SABIENDAS - Repulsive Transgression

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VÖ: 22.05.2020
Bandinfo: SABIENDAS
Genre: Death Metal
Label: Massacre Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Sapperlot - da wäre uns nun fast auf den letzten Drücker noch ein dicker Fisch durch's Netz geschwommen! Ich glaube, wenn wir diesen kapitalen Prachtkarpfen nicht noch schnell an Bord gezogen hätten, hätte er uns womöglich noch das Fanggerät entwendet und obendrein das Fischerboot samt seines stämmigen Promo-Steuermanns zum Kentern gebracht. Die Rede ist hier natürlich nicht vom prächtig beschuppten Trophäenkönig des Recklinghäuser Mollbeckteichs [Anm. d. tierliebenden Verf.: den man wohlgemerkt, sofern man ihn überhaupt einfängt, bitte wieder unbeschadet aussetzen möge], sondern von den ortsansässigen Death Metallern SABIENDAS, die mit ihrem dritten Langspieler "Repulsive Transgression" dem Namen ihres Labels Massacre Records alle Ehre machen.

Nun gibt es bekanntermaßen Genrevertreter wie Sand am Meer - und auch über die durchschnittliche Qualität zahlreicher Releases kann man sich mitnichten beschweren. Was also macht dieses Werk so besonders, dass der Verfasser sich nach zwei Durchgängen zu einer spontanen Lobpreisung mit Fischbezügen hinreißen lässt? Fangen wir mal an bei dem genialen Sound, der neben einer sechssaitigen Fleischfräse in besonderer Weise mit Tiefe und Klarheit überzeugt, ohne dabei einen Funken Vitalität einzubüßen. Es gibt viele gute Produktionen, doch bleibt es neben dem reinen Soundengineering eine weitere Kür, damit auch ein Klangkonzept zu schaffen, das Charakter und Eigenständigkeit mit sich bringt - und eben diese beiden Attribute vereint das vorliegende Werk ohne Kompromisse. Dass man das Mixing und Mastering hier gleich in eigener Hand belassen hat und Drummer Toni Merkel - by the way der neue Drummer bei SODOM - an die Regler gesetzt hat, zahlt sich hier unstreitbar aus.

Zudem punktet "Repulsive Transgression" mit einem schmissigen Riffing, das neben standesgemäßem Death-Gebolze gerne mal dominante und verspielte Leadgitarren einstreut und damit einen weiteren Aufhänger für ein charakteristisches Klangbild bietet. Songwriterisch gibt es vom ersten bis zum letzten Song gute Qualität zu bestaunen. Der Titel "Served Cold" mag zwar in Anbetracht der heißblütigen KRISIUN-Blast-Grillparty deplatziert wirken oder womöglich noch auf die zur Feier servierten Getränke abheben, doch ist dieser Seitenhieb aus offensichtlichen Gründen wenig ernst zu nehmen. Und während viele Langspieler spätestens auf der B-Seite ins Straucheln geraten, beweist das Testobjekt mit dem Triumvirat aus "Zombified" (Anspieltipp!), "Divine Manhunt", und "Dungeon Keeper" bis zum Schluss einen langen Atem.

Textlich behandelt man neben klassischen Horrorthemen ("The Human Centipede", vgl. der quasi gleichlautende Horrorstreifen) vorzugsweise reale Themen wie das 24-jährige Martyrium der Tochter Josef Fritzls ("Dungeon Keeper"). Die Band präsentiert dabei gut geschriebene Texte, die zugleich einfach zu verstehen sind und deutliche Worte finden. Und weil sie in dieser Hinsicht merklich distanzierter und anklagender zu Werke gehen als ihrerzeit die Berliner Pyro-Provokanten, sichern sie sich auch an der Schreiberfront einen Pluspunkt.

Aufpassen lohnt sich also! Neben dem Black Metal produziert der Death Metal schließlich nach wie vor die größten Heuhaufen, in denen man auch einen so gemächtigen Zimmermannsnagel wie "Repulsive Transgression" leicht übersieht. Und nachdem wir vorstehend einen kleinen musikkritischen Kriterienkatalog durchgeklappert haben, findet sich auch bei genauer Betrachtung kein nennenswerter Kritikpunkt. Diesen gewaltigen Death-Knüppel sollte man kennen, denn wer sich hier in der falschen Ecke des Heuhaufens vergnügt, verpasst was!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (23.05.2020)

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