IMPIETY - Versus All Gods

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VÖ: 29.05.2020
Bandinfo: IMPIETY
Genre: Black / Death Metal
Label: Evil Dead Production
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits  |  Trivia

Dass die aus Singapur stammende Band IMPIETY alleine in unserer Redaktion eine stattliche Liste von Reviews aufweist, könnte andeuten, dass das Anhören ihrer Werke keine vergebene Liebesmühe darstellen würde. Mit ihrer drei Dekaden überdauernden Historie haben die Herren um Bandchef Shyaithan inzwischen einiges auf dem Kerbholz. Und wenn auch nicht alle Alben ihres üppigen Backkataloges in den Himmel (oder die Hölle) gelobt wurden, so scheint ihnen mit dem nunmehr neunten Opus "Versus All Gods" wieder ein ordentliches Brett gelungen zu sein.

Es fängt damit an, dass es die Truppe schafft, Genre-Erwartungen zu erfüllen, ohne einen Moment lang beliebig zu werden und bspw. in brotloses Skandinavier-Worshipping zu verfallen. Vielmehr überzeugen IMPIETY mit einer Auswahl gut durchdachter und detailverliebter Songs, die nebenbei so brutal wie eingängig sind. Wann immer sich der Ansatz von Eintönigkeit anbahnt, wird die drohende Monotonie durch treffsichere Wechsel der Riffs oder Beats oder Feinheiten wie Soli, Tappings und Flageoletts gebrochen. Die eingesetzten Stilmittel kommen in beinahe progressiver Ausprägung zum Vorschein und stellen auch in technisch-kompositorischer Hinsicht eine Klasse für sich dar. Keine 08/15-Beats, kein langweiliges Tremolo-Geschrubbe - hier wirkt nichts wie abgekupfert oder von der Stange gespielt.

Doch gute Songs schreiben ist die eine Sache. Mit einer Komposition derart hart einen Nerv zu kitzeln, dass man sich am liebsten die Morgensterne in die lange Haarpracht flechten und das naheliegende Neubaugebiet plätten würde - das verdient hingegen Respekt [Anm. d. Interviewmanagements: der Verfasser sollte wirklich weniger "Super Mario Odyssey" zocken]. Und das Tolle daran ist, dass es kaum eine Rolle spielt, welche Nummer auf "Versus All Gods" man anspielt. Bis auf das auffällig thrashlastige "Azazel" und das von Henriette Bordviks Gaststimme gepimpte "Interstellar Deathfuck" hauen die Songs zwar vorwiegend in dieselbe Kerbe. Aber wenn man es genau nimmt, sind sie unterm Strich alle gleich stark und bolzen auf einem Niveau, das nach 30 Jahren Geschäft zwar plausibel, aber keinesfalls selbstverständlich ist. Der mehr als anständige Sound, für den die langjährigen VADER-Produzenten Sławek und Wojtek Wiesławski verantwortlich zeichnen, gibt der Sache den letzten Schliff.

Wenn man überhaupt etwas zu meckern sucht, dann wäre es wohl der unflätig durch das Interlude "Inviktus Satanikus" unterbrochene Flow. Denn wenn man sich schon im vollendeten Adrenalinrausch "Barbarian Black Horde" auf die Fahne schreibt und schäumend und gurgelnd durch die Gegend marodiert, verpasst einem besagtes Instrumentalstück zwischendurch einen abrupten Dämpfer. Ist aber andererseits kaum der Rede wert.

"The gods made heavy metal and they saw that it was good" - so hieß es einst im fast gleichnamigen Song MANOWARs. Doch wenn die alten (Metal-)Götter gewusst hätten, welche Geister sie mit ihrem leichtsinnigen Züngeln mit dem Deibel heraufbeschwören würden, hätten sie sich die Sache vielleicht nochmal überlegt. Wer aber nach dem dritten Date mit dem Rothäutigen noch auf einen diabolischen Bohnenextrakt mit ins Fegefeuer steigt, der darf sich nicht wundern, wenn anschließend die Büchse der Pandora offen steht und sich nach Leibeskräften aus den Untiefen der Hölle auskotzt. Da bleibt am Ende nur noch eins: Sitten und Anstand schwungvoll über Bord werfen und mitmachen!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (30.05.2020)

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