HAIL SPIRIT NOIR - Eden In Reverse

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VÖ: 19.06.2020
Bandinfo: HAIL SPIRIT NOIR
Genre: Psychedelic Rock
Label: Agonia Records
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Lineup  |  Trackliste

Fabelhafte Flashbacks surren durch das Enzephalon, wenn der Name HAIL SPIRIT NOIR auf dem Flachbildschirm aufleuchtet. Ja, das waren bzw. sind genau die Griechen, die mit "Mayhem In Blue" auf dem Surfbrett durch die skandinavischen Fjorde ritten, anschließend ihr hausgemachtes, bewusstseinserweiterndes Pilzragout im nächstgelegenen Wald verzehrten und kurz darauf, genauer gesagt bei Nacht, extatisch um ein freudig aufloderndes Gotteshaus tanzten, um feierlich die nahende Alien-Invasion zu begehen. Ja, lange ist's her. Besagte Alien-Invasion blieb leider aus und daher muss das neu-formierte Quintett auf "Eden In Reverse", so der programmatische Titel des Viertwerks, weiterhin in psychedelischen Träumen schwelgen; nicht aufgebend den Gedanken daran, dass die kosmische Annexion irgendwann doch noch stattfinden könnte.

Bis dahin müssen sich die allzu sorglosen und schwachen "Darwinian Beasts", mit denen sich Nietzsche philosophisch auseinandersetzte, beim fleißigen Handpan-Trommeln vorsorglich in "Alien Lip Reading" üben und dabei in allerhand sonderbare Soundscapes eintauchen, die den Homo sapiens wohl attraktiver für die übernatürlichen Lebensformen machen sollen. Zugegebenermaßen hatte ich von "Eden In Reverse" etwas Anderes erwartet als ich letztlich bekommen habe, was das Unterfangen natürlich maßgeblich erschwert. Ob lediglich meine verfehlten Erwartungen ihren Anteil daran haben, dass ich mit diesem Werk nicht warm werden kann, sei dahingestellt, denn was mich primär stört, ist die allgegenwärtige Aufgeräumtheit ("Crossroads" z.B. erscheint dadurch äußerst bieder), der weitestgehend fehlende Wahnsinn, der die Vorgänger auszeichnete.

Musikalische Vergleiche mit ORANSSI PAZUZU boten und bieten sich nur bedingt an, doch was HAIL SPIRIT NOIR zuvor noch mit den Finnen als Gemeinsamkeit teilten, die Unvorhersehbarkeit der Komposition, der Wahnsitz, geht "Eden In Reverse" leider gänzlich ab. Stattdessen beginnt "Incense Swirls" brav, erinnert dabei ein bisschen an DISILLUSIONs "Gloria" und stellt gleichzeitig die Weichen für den weiteren Verlauf. Gerne wildert man im Space- oder auch Progressive Rock ("Automata 1980" ist das Musterbeispiel dafür), doch nur selten treten die eigenen Stärken wie in "The First Ape On New Earth", das mit vertrackten Rhythmen und skurriler Psychedelic-Electronica besticht, zum Vorschein. Einerseits kann man das sicherlich als Weiterentwicklung deklarieren, zumal dieses Werk alles andere als schlecht ist und soundtechnisch ebenfalls überzeugen kann, doch andererseits verdudelt man damit auch das zweifelsohne vorhandene Potenzial, von dem bereits die Vorgänger kündeten. Und so segelt man heuer eher mit dem Reisedampfer durch die nahe Ägäis, begnügt sich mit schalem Kantinenfutter und zündet allerhöchstens ein spärliches Teelicht in der überteuerten Kajüte an.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (01.07.2020)

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