VADER - Solitude In Madness

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VÖ: 01.05.2020
Bandinfo: VADER
Genre: Death Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

Allmählich hat sich das innerliche Ärgernis ob VADERs letzter EP, "Thy Messenger", durch den Faktor Zeit zwar etwas relativiert, doch mit "Solitude In Madness", dem sage und schreibe sechzehnten (!) Album der Polen, drohen alte Wunden erneut aufzubrechen. Nicht deshalb, weil Death-Ikone Peter inkl. Battalion darauf eine relativ knappe Spielzeit von 29 Minuten durch das Schlachthaus tanzen und an diversen Göttern zündeln, sondern weil man mit "Despair" und "Emptiness" abermals bekanntes Material wiederverwertet und es auf dieser Ebene leider etwas übertreibt - zumindest für meinen persönlichen Geschmack. Keine Sorge, meine Brandrede zu den Themen "Sammlerausnutzung" und "Vorgegaukelter Fanservice" werde ich hier nicht erneuern, zumal sich die Essenz dessen ohnehin schon hier nachlesen lässt, aber ein kurzes Angrillen kann ich mir selbstverständlich trotzdem nicht verkneifen.

Davon abgesehen muss ich gestehen, dass VADER - vor allem seit der Jahrtausendwende - schon weitaus schlechtere Alben als "Solitude In Madness" veröffentlicht haben. Nein, ich würde sogar behaupten, dass man dem knackigen Polen-Barbeque zum nahenden Sommer die Berechtigung erteilen kann, nebst "Welcome To The Morbid Reich" und "Tibi Et Igni", meine beiden Favoriten in der jüngeren Diskografie, auf dem Rost liegen zu dürfen. Mit einer würzig-feurigen Mischung aus Death und Thrash Metal treten VADER ihren temporeichen Feldzug gegen die Zeit an und klingen dabei so charakteristisch wie eh und je. Selten entzieht man Hitze und Geschwindigkeit ("Final Declaration" und "Bones"), deutlich öfter wird das Gaspedal bis in die untersten Schichten des Asphalts gerammt ("Incineration Of The Gods" und "Dancing In The Slaughterhouse" sind da nur zwei Beispiele). Am Ende findet man den größten Unterschied tatsächlich dann, wenn man das Booklet bis zu den Credits durchgeblättert hat: Statt den Wiesławski-Brüdern, mit denen man bislang fest in deren Hertz-Studios verwachsen schien, war dieses Mal der Brite Scott Atkins, für den man extra die eigene Komfortzone gen Insel verliess, für den gesamten Sound zuständig. Und selbst wenn sich die Abweichungen auf Nuancen belaufen, ist es doch gerade ebenjener Klang, der die Präzision und Wucht von "Solitude In Madness" angemessen inszeniert.

Ich will ehrlich sein: "The Empire" hat mich 2016 ein wenig enttäuscht, was womöglich auch dem explosiven Vorgänger "Tibi Et Igni" anzulasten ist. Es sollte kurzweiliger und prägnanter sein, es sollte zügiger auf den Punkt kommen und scheiterte daran zuweilen. In dieser Disziplin weiß "Solitude In Madness" hingegen zu überzeugen, denn gerade in den knapp zweiminütigen Blastbeat-Manifesten "Into Oblivion" und  "Stigma Of Divinity", ja, selbst in den dreiminütigen "Longtracks", namentlich "And Satan Wept" und "Sanctification Denied", wird der Hörer Zeuge einer (zurückgewonnenen) Kompromisslosigkeit, die genügend verbrannte Erde zum Gemeinschaftsgrillen hinterlässt. Worauf wartet ihr also noch? Mund- und Nasenschutz anlegen und ab zum festlich-kulinarischen Community-Stunt in der Hölle!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (29.04.2020)

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