HORISONT - Sudden Death

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VÖ: 15.05.2020
Bandinfo: HORISONT
Genre: Hard Rock
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Seit 14 Jahren sind die fünf Göteborger Jungs nun schon im Geschäft. Die erste Hälfte ihres musikalischen Schaffens war geprägt von muffig-knarzendem Retro Hardrock der Siebziger, der auf den ersten Scheiben so klang, als hätte man tatsächlich einen Dachboden-Schallplatten-Fund aus der guten alten Zeit gemacht. Die Liste der den Sound von HORISONT massgeblich beeinflussenden Vorbilder reichte von UFO, den SCORPIONS, frühen JUDAS PRIEST bis hin zu WISHBONE ASH. Spätestens ab dem Album-Meilenstein "Odyssey" aus dem Jahr 2015 gesellten sich weitere Stilelemente wie Blues-, Space- und Psychedelic Rock zum Klangerlebnis HORISONT hinzu.

Nun legen die Schweden ihr sechstes Studiolangeisen vor. Und "Sudden Death" ist unvorhersehbar, sowie in vielen Belangen anders als seine Vorgänger. Von HARDrock kann in weiten Teilen keine Rede mehr sein (Ausnahmen siehe weiter unten), was aber der Qualität der Scheibe keinen Abbruch tut. "Sudden Death" bietet dem Hörer ein wahrlich buntes Rock-Potpourri der 60er und 70er Jahre. Eine fantastische Reise durch zwei Jahrzehnte Musikgeschichte mit vielen liebevollen Zitaten und jeder Menge Hommagen. Aber auch aktuelle Einflüsse finden sich in einem Großteil der Songs wieder (GHOST, THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA).

Das Album startet direkt mit einer Reminiszenz an die BEATLES. "Revolution" ist ein hammermäßiger Einstieg! Piano, Gitarren, der Gesang - alles erinnert so stark an die vier Pilzköpfe, daß man meint, Paul, John, Ringo und George wären bei der Aufnahme persönlich im Studio zugegen gewesen. Und weiter geht die wilde Fahrt. Mit "Free Riding" und "Runaway" verneigt man sich vor DEEP PURPLE und URIAH HEEP. "Pushin' The Line" startet mit einer Mischung aus DIRE STRAITS ("Sultans Of Swing") meets GHOST ("Dance Macabre"), dieses Leitmotiv zieht sich durch den gesamten Song bis zum Ende. Und auch "Into The Night" bietet unüberhörbare Parallelen zu den schwedischen Geister-Kollegen. Allerdings klingt der Track so, als hätten HORISONT die Einflüsse, die GHOST aus der Vergangenheit in die Gegenwart transportieren, geradewegs wieder in die ursprüngliche Epoche zurückgeschickt und sich selbst gleich mit.

Omnipräsent auf dem gesamten Album ist der Siebziger und Frühachtziger-Sound von Stadionrock Giganten à la JOURNEY, gepaart mit der epischen Breite großartiger WISHBONE ASH Klassiker wie "Warrior" oder "Throw Down The Sword". Dazu ein paar ordentliche Spritzer ASHBURY und ein wenig THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA Flair. Voilà! Fertig sind musikalische Leckerbissen wie "Standing Here" oder "Hold On".

"Gråa Dagar", der einzige Song in Landessprache ist trotz des Titels ("Graue Tage") herrlich unaufgeregte Gute-Laune-Musik, die zum Augen schließen und sich-schnell-mal-weg-Träumen einlädt. "Breaking The Chain" und der Closer "Archaeopteryx In Flight" schließlich greifen die Spacerock-Elemente des letzten Albums "About Time" wieder auf und verleihen dem aktuellen Output eine gewisse progressive Note.

 

Fazit:

Einmal mehr erfinden HORISONT sich neu, ohne dabei musikalische Elemente neu zu erfinden. Auch "Sudden Death" ist ein Zitatenschatz für alle Liebhaber guter, eingängiger Rockmusik der sechziger und siebziger Jahre. Trotzdem sind die Schweden kein Plagiat, denn immer, wenn man gerade noch darüber grübelt, woher man die ein oder andere Hookline kennt, kriegen HORISONT jedes Mal wieder die Kurve und machen die bekannten Melodien zu ihren eigenen. Der Knarzsound der ersten Alben ist einem klaren, warmen Klang gewichen, der allerdings hervorragend zum klanglich Dargebotenen passt. Das musikalische Können der Instrumentalfraktion und die außergewöhnliche, auf "Sudden Death" vorrangig in den hohen Tonlagen agierende Stimme von Fronter Axel Söderberg tun ihr Übriges, um das neue Album von HORISONT zu einem äußerst geschmackvollen Gesamtkunstwerk werden zu lassen. Für mich die bislang beste Scheibe in der HORISONT-Diskografie. Applaus!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Ernst Lustig (13.05.2020)

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