FAIRYLAND - Osyrhianta

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VÖ: 22.05.2020
Bandinfo: FAIRYLAND
Genre: Melodic Metal
Label: Massacre Records
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Lineup  |  Trackliste

Wenn man es mit FAIRYLAND hält, so sollte man einen sehr langen Geduldsfaden sein Eigen nennen, denn geschlagene elf Jahre sind ins Lande gezogen, ehe uns Mastermind Phil Giordana den Nachfolger zu "Score To A New Beginning" präsentieren würde, das 2009 erschien. "Osyrhianta" heißt das gute Stück und vom damaligen Lineup ist nicht mehr so viel übrig. Statt Marco Sandron (PATHOSRAY) und Georg Neuhauser (SERENITY, WARKINGS) besingt uns nun Francesco Cavalieri (WIND ROSE). Vom Konzept abweichen wollte FAIRYLAND dann aber doch nicht und so erzählt uns das neue Album die Vorgeschichte zu Osyrhia. Neben Francesco treffen wir mit Elisa C. Martin ebenfalls eine alte Bekannte, die seinerzeit das Debütalbum "Of Wars In Osyrhia" eingesungen hat

Elf Jahre und doch wieder erkannt!
Stilecht und oldschool startet das Werk natürlich mit einem ausgewogenen Intro, das alles bietet, was das Herz begehrt. Gesprochene Worte lassen uns eintauchen in die Geschichte rund um "Osyrhianta", ehe symphonische Klänge in Begleitung von Percussion das Ruder übernehmen. Das Ganze steigert sich bis zum Ende hin und erzeugt zu Beginn schon eine gute Energie, die vor allem durch epicness getragen wird. "Across The Snow" zieht sofort alle Register und knallt in einer glorreichen Melodie aus den Boxen. Die symphonischen Elemente reißen sofort alles an sich und was anderes habe ich bei FAIRYLAND auch nicht erwartet. Die diversen Tempowechsel gepaart mit wunderbaren Melodien lassen Gänsehaut aufkommen, noch bevor die ersten Vocals ertönen. Francesco ist kein Marco Sandron, gibt sich etwas zurückhaltender und überlässt vor allem dem Instrumentalteil viel Raum, sich zu entfalten. In der Hook beherrscht der Chor das Geschehen und hier würde ich den ersten Kritikpunkt anbringen. Waren die Chöre schon auf "Score To A New Beginning" nicht optimal abgemischt, so ist das hier sogar noch ein Rückschritt davon. Es wirkt vom Soundgerüst her zu gebremst und so fehlt dem Chor die nötige Wucht, einen wirklich bockstarken Opener komplett über die Ziellinie zu tragen. "The Hidden Kingdom Of Eloran" erinnert zu Beginn stark an eine Mischung aus "Assault On The Shore" und "Across The Endless Sea (Part II)". Könnte soundtechnisch natürlich beabsichtigt sein, da wir es hier mit einem Prequel zu tun haben. Ansonsten lässt es sich unter klassischen Stilmitteln von FAIRYLAND verbuchen. Die Strophen zeigen sich relativ aggressiv und variabel, wo Francesco mal etwas mehr glänzen kann, der gerade in den energetischen tieferen Tönen ein absolutes Monstrum ist. Die Hook ist ein wunderbares Zusammenspiel von Francesco und dem Chor (der leider abermals zu schwach abgemischt wirkt). Von der Melodie her bewegen sich die Jungs hier auf Weltklasse-Niveau und präsentieren mit diesem Track mein absolutes Highlight auf der Scheibe. "Eleandra" ist tatsächlich etwas gewöhnungsbedürftig, was meiner bescheidenen Meinung nach daran liegt, dass Elisa C. Martin zeitweise etwas anstrengend klingt. Gerade in der Hook wirken die Töne sehr gedrückt und harmonieren nicht sehr gut mit dem seichten Chor, der hier sicherlich auch stark in die Kitschecke gedrückt wird. Definitiv der schwächste Song der Platte. "Heralds Of The Green Lands" und "Hubris Et Orbis" gleichen das aber locker wieder aus und preschen in relativ klassischer Symphonic Power Metal Manier voran. Ersterer gefällt vor allem wieder dank der starken Vocals von Francesco, der für mich zwar nicht ganz an Marco Sandron rankommt, dem Album dennoch einen wirklich starken Stempel aufdrückt. "Hubris Et Orbis" ist wohl das, was man als die Hitsingle des Albums bezeichnen kann. Einfacher Aufbau und sehr leicht zugänglich für Jedermann. Hier ist es wieder vor allem der Chor, der im Chorus punktet, wobei leider bei absolut jedem Track der Wehrmutstropfen bleibt, dass der Mix hier etwas (sehr) abfällt. Hätte man gerade bei so einem starken Refrain mit präsenten Vocals von Francesco kaschieren können, doch der ist in der Hook schlichtweg nicht zu hören. Absolut hervorzuheben ist noch der grandiose Longtrack "Of Hope And Despair In Osyrhia", der trotz seiner Länge von 12 Minuten NIE langweilig oder zu ausladend wirkt. Hier zeigt Phil Giordana seine ganze Klasse und so reiht sich kompositorisches Highlight an kompositorisches Highlight. Verträumte Melodien werden verdräng von einem Epicness-Faktor over 9000. Der Song ist ein progressives Meisterwerk, das dennoch für den einfachen Zuhörer sehr zugänglich erscheint und das ist die Kunst im Symphonic Power Metal. Haust du zu viele Schnörkelleien rein, wird es anstrengend und unhörbar. Da haben FAIRYLAND die goldene Mitte gefunden und zum Abschluss einen sehr runden Track abgeliefert, der höchstens manchmal Opfer des zu schwachen Mixes wird.

Das Warten hat sich gelohnt!
"Score To A New Beginning" ist für mich selbst nach elf Jahren einer DER Symphonic Power Metal Outputs überhaupt und ich würde ihn wahrscheinlich den meisten Bands als Schablone vorlegen nach dem Motto "SO geht es!". Dementsprechend war es mit der Erwartungshaltung von elf Jahren im Rücken auch enorm schwer, mich vollends vom Hocker zu hauen. Genau dafür muss ich "Osyrhianta" loben, denn es ist ein überdurchschnittlich gutes Album geworden, das in einem eher stagnierenden Genre wieder für Furore sorgt und großen Bands den Schneid abkauft. Beim nächsten Mal bitte mehr Zeit in den Mix des Chors investieren (lauter und kraftvoller) und dann gibt es am Ende vielleicht eine NOCH bessere Benotung!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Sonata (11.06.2020)

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