ALESTORM - Curse Of The Crystal Coconut

Artikel-Bild
VÖ: 29.05.2020
Bandinfo: ALESTORM
Genre: Folk Metal
Label: Napalm Records
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

Seit 2008 die erste Platte von ALESTORM an den Strand gespült wurde, haben sie bei Stormbringer.at herausragende Noten einfahren können. Zuletzt wurde ihr Piraten Metal 2017 auf „No Grave But The Sea“ hoch gelobt. Nun aber steht das sechste Album an und Stimmen des Zweifels werden laut, ob „Curse Of The Crystal Coconut“ die Erfolgsgeschichte der Schotten weiterschreiben kann.

Im Vorfeld zur neuen Platte wurden im April 2020 zwei Videos veröffentlicht, die einen beträchtlichen Teil der Metalgemeinde verwirrt aus der Kutte schauen ließ. Klamaukig, poppig und mit einem sehr un-piratigen Video kommt „Tresure Chest Party Quest“ daher, während „Tortuga“ sich sogar an Rap- und Elektro-Genres bedient. Hier und dort wurde bereits das Nachlassen von ALESTORM oder gar der Tod der Band betrauert. Haben die schottischen Piraten sich nun also verkauft?

„We're only here to have fun, get drunk | And make loads of money | Cos nothing else matters to me“ – „We think you're dumb and we hate you too | We are the pirate metal drinking crew, | We don't give a fuck, we think you all suck“

Der Refrains von „Tresure Chest Party Quest“ und „Pirate Metal Drinking Crew“ zeichnen tatsächlich ein Bild der Scheißegal-Haltung, der Faulheit und der Geldgier. Aber wer interessiert sich denn eigentlich für ALESTORM und was darf man von der Band tatsächlich erwarten?

Die Schotten machen episch orientierten Power Metal mit sehr starkem Folk-Einfluss respektive Anleihen aus Irish/Celtic Folk und Shanty. Eingestreut wurden über die Jahre zahlreiche Genres von Heavy Metal und Hard Rock über Black und Thrash Metal und in jüngerer Zeit mehr Death Metal und Metalcore. Zu ihrem üblichen Live-Programm gehört aber auch ein Cover des Elektro-Songs „Hangover“ von TAIO CRUZ. Thematisch ist ihre Musik vorwiegend von einer humoristischen bis albernen Version eines romantisierten Piratenlebens voller Rum, Sex, Heldentaten, Schätzen und Flüchen gefärbt. Nicht zuletzt die relativ starke Eingängigkeit und die Glorifizierung des Alkohols machen ALESTORM zur Party-Band für leicht bis schwer alkoholisierte Konzertgänger. Bier rein, Gehirn aus, gute Zeit!

Den True-Scottish-Pirate-Metallern nun also vorzuwerfen, sie würden sich in die falsche Richtung ausprobieren oder sie wären zu poppig, dürfte ins Leere gehen, denn genau das scheint den meisten Fans von ALESTORM zu gefallen. Wer fünf Alben lang nicht beschlossen hat, sich vom schottischen Piratengebrüll mit Christopher Bowes' eigenwilliger bis fragwürdiger Gesangsstilwahl abzuwenden, wird auch auf „Curse Of The Crystal Coconut“ wenig Grund dazu finden.

Zum gewohnt gelungenen Sound zwischen Power und Folk Metal gesellt sich Ally Storch von SUBWAY TO SALLY mit ihrer Geige – definitiv ein Mehrwert. Vereinzelt stimmlich bereichert wird die Schiffscrew von Captain Yarrface (RUMAHOY) von PATTY GURDY, von Fernando Rey (AFTERPAIN) von Vreth (FINNTROLL) sowie von Kaelhakase und Tatsuguchi (JAPANESE FOLK METAL).

Fazit: Wer will schon Tiefgang?

Natürlich gibt es einige weitere Genresprenkler auf der Folk-Power-Metal-Platte, aber die hervorstechendsten sind mit den beiden oben genannten Songs auch schon abgehandelt. Überwiegend ist dann doch vor allem mehr vom bekannten Stoff zu finden, sodass man fast sagen kann, dass die beiden Auskopplungen eine falsche Fährte legen, die nach Genuss der ganzen Platte nun ein wenig Enttäuschung erzeugt, weil die spannenderen Experimente damit bereits ausgespielt wurden. Allerdings wird es vielen Fans da genau andersrum gehen und sie werden froh sein, dass „ihre“ ALESTORM weiterhin vor allem das sind, was ALESTORM seit über einem Jahrzehnt sind: schottischer Karibikurlaub mit Rum als Brandbeschleuniger für eine Party ohne viel Tiefgang, den ja auch niemand wollen könnte, denn sonst liefe ja das Schiff auf Grund! Und das meine ich ohne Zynismus und mit viel Vorfreude auf hoffentlich baldigen Live-Genuss.

Wer von ALESTORM gerade nicht genug bekommen kann, findet hier eine Top 10 ihrer besten Videos.

 

Um Missverständnissen in der Notenvergabe vorzugreifen, sei hier erwähnt, dass es sich bei einer 3,0 um eine gute, bei einer 3,5 und eine sehr gute und bei 4,0 um eine außergewöhnlich starke Platte in der Meinung dieses Review-Autoren handelt.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Jazz Styx (27.05.2020)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: ROCK SHOCK THEATRE 2020
ANZEIGE