U.D.O. & DAS MUSIKKORPS DER BUNDESWEHR - We Are One

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VÖ: 17.07.2020
Bandinfo: U.D.O.
Genre: Heavy Metal
Label: AFM Records
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Lineup  |  Trackliste

Bereits bei der „Navy Metal Night“ 2014 und beim Schlamm-lastigen Wacken 2015 standen U.D.O. gemeinsam mit dem MUSIKKORPS DER BUNDESWEHR auf der Bühne und aus dieser zunächst einmaligen Kollaboration entwickelte sich eine fruchtbare Zusammenarbeit, die nun im vorliegenden Album „We Are One“ gipfelt. Weiß man spätestens seit RAGE und Lingua Mortis Orchestra, dass Heavy Metal und Orchester äußerst gut zusammen harmonieren, so sieht man doch von den meisten Bands (mit Ausnahme des dank NIGHTWISH erwachsenen Symphonic Metal Zweiges) hauptsächlich Interpretationen von bereits bekanntem Material im orchestralen Gewand.

U.D.O. setzen, statt Verwurstung von Resten, auf den Weg des gänzlich Neuen – gemeinsam mit den ehemaligen ACCEPT-Mitstreitern Stefan Kaufmann und Peter Baltes, sowie den Musikkorps-Komponisten Guido Rennert und Alexander Reuber, wird das Albummotto „We Are One“ wahrhaft und glaubhaft dargestellt. Dass so viele und teils stilistisch sehr unterschiedliche Komponisten ihre Ideen einfließen ließen, das – mit Verlaub – merkt man auch sehr stark. Was bei „Navy Metal Night“ mit U.D.O.s ureigenen Kompositionen noch sehr gut funktioniert hatte, kommt nun enttäuschenderweise mit überraschend wenig Biss einher. Und das, obwohl das letzte Studioalbum "Steelfactory" kräftig einheizen konnte und man den German Tank in Höchstform vermutete...

Nach dem noch mit einigermaßen bedrohlichem Gitarrensound ausgestatteten Opener „Pandemonium“ und dem hymnischen, schon vorab ausgekoppelten Titeltrack „We Are One“, der mit seinen Klatschparts und glatt-poppigem Refrain schon hart an der Kitsch-Grenze kratzt, verliert sich das Album irgendwie. Zwar ist für Freunde der Verbindung aus klassischem Metal und orchestralen Klängen alles an Bord, doch in seiner Gesamtheit will der Funke einfach nicht überspringen. Weder der schwere, stampfende Rhythmus von „Children Of The World“ mag wirklich mitreißen, noch können sich die größtenteils im gemäßigten Midtempo gehaltenen Songs (exemplarisch hier das zähe „Rebel Town“) wirklich im Gehörgang festhaken. Einen kurzen Lichtblick verspricht die dramatische Interlude „Blackout“, doch in der Folge können weder die bis auf zugegebenermaßen fette Chöre instrumental gehaltene „Natural Forces“ und „Beyond Gravity“ noch das glatte „NeonDiamond“ mit Saxofon-Part die Stimmung erhellen.

Wenn dann endlich das funkige Experiment „Here We Go Again“ erschallt, ist das Aufmerksamkeitslevel leider bereits so niedrig, dass der Titel statt Spannung schon mehr Nervfaktor entwickelt. Auch der einzige echte Uptempo-Song, „We Strike Back“ reißt die Sache dann nicht mehr heraus. Der erneut langsam und zäh einher schippernde Schlusspunkt „Beyond Good And Evil“ verleitet dann nur noch zum Skip, um nach schier ewig dauernden eineinviertel Stunden endlich zum Ende zu kommen.

Selten tat man sich, selbst als Freund orchestraler Klänge, so schwer mit einem Album. Vielleicht war es die hohe Erwartungshaltung nach der so starken und so sehr gefeierten Zusammenarbeit mit dem MUSIKKORPS DER BUNDESWEHR, vielleicht die nahezu erschlagende Anzahl an Songwritern, vielleicht verkennt dieser Redakteur auch die größte Offenbarung seit es Schwermetall gibt, aber: „We Are One“ ist für das persönliche Empfinden dieses Redakteurs einfach zur zahnlos und sterbenslangweilig - sorry. Man darf sich gerne darüber echauffieren, doch man muss nicht alles zwingend mögen, nur weil es anspruchsvoll ist und viel Arbeit drinsteckt. Ich hau' mich jetzt aufs Ohr.

 



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (16.07.2020)

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