FRASER EDWARDS - The Architect

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VÖ: 05.06.2020
Bandinfo: FRASER EDWARDS
Genre: Power Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Ursprünglich wollte ich diese Rezension mit dem Statement einleiten, dass Solo-Alben eigentlich überhaupt kein fester Bestandteil meines musikalischen Mikrokosmos seien, doch dann stellte ich relativ zeitnah fest, dass beispielsweise mehr als die gefühlte Hälfte meiner heimischen Black-Metal-Kollektion im Prinzip von Soloprojekten stammt und musste ob der beinahen Dreistigkeit dieser geplanten öffentlichen Aussage schmunzeln. Nein, worauf ich damit eigentlich hinaus wollte, sind diese virtuosen Shred-Künstler, die mit ihrer Griffbretthexerei Generationen von Gitarristen gebaren und weiterhin gebären werden, was mein betont ketzerischer Geschmack einfach nie so richtig zu verarbeiten wusste. Bei mir hat es - Achtung: Selbstironie - immer nur zu DRAGONFORCE gereicht, aber damit wären wir auch schon bei der perfekten Überleitung bzw. Erklärung dafür, warum ich meine Regeln ausgerechnet für den Schotten Fraser Edwards und seine Band brach: "Stop Saying We Sound Like Dragonforce". Genau mein Humor eben - und zugleich eine liebenswerte Hommage an besagte Briten, wenn man es denn so interpretieren will. Ja, genau diesen Song mit genau diesem Titel gibt es tatsächlich - er lässt sich auf FRASER EDWARDS' Zweitwerk "The Architect" finden, das in Eigenproduktion entstanden ist und dieser Tage erscheinen wird.

Damit und "Crouching Comrades, Hidden Dragonforce", das Gefrickel und russische Klangfolklore vereint, ist der Spaß allerdings auch relativ schnell auserzählt, das Meme durchgenudelt und alles nimmt seinen gewohnten (oder erwarteten?) Lauf: Der einleitende Titeltrack sonnt sich in einem fünfminütigen Solo zwischen Neoklassik und moderner Virtuosität. Darauf wiederum folgen einige einerseits zwar einigermaßen spaßige, andererseits aber auch weitestgehend beliebige, poppige Power-Metal-Tracks ("Warzone", "The Death Zone" und "The World Can Be Ours" z.B.), die nicht nur gängige Genre-, sondern auch Nerd-Klischees bedienen. Habe ich schon die Balladen erwähnt? Die dürfen natürlich auch nicht fehlen, als fassen sich zwischenzeitlich "Among The Stars" und "Your Song" ein Herz. Eine positivere Erscheinung darunter dürfte "Dio Volendo Lo Faro", das in mir krude Assoziationen zu SOILWORK, RHAPSODY (OF FIRE) und TENACIOUS D weckt, sein, doch lässt sich auch damit nicht verheimlichen, dass "The Architect", technische Brillanz hin oder her, ein relativ durchschnittlich unterhaltsames Zweitwerk ist, das viel zu sehr darauf zu achten scheint, möglichst viele Häkchen auf der To-Do-Checkliste für angehende, moderne Power-Metal-Bands, zu platzieren und dadurch nicht nur wahllos zusammengewürfelt, sondern meist auch relativ oberflächlich klingt. Oder, um es frei nach dem Albumtitel zu veranschaulichen: Der selbsternannte Architekt skizziert hier leider viel zu oft Baupläne kalter Betonsiedlungen, von einladenden Palästen und imposanten Schlossgärten fehlt jegliche Spur. 



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (03.06.2020)

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