ONSLAUGHT - Generation Antichrist

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VÖ: 07.08.2020
Bandinfo: ONSLAUGHT
Genre: Thrash Metal
Label: AFM Records
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Lineup  |  Trackliste

Vorab ein Info-Geknatter zu ONSLAUGHT: Aus dem englischen Bristol, 1983 gegründet von Nige Rockett (Gitarre) und Paul Hill (Bass). Anfangs Richtung Hardcore-Punk und MOTÖRHEAD, schnell aber metallischer und im Speed Metal und Thrash Metal zu verorten. Viele Besetzungswechsel, lange Pause in Sachen Recordings (1989 bis 2007), 1991 aufgelöst, 2004 neu gegründet. Seither drei gute Alben mit einigen brettharten Highlights. Nun wieder ein Wechsel, diesmal am Mikro: Sy Keeler ist weg, David Garnett neuer Frontmann. Einzig verbliebenes Gründungsmitglied ist Nige Rockett.

Nun aber zum neuen Album namens „Generation Antichrist“, zu dem die Band Folgendes verkünden lässt: Inspiriert durch eine Welt, die von Hass, Größenwahn und politischem Wahnsinn geprägt ist, erklärt Bandkopf Rockett: „Wir wollten, dass dieses Album wie eine Audiokulisse der Texte klingt, dunkel und extrem brutal. Deshalb haben wir den Produzenten Daniel Bergstrand ins Boot geholt, der einen exzellenten Mix abgeliefert hat. Zudem ist das der perfekte Zeitpunkt, um unseren neuen Sänger Dave Garnett vorzustellen, der im letzten Jahr bei einigen Live-Shows, bei denen Sy Keeler nicht zur Verfügung stand, bewiesen hat, dass er fit genug für diesen Job ist. Als die Vollzeitstelle am Mikro dann frei wurde, konnte er es kaum erwarten, ins Studio zu kommen und zur Tat zu schreiten!"

Bei 90 Prozent aller Bands ist derlei Gebrabbel krass übertriebenes PR-Gequassel. Bei ONSLAUGHT ist das nicht der Fall. Der neue Sänger macht einen überragenden Job. Er schafft es, dass Keeler nicht vermisst wird – obwohl der beileibe auch kein schlechter war – und setzt sogar noch einen oben drauf. Aggressiv, assigen Rotz in der Stimme, dabei aber fähig, gewisse Melodien hin zu röhren und hier und da auch mit kleinen Varianzen aufwartend. Etwa durch kurze Spoken-Word-Passagen. Auch schafft Garnett das Kunststück, wohlklingend in den Ohren von Old-School-Thrashern zu klingen und dennoch eine gewisse Modernität zu versprühen – letzteres gelingt auch durch den gelegentlichen Einsatz von Soundeffekten beim Gesang.

Und ja, „Generation Antichrist“ ist tatsächlich auch ein Wut-Brocken, der wunderbar durch einen druckvollen und klaren Sound in Szene gesetzt wird. Musikalisch überraschen die Jungs mit ihrer Aggressivität das ein oder andere Mal: Bereits beim Opener „Rise To Power“ geht es teuflisch-düster los, sodass man sogar nah am Death Metal ist. Das folgende „Strike Fast Strike Hard“ ist ein echter Thrash-Hit: Messerscharfe Riffs, donnernde Drums, einprägsamer Refrain – was will man als Metaler mehr? Naja, halt mehr davon! Und die Briten lassen einen nicht wirklich hängen: Zwar ist „Bow Down To The Clowns“ nicht ganz so gelungen wie der messerscharfe Vorgänger, hat dafür aber einen guten Groove. Sänger Garnett hübscht das Geballer im zweiten Drittel des Songs mit einer atmospährischen Lautsprecher-Einlage auf und keift und bellt, dass der Nachbarköter neidisch wird. Nach zwei knackig kurzen Soundsamples am Ende, sowie am Anfang des nun langsam beginnenden Titeltracks – die beide zusammen dafür sorgen, dass der Hörer sich auf das nächste Geprügel freuen kann und etwas zum Durchschnaufen hat – ballert und ballert „Generation Antichrist“ ,dass man nicht anders kann, als lauter zu machen. Hier passt wieder alles! Großartig auch die Drumarbeit von James Perry.

Nach diesem Hit hat es „All Seeing Eye“ etwas schwer, dennoch ein ordentliches Teil meist im Mid-Tempo, das sich harmonisch ins Gesamtbild des Albums einfügt. „Addicted To The Smell Of Death“ ist sehr schnell beim eingängigen Chorus, der sehr oft wiederholt wird. Dadurch wirkt der Song etwas bemüht. Live wird das aber sicher gut aufgenommen werden, da so leicht nachvollziehbar. Bei „Empires Fall“ wird das Tempo zunächst gedrosselt und mehr gestampft und gegroovt bis die Drumfelle und Bassseiten qualmen. Wirkt recht modern der Song, insbesondere durch den Gesang, der hier an MACHINE HEAD erinnert. Generell kann man ONSLAUGHT musikalisch als Mixtur aus MACHINE HEAD, EXODUS, EXUMER, THE HAUNTED und DEATH ANGEL beschreiben. Wobei ONSLAUGHT locker mit den Genannten konkurrieren können. Dafür sorgt auch das nun sich förmlich überschlagende, böse sägende „Religiousuicide“ – saugeil! Und wieder liefert Garnett ein Hammer-Perfomance ab. Dass der Mann einen Tacken besser ist als sein Vorgänger, zeigt abschließend „A Perfect Day To Die“, das zuvor bereits mit Keeler am Mikro veröffentlicht worden war und nun neu eingespielt noch mehr Wucht hat. Wieder ein Song, bei dem man live komplett ausklinken wird können. Haut Euch das Teil so laut um die Ohren wie es ein Arzt noch vertreten könnte und ihr wisst, was ich meine!

Unterm Strich gibt es drei, vier echte Hits, einen klasse Sound, Liebe zum Detail (etwa durch die gelegentlichen Sound-Spielereien) und noch ein paar gute Songs. Also keinen echten Stinker. Einzig die Spieldauer von nicht einmal 38 Minuten ist ein klein bisschen wenig. Noch ein Kracher hätte dem Album gut zu Gesicht gestanden. Dennoch ein sehr gutes Album, das Fans der genannten Bands kennenlernen müssen!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Tobias (08.08.2020)

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