DESTRUCTION - Born To Thrash (Live In Germany)

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VÖ: 08.05.2020
Bandinfo: DESTRUCTION
Genre: Thrash Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

Corona, Corona und nochmals Corona...dieses mistige Virus bestimmt seit Wochen das tägliche Leben in Deutschland, Österreich, Absurdistan und dem Rest der Welt. Würden sich die Zeitungen stattdessen wenigstens über Exportbeschränkungen und schwankende Alkoholgehalte bei der gleichnamigen Biermarke auslassen, müsste man immerhin nur an der Qualität des hiesigen Journalismus zweifeln. Aber so bitter diese ätzende Pille für alle irgendwie gearteten Interessengruppen auf, vor, und hinter den Bühnen dieser Erde auch zu schlucken ist, bleibt es auf absehbare Zeit triste Realität, dass eine Rückkehr zur Normalität noch lange auf sich warten lassen wird. Aber wenn die ganze Sache neben unzähligen harten und tragischen Konsequenzen wenigstens einen positiven Aspekt hat, dann, dass man nach dem erzwungenen Entzug unseres zum gewohnten Luxus verkommenen (Konzert-)Alltags wieder die kleinen Dinge zu schätzen weiß - wie z. B. ein Livealbum.

Wenn DESTRUCTION live, dann DESTRUCTION live!

Livealben können durchaus mehr sein als liebloses Füllwerk zur Bedienung von Plattenverträgen oder eine schnelle Cashcow für zwischendurch. Sie können unterhalten, bedeutsame Liveereignisse dokumentieren und für den geneigten Besucher des eingefangenen Konzerts (oder der Tour) zu einem emotionsgeladenen Erinnerungsstück werden. Und wenn eine Band wie DESTRUCTION mit dem Mitschnitt ihres letztjährigen Party.San-Gigs um die Ecke kommt, die Tapes ihrem Label spontan auf den Tisch knallt und beschließt, das Resultat nebst einer von Fans ausgefüllten "Konzerkarte" zu veröffentlichen, dann kommt einem sicherlich zweitgenannte Option in den Sinn.

Was man von einem DESTRUCTION-Livealbum erwarten darf, liegt wahrlich auf der Hand, denn wenn schon "DESTRUCTION live", dann "fucking DESTRUCTION live" und sonst nix! Wie es sich für eine Band gehört, die seit jeher für ehrlichen und handgemachten Thrash steht - man beachte Schmiers regelmäßige Ansagen zu Playback, Backing Tracks und andersartigen Bühnenbeschiss-Tatbeständen - wurde an der Aufnahme ohrenscheinlich nicht allzu viel geschraubt und vielmehr auf ein möglichst unverfälschtes Live-Erlebnis geachtet. Das Publikum kommt ebenso zur Geltung wie die Band; Staub, Schweiß und Sonnenbrand scheinen plötzlich präsent und auch das undergroundige Wir-Gefühl einer typischen Zerstörershow kommt glaubhaft rüber. Dass das Ganze dennoch in einem sauberen Sound daherkommt, muss man nicht gesondert betonen.

Dass die Songauswahl sich zu weiten Teilen mit älteren Livedokus der Band überschneidet, ist sicherlich der Tatsache geschuldet, dass der Release spontan aus der Hüfte geschossen kam. Denn auch, wenn der hier konservierte Auftritt einen Tag nach dem Release des aktuellen Albums "Born To Perish" stattfand, finden sich nur zwei Songs der besagten Platte im Set. Die übrigen acht Songs, mit denen die knappe Stunde Spielzeit ausgenutzt wurde, sind durchweg alte Gassenhauer, die einfach in keinem DESTRUCTION-Set fehlen dürfen und deren Auslassen bei einem Festivalgig man der Kapelle berechtigtermaßen ankreiden würde. Bis auf die beiden neuen Songs liegt der Mehrwert dieser Liveplatte also vornehmlich im Einfangen der neu ausgebauten Live-Energie als Quartett sowie des Moments an sich. Und so ein zünftiges All-Time-Faves-Set wie auf "Born To Thrash (Live In Germany)" geht schließlich immer!

Eine Stunde Festivalfeeling fürs Wohnzimmer oder den Balkon

Erzählen kann man freilich viel...von Fan-Service über das Teilen gemeinsamer Erinnerungen bis hin zum Höhepunkt der eigenen Liveperformance. Nun zählen aber gerade DESTRUCTION zu den Bands, die trotz ihres Status immer sie selbst geblieben sind, die bis heute vor 50 Leuten abgehen wie vor 50.000 und bei jeder Venue-Kapazität ein glaubwürdiges Zusammengehörigkeitsgefühl vermitteln. Deshalb - und nur darum krame ich diese alte, eingestaubte Rede noch einmal hervor - kauft man ihnen das Versprochene ab, nimmt ihnen ein Livealbum mit überwiegend altbewährten Songs nicht übel, ist ihnen sogar unverhofft dankbar für diese authentische Stunde Festivalfeeling, die man so in diesem Jahr nicht mehr erleben dürfte. Also Kutte an, Bier auf, ab auf die Terrasse und Bang Till Death!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (10.05.2020)

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