WE, THE PLAGUE - We, The Plague EP

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VÖ: 22.05.2020
Bandinfo: WE, THE PLAGUE
Genre: Djent
Label: Eigenproduktion
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste  |  Trivia

Die selbstbetitelte EP von WE, THE PLAGUE dauert nur vierzehn Minuten?! Skandal!

Darüber kann man sich aufregen, aber eine solche "Kritik" enttarnt sich selbst als eine der vielen Krankheiten unserer modernen Welt. Dass die Produktion des schönen Scheibchens die engagierte Band aus Schweinfurt (Bayern) selbst finanziert hat, diese dem Hörer dann kostenlos zur Verfügung stellt und sie ausdrücklich als EP deklariert, hat nix zu sagen. Entweder packen die Musiker noch fünf Songs drauf, oder sie müssen mit Konsequenzen in der Punktevergabe leben.

"Möchte der Herr noch eine Unze 333er Gold dazu haben?"

"Was? Nur eine Unze? Warum nur eine Unze?

"Sie bekommen Sie doch zusätzlich geschenkt."

"Ja, aber es ist nur eine Unze, selbst wenn sie mich nichts kostet!"

"Das sind immerhin etwas mehr als 31 Gramm."

"Kann sein, aber warum bekomme ich nicht wenigstens 50 Gramm?"

"Entschuldigen Sie mal, einunddreißig Gramm Gold haben einen Wert von fast 1600€!"

"Das monatliche deutsche Durchschnittseinkommen beträgt aber 1960€..."

Da wir das abgehandelt hätten, gleich der nächste Skandal in Form eines Geständnisses: Euer tief demütiger Stormbringer-Droog ist kein großer Fan des Djent Genres! Warum hat er dann aber WE, THE PLAGUE nicht nur kürzlich interviewt, sondern legt auch noch eine Rezension nach? Dazu beleuchten wir die EP mal etwas näher:

Was sofort auffällt, ist die Produktion! Diese Independent EP hat eine professionelle Produktion erfahren, die nicht nur dem Genre steht, sondern zudem darauf verzichtet, die Instrumente in den Hintergrund zu mixen, was heute schrecklicherweise als normal gilt. Das Schlagzeug klingt erfreulicherweise nicht wie ein Geigerzähler, die Gitarren klingen nicht wie elektrisierter Maschendrahtzaun und die Stimme von Sänger Mini wurde nicht endlos hochgepitcht und verzerrt, dass er wie Minnie Maus, die man auf Pappen geschickt hat, klingen würde.

Die EP fetzt von Beginn an, punktet schon im ersten Song mit harten Einflüssen. Die Vocals fetzten, alles ist stimmig - und dann DER SCHRECKMOMENT für euren tief geneigten Droog: Cleaner Gesang in diesem Metier bedeutet: Dann und wann kommt ein echter Könner um die Ecke, doch fehlt ihm das Harmonie-Verständnis. Oft hat man das Gefühl, die Männer am Mic haben vor allem Lust zu kreischen, fauchen und brüllen, aber sie würden ihr Gesangsstimmchen für den Mainstream-Erfolg einsetzen. Und das klingt dann, als würde man der Bockwurst die Pelle abziehen. Nein, es ist im Falle von WE, THE PLAGUE eine wohltuende Überraschung. Die Screams sind fett (aka "phat"), oft schwarzmetallisch angehaucht und die Gesangsparts glänzen mit Geschick und melodiöser Führung. Beim Konsum dieses Outputs muss kein Hanswurst leiden.

Die ersten Sekunden des nächsten Songs erinnern an KORN aus "Issues" und "Untouchables" Zeiten, aber es ist wirklich nur ein Wimpernschlag. Schönes Gekeife setzt ein, sicherlich ein sehr guter Djent Song.

Song Nummer drei brettert gleich los und greift denselben Flow vom vorherigen Song auf. Schön, wie Dani Filth-Spitzen (CRADLE OF FILTH) zu tiefen Growls wechseln. Diese Nummer ist unruhig und hat was von einem unsicheren Heimweg nach eskalierter Demo, dem mulmigen Gefühl, Glück gehabt zu haben...

Der letzte Song weist kompositionstechnisch wieder den Flavor des Goldenen Zeitalters von Nu-Metal auf, aber zum einen setzen klassischere Metal Riffs ein und zum anderen gräbt der Gesang eigene Bahnen.

Sehr schone Erfahrung, meine Herren! Wenn man sich als Gast in fremden Gefilden wohlzufühlen beginnt, haben die Gastgeber etwas richtig gemacht.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Daniel Hadrovic (11.07.2020)

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