GREYHAWK - Keepers Of The Flame

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VÖ: 16.06.2020
Bandinfo: GREYHAWK
Genre: True Metal
Label: Fighter Records
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Lineup  |  Trackliste

GREYHAWK aus den USA sind eine Band, die ähnlich fett die Metal-Klischee-Tube ausdrückt wie einst MANOWAR oder HAMMERFALL. Und zwar dermaßen penetrant, dass sich wohl viele Metal-Fans direkt abwenden werden – was aber ein Fehler wäre: Denn die Musik kann durchaus was, man kann der Truppe daher ruhig mal eine Chance geben, vor allem wenn man sonst auf Bands wie die bereits genannten sowie JUDAS PRIEST, VISIGOTH, MANNILA ROAD oder OMEN steht. Soll heißen: Etwas rumpeliger Sound, sehr oldschool in den Arrangements und bei der Instrumentierung. Mal temporeicher, mal epischer, mal rockiger. Und der Gesang hat etwas Kauziges. GREYHAWK sind zwar cheesy und „true“ ohne Ende, aber haben dennoch einen gewissen Charme. Man höre dazu den Song „Don´t Wait For The Wizard“, der einfach ein starker, ohrwürmiger Classic-Metal-Song ist. Wenn man wie beim grenzdebilen Album-Cover, wofür tief in die Mottenkiste der Metal-Stereotype gegriffen wurde, hinsichtlich der Texte beide Augen zudrückt oder True Metal vielleicht einfach auch so gut findet, dann kann und wird man auch mit dem Rest des Albums Spaß haben.

Zunächst noch der Hinweis, dass es sich hierbei um ein Debüt handelt: Die Musiker von GREYHAWK haben vorher zwar schon in ein paar Underground-Bands gezockt, sind aber nicht wirklich bekannt. Im Oktober 2018 veröffentlichten sie mit der EP „Ride Out“ ein erstes Lebenszeichen und legen nun mit ihrem Debütalbum „Keepers Of The Flame“ nach. Dementsprechend darf man den Jungs auch noch Entwicklungspotenzial zusprechen.

Und Potenzial haben die Jungs. Das zeigt sich beim flotten „Frozen Star“, das als gelungene Mischung aus epischen Storytelling-Strophen und speed-metal-artigen Abgehphasen punkten kann. Sollte man aber öfter hören, da er mit ein paar Durchläufen besser wird. Nach dem kurzen Intro „Gates Of Time“, das tief aus den 80ern zu stammen scheint und mit sphärischen Keyboards Spannung aufbaut, ein guter Einstieg. Rasant geht’s mit „Drop The Hammer“ weiter. Auch hier offenbart Sänger Rev Taylor, dass er sowohl hohe Screams beherrscht als auch mit seiner Intonierung den Tracks einen eigenen Charakter verleihen kann. Und das, obwohl die Produktion dem Gesang kein Stück hilft und man sicher noch einiges mehr rausholen könnte, damit der Gesang druckvoller, voluminöser rüber kommt. So ist er halt sehr, sehr roh. Der Song an sich hat fetzige Gitarren, die zwar nicht den Kinnladen runterklappen lassen, aber dennoch überdurchschnittlich sind. Die Melodie und der Aufbau des Tracks sind okay, mehr aber nicht.

„Hails Of Insanity“ fängt etwas ruhiger, rockiger an, mit lässigem Gitarrenspiel. Wieder passt instrumental alles, alles macht Sinn, der Song braucht aber erneut ein paar Durchläufe, um zu überzeugen. Was nicht negativ sein muss. Hat richtig gute Momente, allein der Refrain hilft dem Song nicht. Bei „The Rising Sun“ zeigt Sänger Taylor seine Stimmvarianz: Plötzlich klingt er sehr nach Gothic der Marke SISTERS OF MERCY oder TYPE OF NEGATIVE. Dann schwingt er aber zum Refrain wieder zum Classic-Metal-Sänger und von der vorherigen Schwülstigkeit ist nichts mehr da. Dieser Wechsel kommt noch mal, wobei es durchaus eine sinnergebende Steigerung von der ruhigen Schwülstigkeit zum kraftvoll gesungenen Refrain gibt. So richtig passen will die anfängliche Schwülstigkeit aber nicht zu dem Rest des Albums. Schade eigentlich, denn der Song steigert sich schon gegen Ende immer mehr und hat damit eine mehr als gelungene, mitreißende Dynamik. Zumindest der Fuß sollte mitwippen.     

Das Instrumental „R.X.R.O.“ ist leider überflüssig wie ein Kropf. Glücklicherweise kommt dann mit „Don´t Wait For The Wizard“ der stärkste Song, aufgrund des Gesangs ein Hit mit kauziger Note. „Black Peak“ beginnt mit Mid-Tempo und so als hätten die Herren alle Zeit der Welt, um ihre Geschichten zu erzählen. Bis es dann zur Mitte des Songs mehrere Gitarrensoli gibt, ein Break und schließlich ein eruptiver Scream, der das rasante Loop-Ende einläutet – kann man so machen. Wenn auch eine richtig catchy Melodie fehlt. „Masters Of The Sky“ (wieder so ein „einfallsreicher“ Titel) versprüht zwar ein paar positive Metal-Vibes, wirkt aber sehr austauschbar. „Ophidian Throne“ startet mit knackigen Gitarren und diesem Gothic-mäßigen Gesang, der in der vorderen Albumhälfte bereits ein Mal zum Einsatz kam und wieder etwas fehl am Platz wirkt. Auch dieser Track kann einen nicht vom Hocker reißen. Bevor sich Enttäuschung wegen des Schwächelns gegen Ende des Albums breit macht, ziehen GREYHAWK die Qualität aber nochmal kräftig nach oben mit dem Titeltrack. Schön episch und stimmungsvoll. Musik und Texte gehen hier Hand in Hand. Und die Temposteigerung gegen Ende kann was.

Unterm Strich gibt’s deutlich mehr Positives auf „Keepers Of The Flame“ als die paar Songs, die austauschbar wirken und Momente, die fehl am Platz wirken (wie der Gothic-Gesang bei „Rising Sun“). Mit einem besseren Sound würden die Songs noch besser zur Geltung kommen. Die Produktion ist zwar nicht grundfalsch, auch unterstreicht sie sehr glaubhaft das Old-School-Feeling und wirkt daher bei diesen Songs, die auch in den 80ern hätten entstanden sein können, nicht völlig stümperhaft. Das nicht. Aber das Ganze wirkt schon sehr roh und ausbaufähig. Fans von True Metal oder traditionellem Heavy Metal, die keine Probleme mit Metal-Klischees haben, sollten die Band anchecken und vor allem für die Zukunft im Auge behalten. Denn man ahnt an allen Ecken und Enden, dass GREYHAWK noch viel Potenzial haben.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Tobias (11.06.2020)

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