SORCERER - Lamenting Of The Innocent

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VÖ: 29.05.2020
Bandinfo: SORCERER
Genre: Doom Metal
Label: Metal Blade Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Schwedischer Doom geht in die dritte Runde mit den Knaben aus Stockholm. Nach dem schon äußerst gutklassigen "The Crowning Of The Fire King"  wurde der Kader leicht verändert, an den dicken Saiten werkelt nun Justin Biggs, der sich auch bei den Vocals und als Texter einbringt, an den Drums agiert nun Richard Evensand, der bereits Anfang der 90er bei der Band aktiv war und für einen Schlagzeuger im Doom-Bereich zeitweise schon sehr verspielt werkt. Alleinstellungsmerkmale, Dudes und Dudettes, sind wichtig.

Thematisch begeben wir uns in die frühe Neuzeit, in die Zeit der Hexenverfolgungen. Fun Fact: Hexenverbrennungen fanden so gut wie nie im Mittelalter, sondern eben in der schon erwähnten frühen Neuzeit statt. Es gab zwar schon unter den Germanen Verbrennungen von Schadzauberern, aber danach war dann mal Ruhe für ein paar Jahrhunderte. Im 13. Jahrhundert kam dann die katholische Inquisition auf die Idee, Hexen zu suchen, sie aber nicht zu verbrennen, sondern wieder heim ins katholische Reich zu bringen, ihnen quasi Sühne abzunötigen. Eng für Frauen abseits der damals üblichen Norm wurde es gegen Ende des 15. Jahrhunderts. Zuerst eine päpstliche Bulle die der Dominikanermönch Heinrich Sprenger als Grundlage für eines der schändlichesten Werke der ohnedies schon zu schändlichen Kirche nahm, den Hexenhammer. Eine Anleitung zum Erkennen, Peinigen und Ermorden von Hexen und ein Megaseller, wie man heute sagen würde, erschien er doch in beinahe 30 Auflagen bis zum Ende des Wahns. Spannend, dass sich die großen Verbrennungswellen durch Europa bis ins vermeintlich aufgeklärte späte 18. Jahrhundert zogen. Und immer noch darf sich der Verein in unser aller Leben einmischen... Wann wird das Konzept eines Gottes, oder von Göttern, endlich aus den Köpfen der wirren Massen verschwinden?

Spannend auch, dass SORCERER übersetzt soviel wie "Hexenmeister" oder "Zauberer" heißt. Es wäre also vor ein paar hundert Jahren für die Schweden eng geworden, mit diesem Namen auf Tour zu gehen (abgesehen von den Kleinigkeiten die damals spärlich vorhanden waren, wie Elektrizität, Nightliner, Auftrittsstätten und Dosenbier). 

Das neue Album "Lammenting Of The Innocent" ist Epic Doom Metal in Reinkultur, erinnert immer noch, wie der Vorgänger, an CANDLEMASS in der "Chapter VI"-Phase und an die völlig unterschätzte Tony Martin-Ära bei BLACK SABBATH, habt aber durch die Vocals von Anders Engberg natürlich eine eigene Schlagseite. Lange, ausladende Melodien weiß der Gute mit seinem großartigen Organ zu transportieren, lädt ein, die metallische Fist zu raisen und mitzusingen.

Jetzt gibt es allerdings ein leichtes Problem mit dem Album. Ab dem Song "Where Spirits Die" schleichen sich ein paar balladeske Momente zu viel ein. "Where Spirits Die" allein zieht sich schon ein wenig, ebenso das mit Gastauftritten von Johan Langquist und Svante Henryson aufgepimpte "Deliverance", das arg Tempo aus dem Album nimmt. Von dieser Links-Rechts-Kombination erholt sich das Album leider bis zum Closer "Path To Perdition nicht mehr so wirklich. "Age Of The Damned" kommt mit genau einem Takt aus und ist viel zu lang, "Condemned" kommt über die gesamte Spielzeit nicht wirklich in Gang und "Dance With The Devil" enttäuscht auch, obschon es etwas vielseitiger tönt als die Lieder davor.

Mit dem Schlußnagel "Path To Perdition" bekommt man noch einmal Oberwasser, insgesamt aber ist das Album deutlich schwächer als der Vorgänger. Da mag die Enttäuschung aus meinem geschundenen Leib sprechen, aber Epic Doom sollte schon ein paar Benchmarks abhaken ohne sich selber in der Länge der Songs alleine zu verlieren und diese auch noch allzu balladesk zu entgiften. SORCERERs "Lamenting Of The Innocent" ist leider nicht der erwartete Hammer geworden, den ich mir gewünscht habe. Der starke Anfang, ein paar Ausreißer nach Oben und die starken musikalischen Fähigkeiten der Musiker alleine machen leider noch kein großes Album. Man hätte es sich gewünscht, aber der Doom der Schweden hat sich auf dem aktuellen Album leider etwas in die falsche Gasse verrannt.

 

 

 



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (29.05.2020)

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