VOYAGER - Ghost Mile (Re-Release)

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VÖ: 10.07.2020
Bandinfo: VOYAGER
Genre: Progressive Melodic Metal
Label: Season of Mist
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Lineup  |  Trackliste

Den Original-Release von "Ghost Mile" 2017 haben wir verpasst, jetzt kommt der Re-Release auf Vinyl und den werden wir uns jetzt anschauen. Perths Finest, VOYAGER, haben mit "Ghost Mile" ihr sechstes Album veröffentlicht und waren nach "The Meaning Of I" und "V" eigentlich auf dem steilen Weg nach oben. Da das letzte, noch immer aktuelle "Colours In The Sun" bei mir ziemlich durchfiel, war ich gespannt, als ich hörte, dass das vorletzte Album "Ghost Mile" einen Re-Release bekommt. Gespannt ob der Abstieg hin zu "Colours In The Sun" bei "Ghost Mile" schon zu erspüren war, oder ob man damals noch mit dem ihnen eigenen Prog-Metal reüssieren konnte.

Die kurze Antwort, so tragisch wie offensichtlich: Nein!. Die Band, die mit "The Meaning Of I" einen Klassiker des völlig eigenständigen Mainstream-Prog-Metals erschafft hat, ist ihrer Ideen verlustig gegangen. Und zwar völlig. 

Ihr seht mich hier bass erstaunt. Es sind noch alle Zutaten da. Die poppige, aber schöne Stimme von Daniel Estrin, das verspielte Schlagzeugspiel, die Mitte-80er-Synthies und die djentigen Gitarren. 

Aber die Songs an sich sind mit Ausnahme des Openers "Ascension" und dem härteren "Disconnected" beinahe durchgehend von einer Langeweile beseelt, welche ihresgleichen sucht. Ein Lied wie "Lifeline" birgt in etwa die Spannung in sich, die man beim Betrachten des Wachsens einer Thujenhecke empfindet, bei dem Milcheinkauf im lokalen Supermarkt [Anm. d. Lekt: Natürlich nur, sofern nicht gerade Pandemie herrscht und die Nagetiere vergriffen sind...] oder dem Betrachten meines Bonsais beim Wachsen. Wo ist die Dynamik hin, die einst allein die Instrumentalsektion evoziert hat? Wo die gnadenlosen, riesigen Gesangslinien? Wo die Ideen, die Freude, die viele Songs ausströmten.

Zwei Drittel der Songs kommen mit einem beliebigen Synthieintro daher, einige dann mit etwas Gesang darüber. Manchmal erfreut man sich an den djentigen Passagen, aber auch die sind nur mehr Makkulatur im Vergleich zu früher. Wo sind die Hooks, Buben und Mädel, wo?

Wie manche Mags diesem Album die vollen Punkte geben können kann ich nur auf Substanzabusus zurückführen. Das Album ist kein "Grower", kein kleines-feines Prog-Meisterstück oder ein neuer Hammer aus Down Under, sondern eines der beliebigsten Stücke Musik, das ich seit langem hören musste. Dazu passt auch der in Reverb beinahe ertrinkende Sound, der das Klangbild nur mehr undifferenziert macht. Nö, lass ma...

Kinder, schaut euch Farbe beim Trocknen an. Das ist spannender.

 

 



Bewertung: 2.0 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (07.07.2020)

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