UNLEASH THE ARCHERS - Abyss

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VÖ: 21.08.2020
Bandinfo: UNLEASH THE ARCHERS
Genre: Power Metal
Label: Napalm Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Na schau, UNLEASH THE ARCHERS haben sich, ohne den Rezensenten zu streifen, von einer aus Melodic Deathern bestehenden Band hin zu Power Metallern entwickelt. "Apex", sowas wie "Gipfel" oder "Höhepunkt" hat der letzte Reisser geheißen, der gegenwärtige zielt Richtung "Abyss". Dieser kommt recht zügig nach ihrer Covers EP "Explorers" aus dem letzten Jahr, hat zehn Songs und einen von Jacob Hansen in seinen dänischen Studios abgemischten Sound.

Das Album wird natürlich über Napalm Records veröffentlicht, damit sind die Kanadier*innen auch bisher schon gut gefahren, und wenn man ehrlich ist, ist das Eisenerzer Label genau die richtige Garage für den hochmelodischen Power Metal von UNLEASH THE ARCHERS. Dort haben sie einige Bands, die eine ähnliche musikalische Auslegung haben, dort werden sie bestens unterstützt.

Die Songs sind allesamt bekömmlich, getragen von der wirklich famosen Stimme von Brittney Slayes, unterlegt von leicht pickigen Synthies die zeitweise die Rhythmusgitarren verschwinden lassen. Ich habe per se nix gegen Pop-Musik, aber jedem Genre seine Medien. Dass dann "Legacy" auch noch grob nach VOYAGER (den Australier*innen) klingt, passt wie das Derrière auf den Eimer.

Was nicht hinhaut, sind die Songs, in denen es, tatsächlich, "uncleane" Vocals der beiden Gitarristen gibt. Die sind so evil wie eine Laubsägearbeit zum Muttertag, oder ein Alpaka auf Koks. Das funktioniert gar nicht. Die Jungs können Gitarre spielen, der Zeugler ist auch exzellent und die Stimme von Frau Slayes habe ich schon gelobt. Aber die Death Metal-Stimmen sind durch ein paar Effektgeräte gegangen und bringen den Songs überhaut keinen Mehrwert

Insgesamt aber, das muss ich auch nach mehrmaligem Anhören sagen, klingt die Scheibe mächtig entschärft. Die Keys kleistern die Gitarren zu, der Gesamtsound ist eindeutig zu dicht, man hat selbst mit brauchbaren Kopfhörern manchmal Probleme, den Bass zu hören oder das Schlagzeug gehörtechnisch zu zerlegen. Das ist schade, da sehr viele Gesangslinien richtig Spaß machen und wohl den Autoradio-Test im Sommer locker bestünden. 

Es ist ja so, dass ein Album erst einen richtig guten Sound hat, wenn es im Autoaudiosystem gut klingt. Im Studio oder auf der Heimanlage tönt bald einmal ein Song gut, wenn es aber im Mittelklasse-PKW auch rockt, dann wurde alles richtig gemacht. Das heißt nicht, dass dieses Album vermixt wurde, aber es klingt mächtig komprimiert. Manchmal zeigt einer der Gitarristen mit einem grandiosen neo-classical Solo auf, man hört aber fast nichts davon, weil die Overheads der Drums alles niederrascheln.

Warum nur, warum, kann man Power Metal nicht schön trocken und natürlich abmischen. Dann wäre dieses Album weiter vorn. Gut, heavier müsste es auch sein. Und vielleicht den jeweils dritten Chorus beinahe jeden Songs  nicht 20 mal wiederholen. Dann hätten wir hier ein richtig schönes Stück Metal. So ist es leider nur Mittelmaß. Vielleicht beim nächsten Mal...

 



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (17.08.2020)

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