddere. Dazu Grölen, Singen oder auch Grusel Geröhre – natürlich nicht verständlich, weil finnisch (außer man versteht finnisch - toimitukselle) und daher entsteht ziemlich oft der Eindruck, das wäre jetzt passend für die Geisterbahn als Musikuntermalung.

Mit Stücken wie „Viha ja rakkaus“ liefern sie auch melodiösen, softeren Stoff ab und vollkommen abgefahren und ganz anders die letzte Nummer „Mosquito A La Carte“. Das ist spanisch – nicht nur vom Text her, sondern auch was die Flamenco-Gitarren betrifft. Eine ganz schöne Überraschung also, die sie zum Schluss liefern und die einen überlegen lässt, womit wohl das nächste Album anfangen könnte. Aber das ist eine Geschichte fürs nächste Jahr.

Fazit: „Global Warning“ ist wieder ein verrücktes Werk der Finnen, aber nicht mehr ganz so frisch und disco-metal-groovig wie der Vorgänger aus 2019, dafür sorgen die Folk-Anteile und softeren bzw. düsteren Gangarten, die zu finden sind. Mit ausreichend Bier aber ein hervorragendes Scheibchen zum Mitgrölen, Abrocken und rhythmisch das Tanzbein oder den Schädel schwingen.

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lady Cat (26.04.2020)

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