BURIAL REMAINS - Spawn Of Chaos

Artikel-Bild
VÖ: 05.09.2020
Bandinfo: BURIAL REMAINS
Genre: Death Metal
Label: Raw Skull Recordz
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Das Tolle an jungen Bands ist, dass sie nicht selten ein Quell ungezügelter Kreativität und Schaffenskraft sind. BURIAL REMAINS aus dem niederländischen Grachten beispielsweise hoben ihre neue, wenn auch nicht erste oder einzige Band 2017 aus der Taufe, legten vergangenen Sommer ihr Debut "Trinity Of Deception" vor und stehen nun - ein gutes Jahr später - wieder mit einem neuen Eisen in den Startlöchern. Auf dem Weg zu "Spawn Of Chaos" hat sich Einiges geändert - die Band wechselte von ihrem ersten Label Transcending Obscurity Records zum quasi benachbarten Undergroundstall Raw Skull Recordz, mit Henk Zinger ist ein neuer Mann am Bass und auch die Stimme der Band erfuhr einen ersten Wechsel. Nachdem der Vorgänger noch von FLESHCRAWL-Fronter Svenson Groß eingebrüllt wurde, übernahm nach dessen Veröffentlichung Gitarrist Wim De Vries auch das Mikro.

Doch sollte sich der Sound der Band dadurch bedeutend ändern? Wie der zweite BURIAL REMAINS-Output wohl klingen würde, interessierte mich zugegebenermaßen brennend, denn unter all den Releases, die ich mir in der Zwischenzeit zu Gemüte geführt hatte, rotierte der blaue Bock der Friesen auffällig regelmäßig auf meinem virtuellen Plattenteller. Genau genommen entschied ich mich seinerzeit wegen der bescheidenen Länge von 25 Minuten für 3,5 statt vier Punkte, nicht etwa aufgrund der gebotenen Qualität. Gleichwohl war aber von vornherein klar, dass sich eine bekennende Oldschool-Truppe wie die hier besprochene nicht nennenswert verbiegen würde. Insofern knüpft "Spawn Of Chaos" natürlich nahtlos an seinen Vorgänger an und wirkt allenfalls im Gesamtbild ein stückweit planmäßiger und kalkulierter.

Tausendsassa Jonny Pettersson saß erneut an den Reglern und hat auch bei Album Nummer zwei ganze Arbeit geleistet, wenn auch mit verändertem Klangbild - weg vom rohen und rumpeligen Sound des Erstlings hin zu einer klaren, schnittigen Produktion. Der Fokus liegt verstärkt auf den Gitarren, die weniger komprimiert und dafür dreckiger fräsend daherkommen. Einerseits wird mir das ungestüme Feelgood-Gerumpel des Debuts fehlen und auch "den Großen" hätte ich gerne auch auf "Spawn Of Chaos" gehört - aber andererseits ändern sich die Dinge und das muss nicht immer von Nachteil sein. Wie bereits erwähnt ist der Sound eine runde Sache und auch Wim De Vries macht in seiner neuen Doppelfunktion einen ausgezeichneten Job. Mit seinen profund hochgewürgten Vocals brüllt er zuweilen gar in älteren FLESHCRAWL-Sphären und sorgt damit für einen gediegenen Übergang.

Wie bereits angeschnitten ist der Besuch im todesmetallischen Wellnesscenter auch im zweiten Anlauf nichts für musikalische Innovationsforscher, aber Balsam für die Ohren und zugleich Pflichtprogramm für alle "Slaves To The Cult" (ein starker Song by the way!). Ausbrüche und Querschläger sucht man wie erwartet vergebens, doch findet man hin und wieder interessante Details. Mit seinen markanten Bolzenwerfer-Reminiszenzen, Twin- und Sologitarren zeugt besonders "Spear Of Destiny" von Weiterentwicklung und Verspieltheit. Der Titelsong sticht zudem mit einer sehr zugkräftigen Gitarren-Hookline und dem vergnügsamen Schlagabtausch von Melodie und Schrämwalzenkrawall heraus. Die Riffs lassen, obwohl sie sehr genretypisch gehalten sind, einen einheitlichen Charakter erkennen und kristallisieren sich in der Gesamtschau beider Alben als wiedererkennbares Element heraus - eine Eigenschaft, die mir erst im Kontext des Zweitwerks tatsächlich bewusst wird. Etwas mehr Abwechslung bei den Hauptriffs hätte der Scheibe sicherlich gut getan - diesen Eindruck will ich nicht gänzlich unerwähnt lassen, aber auch nicht weiter hochstilisieren. Denn wenn man sich die grundsätzlich starken Songs (inklusive Hits!) gepflegt durch die Rübe pfeffern lässt, kann man diesen Punkt leicht als Randnotiz abstempeln.

Mit knapp vierzig Minuten ist "Spawn Of Chaos" deutlich länger geworden und merzt damit den einzig nennenswerten Kritikpunkt des Debuts aus. Und weil die Scheibe trotz längerer Laufzeit und geringfügigem Hang zur Repitition keinen einzigen Lückenfüller zu beklagen hat, ist hier (auch in Anlehnung an das Coverartwork) alles im grünen Bereich. Man erhält gewohnte Qualität in leicht modifiziertem Gewand - und auch der Umstand, dass FLESHCRAWL, REVEL IN FLESH und Co. im Booklet gegrüßt werden, ist ohrenscheinlich nicht nur auf die gemeinsame Zusammenarbeit beim Vorgänger zurückzuführen. Es scheint, als seien die Friesen auf dem besten Weg, sich im florierenden und hart umkämpften OSDM-Markt einen Namen zu machen. Und wenn sie am Ende kein Two-Hit-Wonder bleiben, ist der nächste Kracher nur eine Frage der Zeit. Also macht mal fein weiter so!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (28.08.2020)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: Enslaved - Utgard
ANZEIGE