FALCONER - From A Dying Ember

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VÖ: 26.06.2020
Bandinfo: Falconer
Genre: Folk Metal
Label: Metal Blade Records
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Lineup  |  Trackliste

Oh mein Gott, ist das gut! Ja! Ja! JAAH! Sie haben es wieder getan: FALCONER mit ihrem musicalmäßigen Sänger Mathias Blad und Songwriter-Gitarrist Stefan Weinerhall haben auf dem neunten Studioalbum namens „From A Dying Ember“ wieder wunderbare Perlen folkischen Epic Metals (oder epischen Folk Metals?) eingespielt. Sicher, die anderen drei Musiker tragen auch viel bei, jedoch sind es insbesondere Blad und Weinerhall, die der Musik von FALCONER das Prädikat herausstechend verleihen, dass sie leicht aus der Masse herauszuhören ist. Und das liegt nunmal am Gesang und am einzigartigen Gitarrenspiel. Letzteres war ja schon bei Weinerhalls Ex-Band MITHOTYN grandios (das Album „King Of The Distant Forest“ ist eine sträflich übersehne Perle, die jeder Metal-Fan kennen sollte!), selbst wenn der Erfolg ausblieb. Vermutlich war der Mix aus folk-beeinflussten Gitarren-Melodien und aggressivem Black-Metal-Geshoute dann doch zu nischig.

FALCONER hingegen hatten von Beginn an einigen Erfolg – mehr als die Musiker offenbar selbst vermutet hatten. Denn ursprünglich war das Ganze nur als Soloprojekt Weinerhalls gedacht und insbesondere Sänger Mathias Blad wollte daraus nie eine typische Band mit vielen Live-Auftritten machen. Was ja grundsätzlich nicht verwerflich ist, mit Blick auf den enormen Zeitaufwand. Und wenn man Herrn Blad mal live gesehen hat, merkt man schnell: Wohl fühlt sich der Mann da nicht so wirklich. Das Alles hilft etwas zu verstehen, warum aus FALCONER bis jetzt nicht die ganz große Nummer geworden ist. Trotz eines einzigartigen Sounds, unzähligen tollen Songs und starken Alben. Wenig förderlich war natürlich auch der zeitweise Wechsel am Mikro: Weil Blad der Aufwand zu viel wurde, verabschiedete er sich nach zwei tollen Alben Ende 2001 und wurde von Kristoffer Göbel ersetzt. Und wie so oft: Der Ersatz machte seine Sache nicht schlecht, aber eben nicht so wie die Erstbesetzung. Das gewisse Etwas fehlte.

Musikalisch probierte man zudem in den folgenden Jahren ein wenig was aus. Etwa mit dem untypisch harten Album „Grime vs. Grandeur“ (2005) und auch nach der Rückkehr von Blad (Ende 2005) mit dem progressiven „Among Beggars And Thieves“ (2008). Zu einer Live-Band mutierten die Schweden jedoch nie. Gelegentlich zum Beispiel auf Festivals, aber keine ausgedehnten Tourneen. 2011 zeigten die Jungs, dass sie weiter ihr Ding durchziehen und wagten mit „Armod“ ein komplett auf Schwedisch eingesungenes Album mit starker Betonung der Folk-Elemente. Nach einer Schaffenspause folgte 2014 „Black Moon Rising“. Ein gutes Album, aber die Balance zwischen den überraschend harten Gitarren und donnernden Drums auf der einen Seite und den zum Teil wie dazu gemixt wirkenden Vocals von Blad passte nicht so recht.

Für das nächste Album nahm sich die Band erneut eine Auszeit. Stefan Weinerhall wollte den Songwritingprozess nicht überstürzen. In dieser Zeit schrieb Weinerhall gemeinsam mit seinem alten MITHOTYN-Bandkollegen Karl Beckmann (Guitarre/Keyboard) einen alten Song um. Hört man sich nun beim neuen Album „From A Dying Ember“ an, so hat man bei vielen Songs das Gefühl, dass sich die geschilderte Entwicklung der Band in den neuen Tracks wiederfindet: Hier eine Reminiszenz an MITHOTYN (vor allem beim Song „Rapture“), dort ein Song mit rein schwedischem Text und starkem Folk-Einfluss („Bland Sump Och Dy“) und natürlich auch wieder hymnenhafte Ohrwürmer (ganz, ganz stark „Desert Dreams“, mit mehrmaligem Hören aber auch „Rapture“) wie es die Band bereits kaum wiederholbar auf den ersten beiden Alben („Falconer“ und „Chapters From A Vale Forlon“) hingezaubert hatte. Und ja, der Stimme von Blad wird viel Platz eingeräumt. Am Krassesten ist das bei der Ballade „Rejoice The Adorned“, wo der Mann grandios zeigen kann, was er gesangstechnisch drauf hat. Sicherlich nix für ach so harte Metaler mit Kitsch-Phobie [Anm. d. Lekt.: Sag das nicht...], aber für alle Anderen einfach nur zum Dahinschmelzen.

Viele Songs haben Oha-Momente, wo der geneigte Hörer besonders die Ohren spitzt und sich freuen kann. So etwa bei „Fool's Crusade“, wo bei Minute 2,36 ein Break einen flockig-süßen Mittelpart einleitet und den Song zu einem überdurchschnittlich guten Song macht. Oder bei  „Redeem And Repent“, wo ein kurzer Part, den Blad wie ein Minnesänger aus dem Mittelalter vorträgt, für eine besondere Stimmung sorgt. Oder bei „Testify“, wo einen das galoppierende Anfangsriff in den Song förmlich reinzieht und diverse Breaks schöne Tempiwechsel fabrizieren. Auch „Thrust The Dagger Deep“ zieht die Aufmerksamkeit auf sich, mit anfänglich bleischwerem Gitarrenriff, Dudelsack und schließlich Hammond-Orgel. Das blubbert!
 
FALCONER schaffen es auf „From A Dying Ember“, viele Elemente aus ihrer bisherigen musikalischen Entwicklung einzuweben und dennoch die Songs nicht wie eine lahme Wiederholung von Altbekanntem klingen zu lassen. Das liegt wohl auch daran, dass die Band an ein paar Stellen Dinge eingebaut hat, die sie noch nie hatten: So ist auch mal ein Dudelsack und eine Fiedel zu hören. Aber vor allem hören sich die Melodien trotz bekannter Zutaten frisch an.

Allerdings ist nicht jeder Song prächtig gelungen (die Bonustracks lagen im Übrigen zur Rezension nicht vor). So ist ausgerechnet der Opener „Kings And Queens“ ziemlich austauschbar, der Refrain von „Redeem And Repent“ ist nur okay und das Instrumental „Garnets And A Gilded Rose“ ist alles andere als ein Muss, sondern ein Kandidat für die Skip-Taste. Auch „In Regal Attire“ will nicht so recht aus dem Quark kommen. Das ist ganz nett, aber eben nur ganz nett. Unterm Strich stehen aber mehr überdurchschnittlich gute Songs zu Buche. Insofern ist das neue Album ein starkes Ding, das man als Fan von Epic Metal oder Folk Metal kennen muss. Ja, muss. Diskussionen darüber, ob „From A Dying Ember“ an die ersten beiden Alben von FALCONER heranreicht, sind so müßig, dass ich jetzt stattdessen lieber aufs Klo gehe; das ist produktiver.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Tobias (26.06.2020)

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