DARK FOREST - Oak, Ash & Thorn

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VÖ: 24.04.2020
Bandinfo: DARK FOREST
Genre: Heavy Metal
Label: Cruz Del Sur
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Lineup  |  Trackliste

Dass mir unter all den dunklen Wäldern, die auf diesem Planeten existieren, ausgerechnet die britischen, in den West Midlands kultivierten, so lange verborgen geblieben sind, verwunderte mich bereits nach einem wohlgefallenden Durchgang ihres neuen Album "Oak, Ash & Thorn", denn eigentlich hätte sich mir ihre anachronistische Melange aus NWOBHM, True Metal und einem Tupfer regionalen Folks unlängst aufdrängen müssen. Was zuvor schon den phänomenalen Landsfrauen und -männern von DARKEST ERA gelungen ist, soll nun auch dem Quintett aus Dudley beim folkloristisch-traditionellen Tanz um Eichen, über Asche und an Dornensträuchern entlang zuteil werden. Also, Twin Guitars, rejoice!

Was direkt auffällt und auch beim geschätzten Kollegen Christian Wiederwald anno 2016 zum Vorgänger-Release "Beyond The Veil" umgehende Erwähnung fand, ist der organische Sound, der sich wunderbar an und in die Ohren schmiegt. Man könnte zwar sagen, dass das Schlagzeug ein wenig blechern rumpelt, doch da sich die Intervalle der Plastikproduktionszwischenfälle immer weiter verkürzen, kann man wohlwollend darüber hinwegsehen. Zumal "Oak, Ash & Thorn" auf sämtlichen Ausgabegeräten ein unbeschreiblich entspannendes, angenehmes Hörerlebnis fernab von Kopfschmerzen sowie anderen Strapazen abspielt und den kauzigen Charakter trotzdem nicht ruiniert.

Letzterer wird 2020 - den Kollegen wird diese Information sicherlich erfreuen - in 52 Minuten ausgelebt, zelebriert, ja, ohne exzessives Saufgelage gefeiert. Die Parallelen zu IRON MAIDEN sind auch für mich unüberhörbar und Josh Winnard klingt heuer, sofern das überhaupt möglich war, noch stärker nach Bruce Dickinson als auf "Beyond The Veil", aber DARK FOREST haben nicht zuletzt durch ihre klischeefreien, vom Folk inspirierten Harmonien ("The Midnight Folk" und "Eadric's Return") sowie ihr altmodisches, unberührtes Songwriting eine eigene verschrobene Identität, woran sich, ähnlich wie bei SKYCLAD, die Gemüter durchaus stoßen können. So bestand auch bei mir die Befürchtung, dass ich nach dem atmosphärischen Naturintro "Ælfscýne" und dem sehr traditionell gehaltenen Opener "Wayfarer's Eve" rasch genervt sein könnte, doch stellte sich stattdessen nach drei bis vier Durchgängen eine innere Zufriedenheit ein, weil DARK FOREST nie den schmalen Grat hin zur Dudelig- oder Knödeligkeit überschreiten, obschon "Relics" oder auch "The Woodlander" mit ihren grellen Melodiebögen zuweilen damit liebäugeln.

"Oak, Ash & Thorn" ist trotz seiner Spieldauer kurzweilig und in Gesamtbetrachtung eine wohltuende, erfreulich nostalgisch klingende Exkursion in die Vergangenheit, die - der elfminütige Titeltrack bietet sich da als gutes Beispiel zum Vergleich an - weitaus spannender als die teils doch eher ermüdend langen Progschinken der neuzeitlichen eisernen Jungfrau geraten ist. Den Vergleich werden DARK FOREST vermutlich niemals gänzlich abstreifen können, aber letztlich wird jeder Interessierte irgendwann auch ihre eigene, unangepasste Persönlichkeit bemerken und anerkennen. Spätestens mit "Oak, Ash & Thorn", so wie bei mir eben.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (27.04.2020)

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