NINTH CIRCLE - Echo Black

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VÖ: 26.06.2020
Bandinfo: NINTH CIRCLE
Genre: Power Metal
Label: Pure Underground Records
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Lineup  |  Trackliste

Leute, wir müssen jetzt wirklich mal reden.

„Wer ein melodisches Metal-Album sucht, das weit aus dem Einheitsbrei herausragt, der ist bei NINTH CIRCLE richtig! Die Produktion passt natürlich auch! Was will man mehr? Reinhören! Der "Wow"-Faktor kommt dann sofort! Anspieltipp? Album einlegen und es geht sofort so los, wie es sein soll!“

Wenn ich dergestalt überschwängliche Promotexte zu  Lesen bekomme, erwarte ich durchaus schon ein Album von angehendem Klassikerformat, nicht einen Zusammenklau aus allem Brauchbaren, was US- und Euro-Powermetal, NWoBHM, Hair- und Glam Metal so hergibt, auf Low Budget und mit dem Ideenreichtum von drei Meter Feldweg. Vielleicht mit Pferdedung, Affenhaaren und einer ordentlichen Prise Backpulver im liebevoll gerollten Dübel, könnte man in NINTH CIRCLE die größte musikalische Offenbarung seit IRON MAIDEN sehen – ich persönlich würde aber den bewusstseinserweiternden Substanzen lieber fernbleiben, bevor ich aus Versehen die Garagentruppe aus Hintertupfing in den Rock-Olymp hebe. Schon klar, das Zeug muss auch irgendwie an den Mann gebracht werden, aber wenn Promotext und Album SO weit auseinander liegen, dann beginne ich höchstkörperliche Schmerzen zu erleiden. Eine ganze Stunde lang nämlich, so lange dauert das vorliegende „Echo Black“ von NINTH CIRCLE, die drüben überm großen Teich als Trio recht motiviert musizieren, aber bis auf ein cooles Albumcover nicht wirklich begeistern können.

Dabei klingt „Echo Black“ gar nicht soooo schlecht, wie die zugegebenermaßen etwas ausufernde Einleitung vermuten lassen würde – das Ganze ist ganz ok, wenn auch etwas dumpf produziert (man könnte auch sagen „oldschool“) und die Herren können ihre Instrumente auch zweifelsfrei gut bedienen – nur am Songwriting hapert es noch immer ein wenig. Gefühlt 90% der Songs erwecken den Eindruck als hätte man sie in der einen oder anderen Form schon einmal wo gehört (nur besser) – die Challenge, wie viele 80's Riffs man eigentlich auf einem einzelnen Album durchs Dorf treiben kann, meistern NINTH CIRCLE jedenfalls mit Bravour.

Von MAIDENesken Anflügen im überlangen Titeltrack über bis zum Erbrechen ausgelutschten Hairspray-Sound („Tokyo Nights“) bis hin zur hundertsten Variante eines Baukasten-AOR-Schmachtfetzens („Then & There“) lassen die Amis wirklich nichts aus. Dabei versuchen sie sowohl den Stimmumfang ihres Sängers ins rechte Licht zu rücken – was in „Echo Black“, in dem bisweilen an den Tönen vorbeigesungen wird, grandios schiefgeht – als auch durch die Ausdehnung auf quälende sechseinhalb Minuten Atmosphäre zu kreieren.

Zumindest ein Händchen für Gitarrenharmonien haben NINTH CIRCLE und auch die ein oder andere gute Gesangslinie (der Pre-Chorus in „Forever More“ geht gut ins Ohr) ist mit an Bord, aber zum größten Teil können sich die Songs weder wirklich festsetzen, noch mit irgendwelchen großartig interessanten Passagen glänzen. Auch der Versuch mit abgespeckteren Sounds zu arbeiten funktioniert weder in Akustik-Parts noch in Verbindung mit unsäglichem Bontempi-Keyboard im Hintergrund, wie in „Shadow Of Giants“. Weder gesangliche Ausflüge in Eunuchen-Höhen („Return Of The King“) noch spontan und zusammenhanglos mitten im Song aufpoppender Applaus (zu entdecken in „Riding The Storm“) können Akzente setzen. Die Quoten-Interlude „Natural High“ soll dann vermutlich so etwas wie ein Outro darstellen, nach dem es noch einen Bonus-Titel, sowie einen weiteren Song gibt, um die angepeilte Spielzeit zu füllen.

Wirklich viel besser als der Vorgänger „Legions Of The Brave“ ist „Echo Black“ auch nicht. Zumindest bleibt man über weite Strecken von allzu enervierenden Nostalgie-Keyboard-Teppichen verschont, der Einfallsreichtum hinsichtlich Songwriting ist aber nicht wirklich besser geworden. Es ist halt bestenfalls Durchschnitt, was NINTH CIRCLE hier abliefern – auch die musikalischen Gäste reißen es nicht mehr raus.



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (20.06.2020)

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