IN EXTREMO - Kompass zur Sonne

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VÖ: 08.05.2020
Bandinfo: IN EXTREMO
Genre: Mittelalter Metal
Label: Universal
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Lineup  |  Trackliste

25 Jahre – 13 Alben. Wo andere Bands stagnieren, wahlweise in ewiger Selbstkopie versinken oder mit allzu erzwungenen Neuorientierungen schlingern, kredenzen IN EXTREMO seit zweieinhalb Dekaden durchgängig starken Stoff, der nie in allzu abstrakte Sphären vorstößt, aber dennoch jederzeit die Handschrift von IN EXTREMO trägt, ohne in Einheitsbrei zu versinken. Da kann man ruhig mal applaudieren!

Besagtes inzwischen 13. Album hört auf den Namen „Kompass zur Sonne“ und präsentiert die zwischenzeitlich schon ein wenig faltig gewordenen Herrschaften von ihrer besten Seite. Musikalisch ist der Zahn der Zeit augenscheinlich spurlos an den neuzeitlichen Spielmännern vorbeigegangen, so spielfreudig und voller Hingabe präsentiert sich die siebenköpfige Gruppe auf ihrem neuesten Album.

Der Opener „Troja“ geht mit Ohrwurmgarantie noch ein wenig auf Nummer Sicher, doch dafür hat es der Rest des Albums richtig in sich. Mitreißende Hymnen wie „Salva Nos“ können ohne Umschweife zünden und ein Song wie „Reiht Euch Ein Ihr Lumpen“ ist als Partykracher geradezu prädestiniert, wenn er auch nicht ganz an den Schunkel-Hit „Sternhagelvoll“ vom Vorgänger „Quid Pro Quo“ heranreicht.

Die stärksten Momente des Albums verbergen sich in den ernsteren Songs, von denen sich vor allem das kompromisslos-flotte „Lügenpack“ hervortun kann, das textlich ordentlich hinlangt und gegen jegliche Wahrheitsverschleierer wettert. Auch die Gänsehaut-Ballade „Schenk Nochmal Ein“ punktet mit tiefsinnigem Text und getragener Stimmung – das Highlight „Saigon und Bagdad“ geht den gegenteiligen Weg und liefert mit kratzbürstigem, metallischem Gitarrensound und explosiv-brisantem Text ein Statement gegen kriegerische Handlungen ab. Der Elektro-Remix desselben Titels, der als Bonus am Ende des Albums angehängt wurde, wird jedoch vermutlich die Geister scheiden.

Licht und Schatten regiert bei den beiden Kollaborationen „Gogiya“ (mit RUSSKAJA) und „Wer kann Segeln ohne Wind“ (mit Johan Hegg von AMON AMARTH). Wo RUSSKAJA wie die Faust aufs Auge zu IN EXTREMO passen und das lässig-flotte „Gogiya“ sich alsbald zum haltbaren Ohrwurm mausert, finden sich das hingebungsvolle Gegrunze von Johann Hegg und die melancholische musikalische Interpretation des schwedischen Volksliedes „Vem kan Segla“ leider nicht wirklich zusammen. Das ist allerdings auch der einzige echte Schwachpunkt auf „Kompass zur Sonne“.

Ansonsten ist IN EXTREMO mit ihrem 13. Album ein wirklich starker Wurf gelungen, der nach einer kurzen Durststrecke und der Wiedererstarkung mit dem Vorgänger „Quid Pro Quo“ wieder ein neues Highlight in der umfassenden Diskografie der deutschen Mittelalter-Metaller setzen kann.

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Anthalerero (22.05.2020)

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