THE BURNING BRAIN BAND - The Burning Brain

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VÖ: 16.03.2020
Bandinfo: THE BURNING BRAIN BAND
Genre: Psychedelic Rock
Label: Eigenproduktion
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste  |  Trivia

Harter Tobak liegt hier vor, das kann ich euch sagen, Freunde... Würde ich dieses Review mit den Worten beginnen, "Wenn sich eine Band ein "H.R. Giger"-Werk als Covermotiv aussucht, sollte sie besser etwas verdammt Gutes und Einzigartiges abliefern.", würden vermutlich 90% der Leser sofort verstehen und zustimmen. THE BURNING BRAIN BAND hingegen wählte Stanislaw Szukalski (1893-1987). Selbst wenn euch dieser Name nichts sagen sollte, braucht ihr nur hochzuscrollen und euch das Motiv noch einmal anschauen... Ihr versteht sofort. THE BURNING BRAIN BAND ist gut beraten, "Mindblowing" zu sein. Falls ihr aber schon beim Anblick des Bildes beginnt unter Atembeschwerden zu leiden, sei euch die von Leonardo DiCaprio produzierte Netflix Dokumentation "Struggle: The Life and Lost Art of Szukalski" wärmstens and Herz gelegt, durch die euer bescheidener Stormbringer-Droog ebenfalls das erste Mal mit dem polnischen Künstler in Kontakt kam. Nach Sichtung des Materials werdet ihr vermutlich nicht glauben können, dass zum jetzigen Zeitpunkt (Juni 2020) immer noch keine deutsche Wikipedia-Seite zu ihm existiert. (Polnischer Eintrag hier)

THE BURNING BRAIN BAND ist eine Psychedelic Band aus Columbus, Ohio, mit hauchzartem Progressive Einschlag, die auf ihrer offiziellen Bandcamp-Seite, auf der es bisher leider nur einen Digital Download gibt, folgendes angibt: "A myriad of new and bold influences makes this collection of songs a record that keeps you on your toes at all times. From Pink Floyd to Kraftwerk, from Led Zeppelin to Rory Gallagher's Taste to Hawkwind; the Burning Brain Band will make you hear so many different sounds that you might think you're hearing voices from beyond... Best enjoyed with mind-altering substances."

Reicht das aus, um dem Andenken Szukalskis gerecht zu werden? Bei Start-Button-Bedienung macht sich tatsächlich echte, wenn auch hauchzarte Nervosität breit. Diese ersten Klänge ertönen und ich kann euch versichern, dass mit dem raketenhaften Anstieg/Aufbau von Song Nummer Eins, der tatsächlich "Launch Sequenz" heißt, auch die Nervosität neue Höhen erreicht. Fast acht Minuten lang wohlige Spannung ohne Schwächen. Ein fantastischer Beginn, der die Furcht nährt, der zweite Song würde im Challanger Unglück münden. (Gedenkt den Astronauten: 1986 war ich tief schockiert...)

"Brain Food" zerstört sich aber nicht selbst, sondern schlagartig die Zweifel des Hörers! "Follow me through the galaxy, tell me why you want to see..." Sweet Jesus, Gänsehaut-Explosion! Die verdammte Kernschmelze! (Ich assoziiere Bruce Dickinsons astronomisch unterschätztes "Skunkworks" und ELOYs "Time to Turn"-Scheibe) Man will sich nackt ausziehen, auf den Fenstersims klettern und hinausschreien: "Ich bin bereit für Liebe!" Kein Song hält jedoch ewig und mit dem Ausklang von "Brain Food" kehrt die Furcht zurück. Song Nummer drei wird angestimmt und hat den Progressiv Touch inne. Das ist nicht ganz so euphorisierend  und nimmt sich Zeit zum Aufbau, bevor dieser strange Psychedelic Last Unicorn Flow eintritt. Es wird von Sekunde zu Sekunde harmonischer. "Bolero/Floating Away" kommt aus der Deckung und reiht sich schließlich qualitativ in die erste Reihe zu seinen Vorgängern ein.

Die Hälfte ist rum und THE BURNING BRAIN BAND haben von Stormbringer den Qualitätsstempel zum Führen von Stanislaw Szukalski Artwork verliehen bekommen. Die Band kann es, hat sich bewiesen, aber drei Songs bleiben übrig, die theoretisch das Album in der Wertung runterreißen könnten. Song Nummer 4 beginnt unerwartet, nämlich elektronisch. Das hat was von TANGERINE DREAM, spacig, trancig, trippig, halluzinogen - und ist dann vorbei. Es war ein Interlude, das das nächste Lied einleitet, was, wenn wir schon die ganze Zeit Vergleiche mit anderen Bands ranziehen, ein wenig an JETHRO TULL in "Heavy Horses"-Zeiten erinnert. "The Dreamer" ist sehr schön geraten. Nun steht noch das bluesige "Parchman Farm" an - Wer singt da jetzt plötzlich? Klingt stellenweise wie Ozzys kleiner Bruder. Ein guter Song, nicht überragend und leider auch nicht für den Abschluss geeignet, wenn man vorher das Brain weggemeltet bekommen hat. Leichte Unzufriedenheit macht sich über die gewählte Anordnung breit. Dennoch: THE BURNING BRAIN BAND ist der Kracher gelungen. Beenden wir diese emotionale Talfahrt mit den oft gesprochenen Worten: Also wenn da in Zukunft in dieser Qualität kommt, decke ich mich schon mal mit edlen Tropfen ein. Grandios, vielen Dank.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Daniel Hadrovic (24.06.2020)

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