SARCOPTES - Plague Hymns

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VÖ: 02.10.2020
Bandinfo: SARCOPTES
Genre: Black Metal
Label: Transcending Obscurity
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Lineup  |  Trackliste

Manchmal frage ich mich, wo Transcending immer diese Obskuritäten ausgräbt! Das US-amerikanische Duo SARCOPTES existiert bereits seit zwölf Jahren, hat jedoch mit Ausnahme eines Albums und einer EP keine Releases an den Mann gebracht. Insofern würde es nicht weiter wundern, wenn auch ein Großteil unserer geschätzten Leserschaft mit dem Bandnamen nicht allzu viel anfangen kann. Doch nicht verzagen - für den Einstieg taugt die aktuelle Zwei-Song-EP "Plague Hymns" bestens, denn wie so oft im Dunstkreis des Black/Thrash Metal gilt auch hier: Rundling auf den Teller schwingen, Füße hochlegen, Mucke reinlaufen lassen und wohlfühlen!

Wobei...die Sache mit dem Wohlfühlen wird durch das Eröffnungs-Sample von "The Vertigo Soul" auf eine harte Probe gestellt. Trägt der schwarze Prediger hier womöglich Marmelade, Hummus oder gar Leberwurst - den bösartigsten Brotaufstrich seit Menschengedenken - auf? Stochert er womöglich in einer frisch platzierten Wunde herum? Steckt er mit seinem frisch polierten Stiefel knietief im Matsch? Was auch immer man in dieses pampige Geräusch hineininterpretiert - es läuft einem auf alle Fälle eiskalt den Rücken hinunter. Und nachdem man den morbiden Eröffnungsgag verarbeitet hat, wartet eine höchst eingängige und ebenso abwechslungsreiche Melange aus melodieschwangerem DISSECTION-BM, antikem SLAYER-Flair und vergewaltigten Kirchenorgeln, deren Widerwillen gegen ihre Integration in die dargebotene Deibelsmusik man ihnen förmlich anhören kann. Ein herrliches oder besser teuflisch gutes Stück Musik...als würden es DISSECTION und SLAYER miteinander treiben - in der Kirche!

Mit dem zweiten Song "La Moria Grandissima" wird es etwas andächtiger, BM-lastiger und zuweilen sogar IMMORTALesker. Abgesehen von sporadischen KREATOR-Momenten gibt es zunächst wenig Thrash auf die Ohren, bis die Kiste im letzten Drittel kräftig aufdreht. Zum großen Finale folgen hartes Schädelschrauber-Geprügel und eine Handvoll erlesene Melodien, die das Ganze als Spannungsbogen begreifbar machen und die Nummer letztlich sehr vergnügsam gestalten. In den ersten Durchgängen erscheint "La Moria Grandissima" zunächst etwas zäher, weil das Stück kein klassischer Turbo-Schnellzünder wie "The Vertigo Soul" ist - aber am Ende zählt, dass die Ente hart schädelt und das tut sie. Deshalb schreien auch am Ende die Fans vorm Lagerfeuer vor Freude...[entnervte Regieanweisung mit kritischem Inhalt erklingt]...was?! Ohne Freude und im Feuer?! Ach so...mea culpa...wie auch immer: knappe elf Minuten Laufzeit brauchen nun mal Futter...und wer so einen Schinken auf Anhieb durchblickt, ist kein Mensch...und keine Ente.

Was "Plague Hymns" als Intermezzo auf dem Weg zum nächsten Langspieler angeht, darf man also getrost die Pommesgabel gen Himmel recken. Mit rund achtzehn Minuten bietet die EP trotz ihres relativ bescheidenen Umfangs von zwei Songs gute Unterhaltung bei angemessener Dauer. Zudem treffen die beiden Nummern zielsicher ins Schwarze. Bleibt nur die Frage, ob das Duo seine Schlagzahl auch auf dem kommenden Album so durchgängig halten kann. Wenn dem so wäre, stünde uns Großes bevor - die Zeit wird es zeigen!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (25.09.2020)

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