NIGHT IN GALES - Dawnlight Garden

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VÖ: 24.07.2020
Bandinfo: NIGHT IN GALES
Genre: Death Metal
Label: Apostasy Records
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Lineup  |  Trackliste

Spräche man beispielsweise im Zuge einer Metal-Dokumentation über einflussreiche Szenen und Stilistiken, fiele es wohl besonders schwer, die Göteborger Schule und all ihre frühen Absolventen auszuklammern. Dabei hat der schwedische Melodic Death Metal nicht nur Mitte des neuen Jahrtausends eine gigantische und damals auch hochwertige Flut an griffigem und zumeist amerikanischem Metalcore losgebrochen, nein, viel früher noch, also während der Hochphase um Klassiker-Releases à la "Slaughter Of The Soul", "The Gallery" oder auch "The Jester Race", kreiste dieser einzigartige Sound auch über deutschem Boden und beeinflusste damit u.A. auch die 1995 gegründeten NIGHT IN GALES, die kurz darauf mit der fabelhaften EP "Sylphlike" und dem starken Debütalbum "Towards The Twilight" zwei Geheimtipps einspielten, die den Vergleich gewiss nicht scheuen müssen und deshalb auch heute noch von vielen Kennern regelmäßig (und zu Recht) in einem Atemzug mit besagten Klassikern genannt werden.

Was danach folgte, ist wahrscheinlich der Hauptgrund, warum man das westfälische Quintett nur bedingt als "unterschätzt" bezeichnen kann, obschon man zuvor zweifelsohne Eindruck hinterliess: Schwächere Releases, zehn Jahre Funkstille, ordentliche Rückkehr nach zehn Jahren, dann wieder sieben Jahre Funkstille - der Malus eines metallischen One-Hit-Wonders schien allgegenwärtig. Doch NIGHT IN GALES kehrten 2018 nochmals zurück - gemeinsam mit ihrem allerersten Sänger Christian Müller und dem großartigen "The Last Sunsets". Dieses Mal allerdings folgte ihnen nicht das allumfassende Schweigen, sondern zahlreiche Live-Auftritte und dieser Tage nun auch der Nachfolger, der im von Costin Chioreanu illustrierten "Dawnlight Garden" in Tradition und Nostalgie schwelgt.

Denn so viel ist gewiss: Wenn sich die 90er in selbigem umgehört haben, werden sie bei dessen Pächter durchklingeln und ihre Riffs, Melodien und Vocals zurückverlangen. Das soll nicht andeuten, dass NIGHT IN GALES hier per Copy-and-Paste-Tool durch bekannte Alben wilderten, sondern dass sich das Publikum nach Betätigung des Play-Buttons in eine Zeitmaschine pflanzt und ebenjene Anfangsjahre des Melodeath hautnah miterlebt. Egal ob man dabei die rasanten "Beyond The Light", "Dawnlight Garden" oder "Beasts Leave Tombs Again" mit markanten Signature-Leads und AT THE GATES Dynamik, die etwas "strömblad-gelottescheren" "Winterspawn"  und "The Spectre Dead" oder einen düster-stampfenden Epos à la "Kingdom", der, wie auch "Through Dark Decades" z.B., an die Ausrichtung vor "Slaughter Of The Soul" erinnert, hört - hier schreit wirklich alles nach dem stimmungsvollen Göteborg. Und das ist auch gut so, denn NIGHT IN GALES unterscheiden sich auch auf "Dawnlight Garden" mit echter Leidenschaft und geschmackssicherer Expertise für diese Stilistik von sämtlichen Abziehbildern, die sich seit der glorreichen Zeit an dieser Musik versucht haben, und positionieren sich zwischen einer Handvoll Bands, namentlich beispielsweise DARKEST HOUR oder auch NIGHTRAGE, die ebenso seriös und hochwertig mit dem Vermächtnis umgegangen sind.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (27.07.2020)

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