TOTAL ANNIHILATION - ...On Chains Of Doom

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VÖ: 07.02.2020
Bandinfo: TOTAL ANNIHILATION
Genre: Thrash Metal
Label: Czar Of Crickets
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Alter Schwe...äh...Schweizer! Was für ein Brett!

Heutzutage ist es ja schick im Genre, "neo" oder zumindest "modern" zu sein, bzw. "neo oldschool" (?!). Umso wohltuender ist es da für die Gehörgänge des geneigten, traditionellen Thrash-Metallers, wenn die Ohren neben Tonnen von Alben, die entweder nur diesen kalten Maschinensound beinhalten, oder die krampfhaft auf Vintage gebürstet sind, mal wieder mit geradlinigem, herrlich wildem und unbändigem traditionellen Thrash Metal verwöhnt werden. Und genau den zelebrieren TOTAL ANNIHILATION auf ihrem aktuellen Longplayer "...On Chains Of Doom" von der ersten bis zur letzten Sekunde!

Ich muß gestehen, dass "...On Chains Of Doom" meine erste Begegnung mit den Schweizern darstellt, dafür ist dieses Aufeinandertreffen aber umso eindrucksvoller. Traditionell ist das neue Album in jedem Fall. Hier trieft klassischer Thrash aus jeder Pore der acht Tracks. Was die Tradition betrifft: man fühlt sich allerdings weniger an die alten Bay Area Heroen erinnert, als vielmehr an teutonische Recken wie SODOM und KREATOR. Dazu kommen mal mehr, mal weniger dezente Todesbleianleihen, die zumeist in Richtung ASPHYX zu verorten sind. Trotz dieser Vergleiche kreieren TOTAL ANNIHILATION ihren eigenen Sound.

Gleich mit dem Opener gibt es nach dem kurzen, aber eindringlichen Intro voll auf die Fresse. Während man sich inhaltlich mit den Schrecken des Krieges auseinandersetzt, groovt und brettertsich die Band musikalisch durch den Song, ohne Gefangene zu machen. Die Äxte der beiden Klampfenschwinger und des Tieftöners hacken in einem fort Riff um Riff aus der verbrannten Erde. Das Schlagwerk ist, egal ob Double Bass Gewitter oder Midtempogedonner, stets auf dem Punkt und trotzdem organisch. Genauso positiv macht sich die Stimme von Frontmann Daniel bemerkbar, der sich ohrenfreundlich in mittleren und tieferen Tonlagen die Seele aus dem Leib shoutet.

"Reborn In Flesh" gibt uns lyrisch tiefere Einblicke in Clive Barkers Welt der Cenobiten, während man sich bei den Shouts immer mal wieder an Martin Van Drunens außergewöhnliches Organ erinnert fühlt, dies aber absolut im positiven Sinne. "Iron Coffin" entpuppt sich regelrecht als verthrashtes Todesmetall mit waschechtem Death Doom Mittelteil und einer arschgeilen Eingangs-Hookline, an dessen Ende das Gaspedal noch mal schön durchgetreten wird. In eine ähnliche Kerbe schlägt der großartige Siebenminüter "Dead Souls" mit seinen gekonnten Wechseln zwischen schleppenden und treibenden Passagen.

Der Titelsong ist ein echtes Groove-Monster vor dem Herrn, das gerne in Dauerschleife laufen könnte. Das bis dato wirklich hohe Niveau der aktuellen Scheibe wird auch mit den drei letzten Songs gehalten, und mit "Black Blood" hat man als Rausschmeißer noch mal einen richtigen Schädelspalter platziert. Bleibt abschließend nur noch die kraftvolle, herrlich fette, irgendwie leicht räudige und doch auch wieder glasklare Produktion von Christoph Brandes lobend zu erwähnen, sowie das exzellente Coverartwork von Genre-Ikone Roberto Toderico ausgiebig zu würdigen.

Fazit: So machen Neuentdeckungen Spaß. Auch wenn TOTAL ANNIHILATION schon seit 2006 im Geschäft sind, für mich war es die erste Begegnung mit der Schweizer Abrissbirne, und es wird mit Sicherheit nicht dabei bleiben. Mit diesem bockstarken Output ist der Band jeder Erfolg dieser Welt zu wünschen, verdient haben sie ihn sich allemal.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Ernst Lustig (26.04.2020)

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