CANTERRA - Heartmachine

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VÖ: 07.08.2020
Bandinfo: CANTERRA
Genre: Symphonic Metal
Label: Kick The Flame
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Lineup  |  Trackliste

CANTERRA sind eine deutsche Band aus Leipzig, die um 2005 noch als AVATAR gegründet worden sind. Nach ein paar Höhen und Tiefen haben die Jungs und das Mädel ihren Platz gefunden und machen unter neuem Namen hauptsächlich die Gothic-Szene unsicher, durften Größen wie LACRIMOSA live bereits supporten. Vier Jahre nach dem Debüt sollte nun endlich das zweite Werk mit "Heartmachine" folgen, das von JP Genkel (LACRIMOSA, CRADLE OF FILTH) produziert wurde. 

"A Lifetime" hat bereits als erste Single einen guten Eindruck hinterlassen und kombiniert symphonische Elemente mit modernen Sounds. Sängerin Korinna hat ein Stimmorgan, das sehr besonders wirkt und in meinen Ohren irgendwo zwischen ENYA und BJÖRK angesiedelt wird. Die vielen ausgearbeiteten Arrangements lassen Liebe zum Detail erkennen und auch in Sachen Melodie trifft man hier den Nagel auf den Kopf. Ich muss trotz des renommierten Produzenten dennoch hinzufügen, dass ich die Produktion nicht sehr gelungen finde. Es wirkt teils nicht harmonisch abgemischt und gerade Drums und Vocals sind nicht immer perfekt in Szene gesetzt, wenn wir es auf die Produktion beschränken. Der Titeltrack geht zu Beginn etwas mehr nach vorn, auch wenn das Tempo innerhalb der Strophe sofort wieder gedrosselt wird. Dennoch schaffen es CANTERRA, den Spannungsbogen hoch zu halten. Ich finde es tatsächlich auch mutig, dass man in Sachen Rhythmik oft an der absoluten Grenze spielt. Heißt nichts anderes, als das Sängerin Korinna ihr Timing sehr eigenmächtig interpretiert und ich meine es todernst, wenn ich sage, dass dieses Stilmittel funktioniert und den modernen Touch ein stückweit unterstützt. Bei "No Bitter End" hätte ich mir gerade in der Hook dann doch mal etwas mehr Druck in Korinnas Stimme gewünscht, denn an und für sich hat die Truppe echt tolle Melodien komponiert. Ich kann mir gut vorstellen, dass Korinna in ihrer Art zu singen polarisiert, denn gerade die höheren Töne werden doch arg ausgeschmückt und manchmal eben den einen Tacken ZU viel. "The Day" prescht relativ energisch nach vorn und erinnert in den Strophen an alte NIGHTWISH Zeiten. Die Hook würde ich sogar als stärkste der Platte bezeichnen, doch auch hier gelingt es gen Ende nicht, das Ganze vernünftig zu Ende bringen und man will einen Ticken zu viel. Wie schon erwähnt, sind mir das teilweise zu viele Stimmvariationen und das macht das Zuhören teils echt anstrengend. Die Ballade "Another Tear" hat dann leider ein wenig den Kaugummi Effekt inne und lässt besondere Momente vermissen. "Revolution" nimmt mit Double Bass zu Beginn fast powermetallische Züge an, lässt aber gerade das im weiteren Verlauf vermissen. Diese Energie hätte ich gerne an anderen Stellen des Songs vermehrt gehört, aber darauf wartet man letztlich vergeblich und so wird viel verschenkt. Für das Cover von "When The Rain Begins To Fall" muss ich ein großes Kompliment aussprechen, denn es ist kein 08/15 Cover, sondern CANTERRA haben es zu ihrem höchsteigenen Song gemacht - Daumen hoch! Der Rausschmeißer arbeitet dann sogar mit Growls und einer gewissen Härte, gibt dem Album so nochmal einen anderen Kontrast. Leider ist nach nur acht Songs aber auch schon wieder Feierabend.

"Heartmachine" ist dieses eine Album, das hätte groß werden können, aber das große Ganze zu oft aus den Augen verliert. Sängerin Korinna hat eine spannende Stimme, sollte diese aber nicht zu krass ausreizen innerhalb eines Songs, weil das den Hörer schnell überfordert. Die Spielereien mit der Rhythmik gefallen mir sehr gut, auch wenn das bestimmt Geschmackssache ist. Die Produktion wirkt nicht sehr homogen und auch da geht leider viel verloren im Sound. Acht Songs sind am Ende auch ein bisschen dünn, um sich als Longplayer durchzusetzen, dennoch zeigen CANTERRA, dass sie einen eigenen Sound verkörpern und ich hoffe, dass man in Zukunft noch mehr daraus macht!



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Sonata (19.08.2020)

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