CYTOTOXIN - Nuklearth

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VÖ: 21.08.2020
Bandinfo: CYTOTOXIN
Genre: Technical Death Metal
Label: Unique Leader Records
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Lineup  |  Trackliste

Was spielt brutalen, technischen Death Metal und leuchtet im Dunkeln? Wenn man nach der Musikbeschreibung geht, sind CYTOTOXIN mit ihrem „Chernobyl Death Metal“ wohl gute Kandidaten für einen schlechten Witz (und bei den musikalischen Irrsinn, den die Jungs aus Sachsen da aufführen, könnte man auch meinen dass die Kollegen ein bis zwei zusätzliche Arme zur Verfügung haben).

In 2017 hatte man ja schon mit „Gammageddon“ eine überraschend gute Scheibe am Start, ein paar Jährchen später wird die noch durch das aktuelle „Nuklearth“ übertroffen. Die Grundzutaten sind die gleichen (brutaler, technisch hochwertiger Death Metal an der Grenze zum Core, der zwischen Hochgeschwindigkeit, Groove und Melodien pendelt), aber leichte Änderungen in Details heben die Platte nochmal ein Stück höher. Die Geschwindigkeit etwa ist gefühlt nochmal ein Stück angehoben worden und erreicht schon fast ARCHSPIRE-Niveau, die Vocals konzentrieren sich etwas mehr auf die Growls die tiefer als Uranminen daherkommen, und die Gitarrenleads sind etwas eingängiger gehalten als beim Vorgänger.

Das führt dazu, dass es auf „Nuklearth“ nur so vor Highlights wimmelt, gleich vom Start weg überzeugt etwa „Atomb“ mit hartem Start und folgenden Speed-Melodien, die sich in unterschiedlichen Formen abwechseln, während „Lupus Aurora“ in düstereren Gefilden wildert (die bitterböse Black/Death-Walze erinnert von der Brutalität her teilweise an HOUR OF PENANCE) – und hier gibt es mit einem ruhigen Zwischenstück eine der wenigen Verschnaufpausen auf dem Album. „Uran Breath“ (wie riecht das? Wie der Morgenatem nach einem Bier- und Käsekrainer-Exzess?) schiebt permanent an, und „Dominus“ ist teilweise fast schon genial – der Song fängt noch verhalten an, aber man spürt es im Urin (Uran?), dass da bald ein Kracher kommt. Und tatsächlich, bald geht es zu wie bei besten NECROPHAGIST-Zeiten: schnell, böse, melodisch. Herrlich!

Und auch der Rest der Scheibe kann sich hören lassen, vom ORIGIN-inspirierten „Drown In Havoc“ über das eher groove-lastige „Soul Harvester“ bis hin zum Titeltrack. Beim abschließenden instrumentalen „Mors Temporis“ kommt mit Meeresrauschen, Geigerzähler-Piepsen und symphonischer Musik Lagerfeuer-Stimmung auf… wenn man sich das Lagerfeuer in den verstrahlten Pripjat-Sümpfen von Tschernobyl so vorstellt.

Im Vergleich zum Vorgänger haben CYTOTOXIN ihr radioaktives Material also nochmal deutlich angereichert, zur Höchstnote fehlt nur der eine oder andere Über-Hit. Aber „Nuklearth“ ist auf jeden Fall so gut, dass CYTOTOXIN damit sehr im Radio aktiv werden sollten (und damit ist glücklicherweise der Vorrat an nuklear inspirierten schlechten Wortspielen aufgebraucht…)

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Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Luka (27.08.2020)

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