AVERSIONS CROWN - Hell Will Come For Us All

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VÖ: 12.06.2020
Bandinfo: AVERSIONS CROWN
Genre: Deathcore
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

Eigentlich hatte ich mir zum Albumtitel "Hell Will Come For Us All" mal wieder einen ellenlangen und herzerwärmenden Brand-Monolog über die Verfehlungen der Menschheit, die immer weitläufiger und nachdrücklicher um sich greifende Rückständigkeit sowie die fast schon lüsterne Gier nach Selbstzerstörung ausgedacht, doch eigentlich künden Nachrichtensender und -blätter aus aller Welt bereits so hochfrequent und (manchmal) leider ebenso hysterisch davon, dass man kaum noch umhin kommt, sich auf die eine oder andere Weise mit dem Zeitgeschehen auseinanderzusetzen. Nichtsdestotrotz lässt sich aus genau diesem Stoff auch eine Brücke zum Viertwerk von AVERSIONS CROWN bauen, denn die Australier, die erneut einen Sängerwechsel vollziehen mussten und zwischenzeitlich zum Quartett geschrumpft sind, orientieren sich hierauf thematisch betrachtet nur noch beiläufig oder metaphorisch an kosmischen Inhalten und legen, wie u.A. THY ART IS MURDER und FIT FOR AN AUTOPSY, ihren brandmarkenden Fokus stattdessen auf reale Narrative.

Ebenjene Bands sind gleichzeitig auch die ideale Überleitung zu einem nahezu quälenden Kritikpunkt, der mich seit dem Erstkontakt begleitet. Um es so verharmlosend wie nur möglich zu formulieren: Die stilistische Annäherung an besagte Interpreten. Tatsächlich hinterlässt "Hell Will Come For Us All" auch positive Gedankengänge; vorzugsweise dann, wenn sie gewohnt technisch preschen ("Paradigm" und "Hymn Of Annihilation" z.B.). Oder aufgrund der reduzierten Spielzeit und dem u.A. daraus resultierenden Spannungsbogen, der ihnen im Vergleich zum gegen Ende doch arg überladenen "Xenocide" wirklich gut gelungen ist. Doch ungeachtet dessen schaltet sich pausenlos das Gehirn dazwischen und fragt die eigenen Speicherstände offensichtlich verwirrt danach ab, ob es sich hier um ein bisher unveröffentlichtes Split-Release mit Restmaterial der Genre-Regenten handelt und dieses dementsprechend im Archiv einpflegen soll. Und das liegt - natürlich - auch an Tyler Miller, der Mark Poida am Mikrofon ersetzen soll und dabei weder dessen wahnwitzige Range erreicht noch einen besonders eigenständigen Stimmcharakter entfalten kann.

Selbstverständlich könnte man das in einem alternativen Logikstrang auch als tosendes Lob verstehen, doch AVERSIONS CROWN geht nicht nur die wuchtige Brachialität von THY ART IS MURDER, sondern auch die atmosphärische Intensität, die FIT FOR AN AUTOPSY zuletzt via "The Sea Of Tragic Beasts" an ihren Hörern anlegten, ab. So ist "Hell Will Come For Us All" letztlich ein Album, welches denjenigen gefallen dürfte, die so sehr nach neuem Songmaterial ihrer Idole lechzen, dass sie zur Not auch auf ein zwar unterhaltsames, aber weitestgehend doch auch relativ gesichtsloses Downgrade zurückgreifen würden. Alle anderen werden sich zu Recht fragen, mit welchen Hintergedanken diese höchst zweifelhafte "Weiterentwicklung", wie sie in solchen Fällen gerne von den Fanboys und -girls dieser Welt heruntergebetet wird, vollzogen wurde. Bitte missversteht mich richtig: Ich fordere hier keine Revolution des Genres ein, zumal das ohnehin nie die Intention der Band war. Und es freut mich auch, dass diverse Künstler der (Death-)Coreszene miteinander cool sind und sich gegenseitig feiern, aber wenn dann auch noch Will Putney an den Reglern saß und einen so gut wie identischen Sound implementiert hat, muss man die Eigenständigkeit, die AVERSIONS CROWN zuvor innewohnte, wirklich mit dem Teleskop suchen, weil sie sich irgendwo in der Unendlichkeit in tausende Partikel aufgelöst hat.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (08.06.2020)

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