MAVRO PROSOPIO - 20 ΧΡΟΝΙΑ ΣΤΗ...ΜΠΑΝΤΑ EP

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VÖ: 27.06.2020
Bandinfo: MAVRO PROSOPIO
Genre: Indie Rock
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Da hört man im Büro einmal zu laut den Meister Udo Jürgens und vielleicht noch Tony Holiday (und auch nur wegen "Tanze Samba mit mir"), bisschen Šaban Šaulić, etwas EAV... Schnell ein oder zwei Songs von Roberto Leal nachgelegt, weil das Büchsenbier nach dem Rotwein am besten schmeckt und schon flattert einem neuer Ärger auf den Tisch. In der Redaktion wird man als Freund virtuoser Polyphonie augenblicklich unter Generalverdacht gestellt, in der schwarzen Szene Zwietracht säen zu wollen.

Man braucht sich echt nicht mehr zu wundern, wenn der Chef jetzt einem auch noch den Link zu irgendeiner, dem Covermotiv nach zu urteilen, emotionsgeladenen griechischen Wohlfühl-EP zukommen lässt - Natürlich mit Aufforderung, das Material zügig zu bearbeiten. Mit der Ruhe ist es also vorbei. Danke für nix, aber... Einen Moment mal, was ich sage, macht ja gar keinen Sinn. Wir sind offiziell doch von der Metal-Fraktion und der Chef duldet keine anderen Musikrichtungen in den Arbeitsräumen! MAVRO PROSOPIO kann definitiv nicht in dieses Genre fallen, aber etwas Recherche kann jetzt nicht schaden. Die EP heißt "20 ΧΡΟΝΙΑ ΣΤΗ...ΜΠΑΝΤΑ". Jagen wir es mal durch den Translator. Der Titel bedeutet anscheinend "20 Alles Gute zum Geburtstag"? Aha... Die Bandmitglieder sehen jetzt auch nicht so evil aus. Ich starte einfach mal den ersten Song "Βουδιστης" (Buddhist) und schaue, was passiert. Die ersten Sekunden verblüffen - Ist es Grunge?! Nein... Es klingt nach 90`s Darkwave, Stimmen (männlich und weiblich) passen irgendwie rein, die Gitarre definitiv auch. Das Schlagzeug stampft sogar ganz leicht vorwärts, aber bitte nicht falsch verstehen. Ich meine auf homöopathischer Basis. Da wurde ein Molekül von Doom hindurchgejagt. Das Resultat ist dennoch ganz gut und wenn es so weitergeht, kann ich die EP hinterher vielleicht jemand weiterempfehlen.

Song 2 heißt "Κοιταξε με" und bedeutet "Schau mich an". Das Molekül wurde soeben gespaltet, der Dampf ist gänzlich entwichen. Klingt nach Autofahrt im nächtlichen Athen - so im offenen Cabrio und alle tragen weiße Shorts. Mittags gabs noch Espresso, jetzt ist man auf der Suche nach einem Glas Hugo (Prosecco, Zitronenmelisse- oder Holunderblütensirup, Minze und Mineralwasser. Im Volksmund auch "Natursekt" genannt - No offense.) Ja... Wie soll man den Song finden? Gut gemacht, aber mein Fall ist es jetzt nicht. Nächster Song bitte!

"Ρομποτ" bedeutet "Roboter" und ich sage euch, in solchen Fällen wird die Dose geschüttelt, bevor man sie aufreißt! Wenn das jetzt nicht scheppert, steige ich direkt wieder vom Schreibtisch! Tja, dann kommt die Ernüchterung: Nix los. Von den Wänden fließt zwar der Bierschaum, aber das Liedchen ist ein Rohrkrepierer. Macht so viel Laune wie das Warten auf die Reparatur der Redaktionskaffeemaschine: Es tut nicht weh, aber man erledigt in der Zwischenzeit gezwungenermaßen doch irgendwelchen Papierkram. Hilft ja nix.

Letzter Song. "Ορκος" könnte "Eid" oder "Schwur" bedeuten. Beginnt nichtssagend. Plätschert am Anfang dahin, aber man kann als Zuhörer gute Absichten erkennen. Nach etwa einer Minute plötzlich eine Steigerung, Melodie setzt ein, die Gitarre kommt auch wieder zum Vorschein. Kann man machen, muss man aber nicht lieben.

EP erfolgreich durchgehört, es lässt sich auch irgendwie ein Review zusammenschustern. Ich kann mit drei vergebenen Punkten nicht einmal von "Gnade vor Recht" sprechen. Es herrscht eher "Diplomatie vor Ungerechtigkeit", aber das trifft es auch nicht ganz. Fällt eben in kein Genre, dem euer weltoffener Stormbringer-Droog zugeneigt ist. Das bringt uns wieder zur Anfangsfrage, weshalb mir die Ehre zuteil wurde, die EP von MAVRO PROSOPIO unter die Lupe zu nehmen. Kurz gegoogelt. Die Antwort ist, weil ihre knapp siebzehnminütige EP bei der Nr.1-Adresse für Doom-Fetischisten hochgeladen wurde: Dem Youtube-Kanal 666MrDoom. Aufgeschlossenheit in allen Ehren, aber bis auf das erste Lied, welches von Minute 2:55 bis einschließlich 3:12, also ganze 18 Sekunden, eine orientalische Variante und das zuvor erwähnte hauchzarte Stampfen beinhaltet, bietet die Mainstream-Pop-Rock Produktion weder Anreiz für düstere Typen noch für Gutwettermenschen. Fazit: Nächstes mal bitte in Ablage D.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Daniel Hadrovic (30.06.2020)

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