NERVE SAW - Peril

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VÖ: 27.03.2020
Bandinfo: NERVE SAW
Genre: Death Metal
Label: Testimony Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Wenn man sich selbst das Talent einer ausgesprochenen Nervensäge zudichtet und diese in die Wiege gelegte Tugend gerne gewinnbringend in die alltägliche Redaktionsarbeit einbringt [Anm d. Verf.: die üblichen, verdächtigen Gangbang-Mitstreiter können hiervon ein Liedchen singen], dann sollte man eine Band namens NERVE SAW nicht einfach links in der Promoecke liegen lassen. Besagte Band starte 2010 als Spin-Off des SADISTIK FOREST-Bassers und Sängers Markus Makkonen, der den Albuminfos zufolge auf der Suche nach einem Ventil für seinen Durst nach klassischem, weniger technisch veranlagtem Death Metal war. Da ihm dieses Terrain allein aber zu ausgelatscht erschien, kombinierte er das Objekt seiner Begierde mit einer bunthaarigen, schlecht gewaschenen Jugendliebe - und schuf damit eine interessante Interpretation von Death Metal, bei der man oft darüber ins Grübeln gerät, warum sie eigentlich als solcher gehandelt wird.

Nach einer 2011 aufgenommenen, aber erst 2017 veröffentlichten EP und zwei Singles lässt die Ur-Nervensäge Makkonen, inzwischen verstärkt durch Heikki Matero an der Gitarre und Michael Dorrian an den Kesseln, das erste NERVE SAW-Album "Peril" von der Leine. Allen, die bis hierhin noch nicht über den unkonventionellen Ansatz der Finnen im Bilde waren, haut das Trio direkt mit dem Opener "A Fool" einen veritabelst abpunkenden Pflock in den Allerwertesten. Antreibende und punk-typische Beats, ein mörderisch eingängiges Hauptriff, feine Pogorhythmen und giftige, offensiv mit dem Black Metal sympathisierende Vocals - dieser fette Eröffnungsact läuft vom ersten Akkord an auf Hochtouren.

Einige Stücke des weiteren Albums bleiben schwerpunktmäßig im Punk verwurzelt, andere servieren eher straighte Death-Kost und wiederrum andere punkten mit einer saftigen Groove-Schlagseite ("Life Goes On...Not", "The Red Line"). Das dreckige Straßenköterflair der Punk-Fraktion fraternisiert und symbiotisiert mit dem Death Metal und wirkt dabei zu keiner Zeit wahllos zusammengemischt. Vielmehr ergänzen sich die jeweiligen Soundanteile dieser ungezogenen Liaison perfekt und gebären einen äußerst bekömmlichen Crossover-Hybriden. Der geschickt kombinierte Sound der Gitarren ist hierfür das beste Beispiel. Wie sich am ausgewogenen und vorbildlich austarierten Sound zeigt, beweisen NERVE SAW zudem ein glückliches Händchen am Mischpult (oder wahlweise in der Indoktrinierung ihres Produzenten Javier Félez). Gitarren, Bass, Drums, Gesang - hier überzeugt jedes Element für sich selbst und auch das Zusammenspiel der Akteure als Ganzes.

Bei "Peril" ist der Name gleichwohl Programm - immerhin kann man den ungewöhnlichen Ansatz einer Vermählung zweier so unterschiedlich angelegter Genres durchaus als Wagnis und Risiko bezeichnen. Aber am Ende trifft dieser bunte Hund vielmehr einen Nerv, als dass er daran sägt. Vielleicht liegt es mitunter daran, dass die musikalischen Wurzeln des Verfassers selbst in den stinkenden Kellerlöchern des Punk Rock zu finden sind, aber für dieses erste Date hinterlassen NERVE SAW einen sehr vernünftigen Eindruck. Viel fehlt mir hier offen gestanden nicht für den Schritt zur nächsthöheren Wertung, vielleicht ein oder zwei Kracher vom Kaliber des Openers mehr, und wir kommen ins Geschäft. In diesem Sinne: sägt mal fröhlich weiter, Jungs!



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (12.05.2020)

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