DENNIS DEYOUNG - 26 EAST: Volume 1

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VÖ: 22.05.2020
Bandinfo: DENNIS DEYOUNG
Genre: Rock
Label: Frontiers Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Seit über zwanzig Jahren ist DENNIS DEYOUNG nunmehr nicht mehr bei STYX im Line-Up und bis heute streiten sich die Puristen darüber, ob das nun noch STYX sind oder nicht. Ich sehe das mit gemischten Gefühlen. Einerseits ist die Stimme von DENNIS DEYOUNG absolut einzigartig und charakteristisch, andererseits sind die "neuen" STYX mit LAWRENCE GOWAN auch nicht von schlechten Eltern und mit TOMMY SHAW und JAMES YOUNG ja auch weiterhin Keyplayers mit am Start. DENNIS DEYOUNG ist in den USA noch immer schwer auf Achse und natürlich wollen die Leute da die STYX-Songs hören, so gab es die letzten Jahre weitestgehend nur Live-Releases, auf denen dem Werk seiner ehemaligen Stammband gehuldigt wurde. Mit JIMMY LEAHEY an der Klampfe ist hierbei zudem auch noch ein stimmlicher und optischer TOMMY SHAW-Klon mit dabei, der wohl das STYX-Liveerlebnis bekräftigen soll. Leider sah man DENNIS DEYOUNG nie mehr auf europäischen Bühnen.

Das letzte "echte" Solo-Album von DENNIS DEYOUNG liegt nunmehr auch schon elf Jahre zurück. "100 Years From Now" hatte zwar seine Momente, war mir aber dann doch etwas zu balladenlastig. Bekanntlich lebt der Meister ja oftmals seine Vorliebe für Musicals und Broadway aus, was in der Vergangenheit ja auch mit ein Grund für die Meinungsverschiedenheiten bei STYX war, deren weitere Mitglieder eher für eine rockigere Richtung statt auf Musical-Bombast aus waren.

Auf "26 East: Vol. 1" wird klar den klassischen STYX Tribut gezollt. Das fängt schon beim Artwork/Logo an, welches klar beeinflusst ist von den alten STYX-Scheiben. Und auch musikalisch meint man, zurückversetzt zu werden in die gute alte Pomp-Rock-Zeit, zu der STYX als die amerikanische Antwort auf QUEEN galten.

Nach der Vorabauskopplung "To The Good Old Days", ein Duett mit JULIAN LENNON, hatte ich schon die Befürchtung, dass die neue Scheibe eine reine Balladenangelegenheit werden würde, was glücklicherweise aber nicht der Fall ist.

"East Of Midnight" ist STYX in Reinkultur, Chöre & Pomp wohin man blickt und hört, garniert mit einer fabelhaften Melodie inklusive Ohrwurmchorus. Fantastisch. Und auch beim nachfolgenden "With All Due Respect" dominieren die flotten, rockigeren Töne. Die Lyrics über "Fake News" und Co. (die wohl auch auf den derzeitigen US-Präsidenten abzielen) mit den Textzeiten "With All Due Respect - You Are An Asshole" haben zwar etwas den Touch von "alter Mann sitzt auf der Parkbank und schimpft vor sich hin", aber dass DEYOUNG einen etwas schrägen Humor hat, weiß man, wenn man ihn auf seinen Social-Media-Kanälen verfolgt.

                 

Stimmlich ist es kaum zu glauben, dass DENNIS bereits 73 Lenze zählt, er hat wirklich nichts von seiner faszinierenden Stimme verloren. Ebenfalls positiv schlägt sich nieder, dass JIM PETERIK bei fünf Songs als Co-Autor aufgeführt ist, was den AOR-Anteil der Songs noch mal einen Extra-Kick verpasst.  Die bereits genannten Eingangs-Nummern stammen auch aus seiner Feder. "A Kindom Ablaze" erinnert mit seinem synthetischen Beat etwas an die eher ungeliebte "Mr. Roboto"-Zeiten, die meines Erachtens in der Discographie zu schlecht wegkommen. Ebenfalls ein guter Song, diesmal alleine aus der Feder des Hauptprotagonisten. Sehr stark dabei auch der - nicht kitschige - Kinderchor dieses Tracks.

Mit "You My Love" ist dann endlich(?) Balladen-Zeit angesagt. Bekanntlich schrammt der Gute da ja öfter mal an der Kitschgrenze vorbei, hier bekommt er aber gerade noch die Kurve. "Run For The Roses" setzt den ruhigen Kurs fort, hat aber eine eher klassisch-symphonische Ausrichtung. Klar erkennbar auch hier die Beteiligung von JIM PETERIK.

"Damn That Dream" ist eine weitere Co-Produktion der beiden Melodicrock-Helden, eine flottere Nummer mit QUEEN-Gitarren, die jedem Fan dieser Richtung die Freudentränen ins Auge treiben. Einer der besten Songs der Scheibe.

"Unbroken" ist eine AOR-Hymne erster Güte, auch hier hatte JIM PETERIK unverkennbar seine Finger im Spiel. Klassischer AOR, der früher die Hitlisten im Galopp erklommen hätte.

"The Promise Of This Land" beginnt sehr ruhig, der Maestro erklimmt nochmals mühelos höchste stimmliche Höhen, ehe der Song sich zu einer geilen Rock-Nummer mit leichten Musical-Einflüssen entwickelt, die auf jeder klassischen STYX-Scheibe gut aufgehoben wäre.

Mit dem bereits genannten "To The Good Old Days" wird mir dann der Zuckergehalt doch etwas zu hoch, auch wenn der Text einen augenzwinkernden melancholischen Lebens-Rückblick darstellt. Ein bisschen zu viel Zucker-Glasur

                   

Mit A.D. 2020 wird dann als Outro auch noch "A.D. 1928" vom "Paradise Theater"-Album zitiert.

"26 East: Vol 1" ist ein äußerst gelungenes Album geworden, was ich in der Güteklasse so nicht erwartet hätte. Es klingt beinahe mehr nach STYX als deren letztes Studioalbum, was wohl hauptsächlich auf den genialen Gesang von DENNIS DEYOUNG zurückzuführen ist. Es heißt nicht umsonst "It's The Singer Not The Song" (was zwar nicht immer stimmt, in vorliegendem Fall ist aber durchaus etwas dran!). Man hört ja von DENNIS öfters einmal, dass er gerne noch eine letzte Tour mit STYX durchziehen wollte. Ich wage mal zu bezweifeln, dass das klappen wird, da sind die Animositäten unter den Beteiligten dann doch zu groß. Solange jedoch solche Werke wie Vorliegendes dabei als "Entschädigung" herausspringen, kann man auch nicht gerade klagen. Teil zwei der Scheibe ist für Ende des Jahres angekündigt. Man darf gespannt sein.

  

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Martin Weckwerth (28.05.2020)

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