WALLOP - Alps On Fire

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VÖ: 24.04.2020
Bandinfo: WALLOP
Genre: Heavy Metal
Label: Pure Steel Records
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Lineup  |  Trackliste

Ich habe für euch nachgezählt: Exakt 635.148 Blues-Songs beginnen mit der Textzeile "Waking up this morning...". Anschließend folgen Geschichten über die verflossene Liebe, die verlorene Arbeit, grenzenloses Heimweh oder (idealerweise!) über eine Kombination aus all dem (bisweilen wird auch der eben verendetet Hund lamentiert - der Rekationsseelsorger). Auch der Eröffnungssong "Running Wild" von WALLOPs Comeback-Album "Alps On Fire" startet mit diesen Worten, jedoch entwickelt sich die Grundstimmung deutlich positiver als bei den Zwölftakt-Kollegen.

Wer bis jetzt noch nichts von WALLOP gehört hat, befindet sich in guter Gesellschaft. Die Band startete 1984 mit einem Demo und der LP "Metallic Alps". 1986 folgte noch ein Demo und dann wurde es schwarz im alpenländischen WALLOP-Universum. Bis man vor zwei Jahren den Ausstieg von Stefan Arnold aus GRAVE DIGGER zum Anlass nahm, um über eine Wiederauferstehung zu sprechen. Und so geschah es, dass die Band nach all den Jahren ihr Comeback-Album in Originalbesetzung einzimmerte. In einer schöneren Welt wäre das genug Stoff für einen Hollywood-Film. Doch wir leben in der Welt, in der wir nun mal Leben (Hallo du scheiß Virus, verpiss dich endlich! Schöne Grüße von hunderttausenden Menschen, die endlich wieder ein Metalkonzert besuchen wollen!) und darum gibt es statt eines Blockbusters auch nur ein Review auf Stormbringer.

Musikalisch scheint zwischen 1986 und 2020 keine Zeit vergangen zu sein. WALLOP zocken Heavy Metal der alten Schule als hätten all die Jahre, in denen ihre Kollegen sich mit Konzeptalben, Orchestern, Unplugged-Experimenten, Allesmögliche-Core und Strickjacken abmühten, niemals stattgefunden. Das klingt aufs erste Hinhören so richtig altbacken und abgedroschen, ist aber bei genauerer Betrachtung wunderbar unaufgeregt und erfrischend. Mit "Lack Of Power" ist auch der Hit des Albums schnell ausgemacht. Gäbe es Konzerte, würden die Massen das wunderschöne Gitarrenlead aus tausenden Kehlen mitsingen. So muss halt die Fantasie herhalten, macht ja auch nichts. Die wird auch durch die teilweise wunderbar schlüpfrigen Texte befeuert. Genau wie der Metal halt früher war, bevor man sich in vorauseilendem Gehorsam für jede mögliche Anzüglichkeit entschuldigen musste (owa geh, owa geh, owa geh - Kreiml & Samurei). Also eher nichts für Moralapostel. Dafür gibt es gegen Ende des Albums das RAVEN Cover "Crash, Bang, Wallop" auch gleich mit John Gallagher von ebenjener Band als Gastsänger und Gastgitarrist zu beklatschen.

Für diejenigen unter euch, die ihren Metal gerne unverschnörkelt aber trotzdem eingängig mögen: Diese Scheibe ist für euch! Greift zu, bevor WALLOP am Ende wieder für 35 Jahre in der Versenkung verschwinden.

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: adl (21.04.2020)

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