DAUÞUZ - Grubenfall 1727

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VÖ: 26.06.2020
Bandinfo: DAUÞUZ
Genre: Black Metal
Label: Amor Fati Productions
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Lineup  |  Trackliste

Mit dem Begriff "Mining Black Metal" hat sich das deutsche Duo DAUÞUZ eine eigene Nische geschaffen und im historischen Bergbau zugleich eine unkonventionelle Inspirationsquelle für ihre Texte gefunden. Dass sich die Band eines sehr charakteristischen Sounds erfreut, der ihre Lyrics anschaulich in Szene setzt, dürfte inzwischen als gemeinsamer Nenner der meisten Reaktionen auf ihre bisherigen Releases gehandelt werden. Nachdem die auf zwei Bundesländer verteilte Montanunion einen Wechsel von ihrem bisherigen Label Naturmacht Productions zu Amor Fati vollzogen hat, meldet sie sich mit einer neuen EP zurück. "Grubenfall 1727" fördert die Neuaufnahmen zweier älterer Stücke ("Grubenfall 1727", "Kerker der Ewigkeit") sowie einen neuen Song ("Die letzte Fahrt") zu Tage und wird durch die textliche Verbindung der Stücke zu einer Art Konzept-EP. Der Titelsong greift mit dem Einsturz der "Fundgrube Erz-Engel" 1727 einen realen Hintergrund auf, der als Ausgangspunkt für die nachfolgenden Lyrics dient.

Im weiteren Verlauf sinnt der erzählende Protagonist, der den von Gier getriebenen Adel für das Unglück verantwortlich macht, nach Rache und interniert die Fürstin in ein 38 Lachter [ca. 76 Meter] tief gelegenes Verließ in einem Alten Mann [bergmännisch für einen abgebauten Hohlraum], versorgt mit "zehn Laiber[n] ranzig Brot".

"Ihr Geiz war Grenzenlos, zahlte selten unser mager Gedinge
Das Grubenholz war minderwertig, minder wie ihre Seele
Der Stollen brach, nahm meine Söhne und viele Geringe
Darum ist es meine Pflicht, dass ich ihren qualvollen Tod erwähle"

Nachdem "Kerker der Ewigkeit" schon in seiner Urfassung auf "Die Grubenmähre" (2017) mit dem Zusatz "Grubenfall 1727 Teil II" bekannt wurde, wird die Geschichte mit dem 20-minütigen Epos "Die letzte Fahrt" zu Ende erzählt. Im dritten und letzten Teil der Story verschließt der Erzähler das Kupferrohr, das seine Gefangene bis dahin mit Atemluft versorgt hat, macht anschließend sein Tun publik und wird schlussendlich dafür gerichtet. Der grausame Schlussakt, der äußerlich das Scheitern und Verderben des Protagonisten beschreibt, wird auf lyrischer Ebene zu Erlösung und Triumph erhoben:

"Doch mit letzter Kraft, lachte ich dem Pfaffen ins dreckige Gesicht
Der finale Akt, der Hieb der Axt auf meine Glieder
Dunkelheit, mein Freund, umfängt mich endlich wieder
Ich hör des Berges stolze und alte Lieder
Und fort trägt mich der laue Wind"

Mit dem Einfahren des Erzählers in die ewigen Berggründe geht der auf dem Debutalbum "In finstrer Teufe" (2016) begonnene Themenkomplex zu Ende. Fakt und Fiktion gehen fließend ineinander über, das Motiv von Tragödie und Verlust, blutiger Rache und bereitwilligem Heldentod ergeben eine prädestinierte Textkulisse für den Black Metal, seine klangliche Identität und lyrische Brutalität. Mit "Grubenfall 1727" verschmelzen die miteinander verknüpften Fragmente der Vorgängerwerke zu einem zusammenhängenden Kollektiv. Das in der neuen Version ergänzte Akustik-Intro des eröffnenden Titelsongs addiert den passenden Spannungsbogen und lässt den Hörer wie bei der allmorgendlichen Seilfahrt behäbig in die Tiefen des Gebirges hinabgleiten. Die finalen Takte in "Die letzte Fahrt" werden ebenfalls auf der Akustikgitarre gespielt und schließen den Kreis.

Unterm Strich erweist sich die neue EP als weitaus tiefgehender, durchdachter und interessanter, als es auf den ersten flüchtigen Blick den Anschein haben kann. Mit zwei Neuaufnahmen und einem 20-Minüter, über dessen stattliche Länge man freilich diskutieren könnte, begibt man mit etwas Unachtsamkeit und voreiligen Schlüssen schnell auf den Holzweg der Skepsis. Doch DAUÞUZ sind und bleiben Meister der Inszenierung. Sie fesseln, beflügeln die Vorstellungskraft und wecken das Interesse an ihren historischen Inspirationsquellen. Das aktuelle Werk auf seine musikalische Komponente zu reduzieren, würde seinem Anspruch und seiner Güte nicht gerecht, denn ähnlich wie das vorangegangene Album "Monvmentvm" zeigt sich seine wahre Größe erst, wenn man seinen Erzählungen lauscht und sich die Zeit nimmt, es in allen Facetten zu ergründen. Wer sich hier als wahrer Bergmann erweist und etwas harte Plackerei nicht scheut, findet auch in diesem dem Geiste seiner Schöpfer abgerungenen Mini-Epos ein kleines Goldstück.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (24.06.2020)

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