FLAT EARTH SOCIETY - Friends Are Temporary, Ego Is Forever

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VÖ: 21.02.2020
Bandinfo: Flat Earth Society
Genre: Metalcore
Label: Art Gates Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

FLAT EARTH SOCIETY ist eine 2018 gegründet Progressive-Metalcore-Band. Wer sich dabei selbst als Ziel setzt, „die interessanteste Band der Szene“ zu werden, sollte alleine der Ambitionen wegen, einmal genauer betrachtet werden. Die vier Jungs um Cleansänger und Bassisten Jesus Espinosa veröffentlichten nun am 21. Februar, zusammen mit dem Produzenten Pablo Rousselon, ihr erstes Debüt Album, welches in den „Metal Factory Studios“ aufgenommen wurde. In den Werbetexten zu ihrer Platte, spricht die junge Band von einer ganz besonderen Experimentierfreudigkeit und die Vermischung von unterschiedlichsten Stillen innerhalb ihrer Musik. Umso gespannter war ich daher, was „Friends Are Temporary, Ego Is Forever“ zu bieten hat. Aber natürlich auch, ob die Band sich selbst mit ihrem hochgestochenen Ziel gerecht wird.

Experimente als Gegensatz zum Klang

Direkt ohne große Gesten bzw. langatmiges Intro, geht es mit dem ersten Song „Pray“ auch direkt in die Vollen. Der Sound ist dabei vor allem durch die sehr abwechslungsreichen Shouts von Frontmann Daniel Correa geprägt, die teilweise an die Vocals von Daniel-Winter Bates von BURY TOMORROW erinnern. Schon im ersten Song erkennt man deutlich die Spielfreude und Affinität zu musikalischen Experimenten. Besonders der Einsatz des Breakdown bleibt bei "Pray" im Gedächtnis. Hier wird der Hörer auf eine falsche Fährte gelockt, bevor es zur Entladung der musikalischen Spannung kommt.

Der zweite Song „Lingma“, ist nun auch der erste Song der mit Clean-Gesang daherkommt. Dieser wirkt jedoch leider etwas uninspiriert und nicht zu Ende gedacht. Die Gesanglinien von Correa hingegen, entwickeln sich auch in diesem Song als wahres Highlight welche sehr gut zu den unterschiedlichen Rhythmus-Pattern der Gitarren passen.

Der dritte Song Dank bietet nun einige Überraschungen, mit denen ich tatsächlich nicht gerechnete habe. Stichwort: Basssolo!
Tatsächlich erinnert mich jedoch der gesamte instrumentale Aufbau bis hier her, sehr an die alten Alben von FOR TODAY, welche sich auch wie bei FLAT EARTH SOCIETY, durch die chromatisch geführten Leadgitarren ausgezeichnet haben. Allerdings wird mir an dieser Stelle des Albums auch schon ein kleines Manko bewusst. Durch die schnellen Gitarrenläufe fällt leider sehr schnell eine unsaubere Partie auf. Darüber hinaus wurde die Produktion mit unglaublich vielen Vokal-Effekten ausgestattet. Als Kontrast sind diese Effekte immer eine gute Sache. Wenn jedoch in so gut wie jedem Song des Albums eine verzerrte „Telefonstimme“ vorkommt und direkt danach ein Breakdown oder Refrain folgt, mangelt es leider etwas an der angepriesen Experimentierfreude, sodass sich schnell eine gewisse Eintönigkeit einstellt.
Die folgende zwei Songs „CC Chain" und „Legfist“ überzeugen jedoch wieder auf kompletter Linie. Vor allem die treibende Dynamik und Diversität der Drums seien hier einmal besonders hervorgehoben. Und insbesondere der Song "Legfist" bietet dieses Mal nun auch einen Cleanpart welcher deutlich eingängiger und durchdachter wirkt. Wohlgemerkt, auch in diesem Song kommen wieder die typischen „Telefoneffekte“ zum Einsatz.

Die letzten drei Songs bilden nun ein solides Fundament aus Aggressivität und die Vermischung verschiedener musikalischer Elemente. Leider wirkt es auf dem gesamten Album dennoch so, als ob die Progressive-Parts in der Musik alleine für sich sehr gut funktionieren, aber im Kontext ihres Songs, teilweise störend wirken. Dies fällt vor allem in den Übergängen im siebten Song The Gravity Paradox oder dem Song CC Chain auf.

Der Weg zur interessantesten Band der Szene?

Abschließend lässt sich feststellen, dass FLAT EARTH SOCIETY das Rad definitiv nicht neu erfunden habe aber dennoch ein solides erstes Album abgeliefert haben, welches noch einige kleine produktionstechnische Makel aufweist. Trotz der brachialen Aggressivität und der Harmonie zwischen den Instrumenten wirkt die Musik etwas überladen. Die Jungs haben zwar Experimente und Synthesen innerhalb der Musik angekündigt, aber eventuell wäre hier etwas weniger auch gleich mehr gewesen. Dennoch bin ich sehr gespannt was wir von FLAT EARTH SOCIETY noch erwarten können und ob sie ihr Ziel „die interessanteste Band der Szene zu werden“ noch umsetzten werden. Denn eines steht außer Frage,“Friends Are Temporary, Ego Is Forever“ ist definitiv kein 0815 Album und die Band hat das musikalische Potenzial, welches nun weiter ausgeschöpft werden muss.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Niklas Radke (23.05.2020)

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